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Christian Lauer/SOL.DE

Koch-Legende Eckart Witzigmann schaltet sich in den Saar-Küchenstreit ein

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Eckart Witzigmann gilt als einer der besten Köche der Welt. Viele Sterneköche gingen durch seine Schule. Foto: Andreas Gebert

Wir erinnern uns: Beim Besuch des niederländischen Königspaars im Saarland vor ein paar Tagen ließ Saar-Ministerpräsident Tobias Hans im Saarbrücker Schloss auftischen.

Als Koch war nicht etwa einer der hiesigen Sterneköche engagiert. Aus Spargründen ging der Auftrag an einen saarländischen Partyservice. Formal ist daran nichts zu meckern. Regierungssprecherin Anne Funk verwies gegenüber SOL.DE auf die Ausschreibung: Der Caterer hatte das günstigere Angebot abgegeben.

Es ist zwar nicht überliefert, ob König Willem-Alexander oder seiner Gattin, Königin Maximà, die Jakobsmuscheln, der Kalbsrücken vom saarländischen Black-Angus-Rind oder die hausgemachten Kartoffel-Gnocchi gemundet haben oder nicht.

Dennoch regte sich Widerstand, zum Beispiel von Klaus Erfort aus Saarbrücken, dekoriert mit Drei-Michelin-Sternen: „Unglaublich! Wir im Saarland haben die besten Köche Deutschlands und dann kommt ein Partyservice." Zuvor hatte Christian Bau in Perl-Nennig, ebenfalls drei Sterne, gezürnt: „Die Politik missachtet uns." Die saarländische Regierung werbe zwar mit den Sterneköchen, „bei solchen speziellen Ereignissen sind wir dann aber plötzlich außen vor", ergänzt Erfort.

Die Politik fremdelt mit den Spitzenköchen

Die Klagen der saarländischen Sternekollegen gelangten auch zu Eckart Witzigmann, der bei Facebook auf den SOL.DE-Artikel aufmerksam wurde und ihn dort teilte. Witzigmann gilt als einer der besten Köche weltweit. In seinem „Restaurant Aubergine“ am Münchner Maximiliansplatz erkochte er 1980 die ersten drei Sterne Deutschlands. Viele Vetreter der ersten deutschen Koch-Garde haben bei ihm gelernt. 

Der saarländische Küchenstreit lässt auch Witzigmann nicht kalt. Im Gespräch mit SOL.DE sagt der Jahrhundert-Koch: „Bei jedem Staatsbesuch, seien es gekrönte Häupter oder bürgerliche Volksvertreter, wabert die Diskussion hoch, ob die Gäste auch angemessen bewirtet wurden." Er selbst habe das Glück gehabt, „in der Amtszeit von Bundespräsident Scheel und später Kanzler Schröder engagiert zu werden, da war von Caterern weit und breit keine Spur." 

Die bundesdeutsche Politik habe auch in den vergangenen Jahrzehnten mit der Spitzenküche gefremdelt: „Mit dem Wirtschaftswunder wurden auch die Teller üppiger, die deutsche Küche wurde zwar reichhaltiger, aber nicht zwingend besser. Das spiegelte sich auch bei den großen Staatsbanketten wider, da wurde zwar viel aufgefahren, aber die Qualität blieb weit unter der internationalen Latte. Kein Wunder auch, wenn ein wandernder Bundespräsident von Würstcheneintopf als kulinarischem Höhepunkt schwadronierte (Anmerkung der Redaktion: Eckart Witzigmann meint Bundespräsident Karl Carstens, im Amt von 1979 bis 1984).

In den Folgejahren änderte sich wenig, urteilt Witzigmann: „A
uch in den letzten Jahrzehnten, als die Welt anerkennend vom deutschen Küchenwunder zu schwärmen begann, hielt dieses hochgelobte Wunder keinen Einzug bei der Bewirtung von Staatsgästen. Der spröde Calvinismus gab leider weiter den Ton an, während in Italien, Spanien, England und vor allem in Skandinavien und Frankreich die Koch-Elite den Staatsgästen zeigte, zu welchen Leistungen die heimische Küche fähig ist."

Witzigmann: Riesen-Chance für PR wird verpasst

Der begnadete Spitzen-Koch findet, dass die Politik hier am falschen Ende spare: „Deutschland, als eines der reichsten Länder der Erde, hinkt da leider gewaltig hinterher. Obwohl die Küche des Landes mit Lob überschüttet wird, hat offensichtlich bei den Besuchen der Präsidenten und Königinnen die sparsame, schwäbische Hausfrau das Kommando beim Protokoll." 

Die Chance, PR für den Rest der Welt zu machen, werde verpasst, wenn man nicht zeige, „zu  welchen Dingen die Küche des Landes fähig ist."

Im Gespräch mit SOL.DE wundert sich Witzigmann, „warum nicht die besten deutschen Köche bei Staatsbesuchen engagiert werden, um eindrucksvoll unter Beweis zu stellen, warum die in Deutschland tätigen Köche zur Weltspitze gehören."

Darf es eine Staatskanzlei richtig krachen lassen?

Dieser berechtigte Stolz sei „in der Polititk leider nicht angekommen, deshalb übernehmen auch nicht die Spitzenköche das Kommando, wenn Könige und Präsidenten bei uns zu Gast sind."

Witzigmann ist sich sicher: "Da wird leider eine große Chance vertan, dieses Land nicht nur als tüchtig, sondern auch als lebensfroh zu präsentieren."

Darf es eine Staatskanzlei also ruhig krachen lassen, um bestmögliche PR für das Land zu machen? Geschmackssache. Kritiker würde das eine wie das andere auf den Plan rufen: Entweder die Gastrokritiker oder den Steuerzahlerbund. Saar-Regierungssprecherin Anne Funk verweist auf die Ausschreibung: „Unter besonderer Berücksichtigung der Budgetplanung haben wir uns dann entschieden."

Ausschreibung - das klingt nach politischer Realität und anders als Lebensfreude - oder gar: Savoir vivre.

© WhatsBroadcast
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