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Shopping Queen von Saarbrücken Ivonne Becker im Interview: "Der Shopping-Tag ist Stress pur"

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Ivonne Becker ist amtierende Shopping-Queen von Saarbrücken und hat über 28.000 Follower auf Instagram. Fotos: VOX/SOL.DE-Redaktion

Im Dezember ist es endlich wieder soweit: „Shopping Queen" kommt nach Saarbrücken. Aber was muss man tun, um Kandidatin zu werden? Wie läuft der Shopping-Tag wirklich? Wie ist Guido eigentlich? Und was tun, wenn man die Krone errungen hat? Das alles und noch viel mehr haben wir die amtierende „Shopping Queen" von Saarbrücken gefragt. 

Ivonne Becker aus Merchweiler hat den Wettkampf 2016 für sich entscheiden können. Mit ihrem lässig-sportlichen Stil inspiriert sie jetzt andere. Nach „Shopping-Queen" ist die zweifache Mutter auf Instagram zur Influencerin geworden, auch wenn sie selbst mit dieser Bezeichnung so ihre Schwierigkeiten hat. Die zierliche, kleine Frau, kann laut Guido „fast alles tragen". Die SOL.DE-Redaktion lässt sich dazu hinreißen, ihm zuzustimmen. 

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Im Café Fredrik in Alt-Saarbrücken haben wir uns mit der amtierenden Shopping Queen und Influencerin Ivonne Becker unterhalten. Foto: SOL.DE-Redaktion

Shopping Queen: Bewerbung, Ablauf und natürlich Guido

Wie läuft das wirklich ab? Sind die Dialoge gestellt? Warum sind die so gestresst? Und ist Guido wirklich so herzlich wie im Fernsehen? Jeder Shopping-Queen Fan stellt sich wahrscheinlich die gleichen Fragen. Ivonne hat sie uns beantwortet: 

Wie verläuft der Bewerbungsprozess?

Der Weg in die Sendung ist lang. In mehreren Runden mussten Ivonne und ihre Mitstreiterinnen den TV-Sender Vox von ihrer Bildschirmtauglichkeit und ihrem Modegespür überzeugen. Der erste Schritt ist klar: Erstmal Interesse ankündigen. Ergo: Einen Fragebogen online ausfüllen. Die Fragen sind dabei eher harmlos. Neben Namen und Alter wird lediglich der Familienstand und kurze Infos wie Hobbys und Talente erfragt.

Hat man diese Runde überstanden, geht es erst richtig los. Auch in der zweiten Etappe verläuft der Kontakt ausschließlich schriftlich. Ein umfangreicherer Fragebogen mit Angaben wie Kleidergröße und Gewicht soll ausgefüllt werden. Dazu kommen Unmengen Fotos. Nicht nur die potentielle Kandidatin soll abgelichtet werden, sondern auch ihr Lieblingszimmer, ihr Kleiderschrank und alles, was sie noch interessant macht.

Wenn das überstanden ist, kommt es erst zu echtem Kontakt mit den Produzenten. Oder zumindest einem Lakaien. Der taucht mitsamt Kamera auf und macht Probeaufnahmen. „Es geht vor allem darum, wie man vor der Kamera wirkt, aber man darf auch mal ein paar Klamotten und Outfits zeigen", meint Ivonne. Das heißt also: Viel umziehen. Wenn man Model werden möchte, eine gute Übung. Erst anhand der Probeaufnahmen werden dann die finalen fünf Kandidaten ausgesucht. 

Warum laufen die Kandidatinnen immer in den ersten Laden zurück, statt ein neues Geschäft auszukundschaften?

Ganz einfach: Weil an einem Shopping-Tag nur etwa fünf Läden zur Verfügung stehen - Friseur inklusive. Für weitere gibt es keine Drehgenehmigung. „Du erstellt eine Liste mit Läden, die für dich infrage kommen, und der Sender wählt dann eine Handvoll davon aus. Wohin es geht, erfährt man erst, wenn man in den Bus steigt", erklärt Ivonne.

Die Liste mit den Vorschlägen kann durchaus auch länger ausfallen. Ivonne hat diese Option aber nicht ausgereizt: "Mir war es wichtig, nur Läden vorzuschlagen, in denen ich auch im Alltag shoppen würde." Die Gefahr am Ende in einem Laden einkaufen zu müssen, mit dem man eigentlich nichts anfangen kann, war ihr zu groß. Auf ihrer kurzen Liste waren vor allem kleine Boutiquen wie „Zeitgemäß" der Laden, in dem sie ihr Gewinneroutfit fand. Ketten wie H&M oder Zara geben übrigens grundsätzlich keine Genehmigung. Das erklärt einiges. 

Warum sind immer alle so fertig nach vier Stunden shoppen?

„Der Shopping-Tag ist Stress pur", meint Ivonne. Von morgens in der Frühe bis in den späten Abend dauern die Dreharbeiten. Die gesamte Shoppingtour dauert tatsächlich nur vier Stunden. Die Zeit läuft gnadenlos von Anfang an. Innerhalb dieser Zeit werden allerdings auch die sogenannten Schnittbilder (liebevoll SchniBis genannt) gemacht. Zum Beispiel müssen einzelne Handgriffe für das Schnittbild unter Umständen immer wieder neu gedreht werden. „Wenn eine Verkäuferin ein Teil aus dem Regal nimmt, wird das vielleicht zehnmal gedreht. Wenn sie nicht sooo schnell versteht, was sie tun soll, verliert man Zeit", erklärt Ivonne. Die Uhr wird dabei nicht angehalten. Da aber bei allen Kandidatinnen so verfahren wird, haben alle das gleiche Handicap. So entsteht allerdings noch mehr Stress, als dem Zuschauer bewusst wird. 

Gestoppt wird zwischendurch nur selten. Etwa für Zigarettenpausen. In dieser Zeit ist allerdings Beratung mit der Shopping-Begleitung nicht erlaubt. Nach vier Stunden Hetzerei und Stress wird der Kandidatin vor ihrem Auftritt auf dem Laufsteg noch ein Essen spendiert. Auch wenn man in der Sendung nichts davon mitbekommt: Shopping Queens müssen nicht den ganzen Tag fasten!

Wie wird man „Shopping Queen"?

Der Gewinn ist für Ivonne vor allem Glückssache. „Wenn man mit der Tour beginnt und gleich was findet, dann ist es ein Selbstläufer." Natürlich schadet Stil dabei nicht. Ivonne hat ein paar Tipps: Neben der Auswahl der richtigen Läden, in denen man sich auch ein bisschen auskennen sollte, kann Vorbereitung nicht schaden. Auf Instagram kann man sich über aktuellen Style informieren und einfach ein paar Ideen sammeln, womit Trendteile so kombiniert werden.

Natürlich ist es nicht absehbar, welches Thema die Kandidatinnen erwartet, nichtsdestotrotz wird es im Dezember wohl kaum Sommerkleider geben. In der Regel wird den Kandidatinnen auch der Ausstrahlungstermin mitgeteilt, allerdings sind manche Themen (wie das Muttertagsthema) von dieser Regel ausgeschlossen. Die Kandidatinnen könnten sonst schummeln.

Und: Der wichtigste Faktor überhaupt sind natürlich die Menschen, die die Punkte vergeben. „Man bewertet jetzt zwar ein Outfit nicht sofort besser, nur weil man die Kandidatin mag, aber wenn man sich gut versteht, weiß man es einfach mehr zu schätzen, wenn die Klamotten gut zur Persönlichkeit passen." Seid also immer schön lieb zueinander!

Ivonne sieht bei den Saarländern außerdem einen Heimvorteil: „Als Saarländer kann man davon ausgehen, dass man sich immer zweimal sieht. Darum will es sich keine mit den anderen verscherzen." Außerdem tun sich Saarländer bekanntlich schnell und gerne zusammen. „In unserer Gruppe haben wir uns sehr gut verstanden." Von ihrem Gewinn ist Ivonne erstmal mit den anderen Kandidatinnen essen gegangen

Außerdem ist Gewinnen bekanntlich nicht alles. „Als ich angetreten bin, dachte ich: Das ist ein Wettkampf und du willst diese Krone. Nach dem ersten Tag wollte ich bloß nicht blöd dastehen." Zwar würde das Produktionsteam niemanden bloßstellen oder in ein bestimmtes Licht drängen, trotzdem hinge natürlich viel von Schnitt und Darstellung ab. „Ich hab mir immer wieder gesagt: Nicht Saarländeln! Nicht Saarländeln. Aber im Eifer des Gefechts ist mir dann trotzdem das ein oder andere rausgerutscht. War aber halb so wild."

Und wie ist Guido so?

Das sind gute Nachrichten: „Guido ist genauso, wie er rüberkommt". Der Designer und Moderator ist freundlich, lustig und herzlich. Und noch mehr gute Nachrichten: Die Kandidatinnen verbringen nicht nur die fünf Minuten, die im Fernsehen gezeigt werden, mit Guido, sondern er nimmt sich soviel Zeit er kann. „Wir waren mehr als eine Stunde mit Guido im Showroom. Er hat sehr ausführlich Feedback gegeben und sogar unsere Taschen signiert", erzählt Ivonne zufrieden. 

Influencer, oder: Was Shopping-Queens nach der Krönung tun

Guido hat die Krone überreicht, der Kleiderschrank ist um ein paar schicke Teile reicher geworden und das Preisgeld ist verpulvert. Was nun? Erst ein Jahr nach ihrem Erfolg bei Shopping-Queen kam Ivonne der Gedanke, dass sie mit dem übervollen Kleiderschrank noch mehr anfangen kann.

Bei Instagram war sie schon, aber die Plattform diente vor allem dazu herauszufinden, wie sie bislang unangerührte Teile im Schrank doch noch kombinieren kann. „Ich mache da immer gerne das Beispiel: Tüllrock. Ich hatte mir einen gekauft, wusste aber einfach nicht, wie ich ihn anziehen könnte."  Ein Blick auf Instagram sorgte für Inspiration. "Da dachte ich: das kann ich auch und vielleicht interessiert es ja sogar jemand, was das kleine Mädchen aus dem Saarland so anzieht." 

Und es funktioniert: Aktuell hat Ivonne stolze 28.300 Follower. Seither zeigt sie auf der Plattform, was ihr Kleiderschrank so hergibt und vor allem, wie man Trendteile so trägt, dass sie auch im kleinen Saarland alltagstauglich sind. 

Influencer im Saarland - Macht der Standort einen Unterschied?

Zwar sollte man meinen, dass Mode als nationales, ja globales Phänomen nicht an regionale Unterschiede gebunden ist, aber dennoch macht das Saarland als Standort einen Unterschied. „Ich würde zu Hause im kleinen saarländischen Ort natürlich nicht tragen, was ich in Berlin tragen würde." Anders als der gemeine Berliner, haben Saarländer einen eher zurückhaltenden Stil, meint Ivonne. „Leider trauen sich nur wenige mal was Außergewöhnlicheres anzuziehen."

Das sei aber auch den Strukturen geschuldet. Wo jeder jeden kennt und über drei Ecken alle verwandt sind, ist es eben schwieriger, UGG Overknees salonfähig zu machen. Im Saarland ist es eher die schlichte Weste (oder besser  Jacke? Bei dieser alles entscheidenden Frage kommt bei Ivonne doch die Saarländerin durch.) Der Vorteil: Die freundliche, offene Art der Saarländer, ist genau, was bei Instagram gefragt ist.

Was macht Instagram aus?

„Vor allem geht es darum, sich auszutauschen, zu inspirieren und sich inspirieren zu lassen", meint Ivonne. Wer also viele Follower erreichen will, sollte vor allem liken und kommentieren, was das Zeug hält. Das Schöne: Instagram ist eine Kuschelplattform. Hier haben sich alle lieb! Statt Hasskommentaren gibt es also Komplimente und freundliches Feedback.

Meistens. Einige wenige schlechte Erfahrungen hat Ivonne trotzdem gemacht. „Es gab mal ein paar anzügliche Kommentare unter meinen Bildern, aber das war alles." Die Urheber hat sie gesperrt. „Ich bin verheiratet und habe Kinder. Sowas brauche ich nicht. Auch nicht virtuell."

Seit fast zwei Jahren postet Ivonne nun jeden Tag ein Foto von ihrem Outfit des Tages. Inzwischen schicken Modefirmen ihr Proben und PR-Artikel zu, damit sie sich mit den Teilen fotografiert. „Am Anfang war ich völlig überrascht und habe alles angenommen, inzwischen suche ich mir genau aus, für wen und was ich Werbung mache. Ich will auch hinter den Sachen stehen können. Sie sollen zu mir passen."

Was ist gerade trendy?

Zwar ginge der Trend zu „mehr Realität auf Instagram", das heißt, immer mehr User bemühen sich auch Fotos zu posten, auf denen nicht alles perfekt ist. Für Ivonne ist das nichts. „Natürlich könnte ich auch Fotos posten, wenn ich gerade aufgestanden bin, aber ich sehe nicht, wozu das gut sein soll und würde mich auch nicht wohlfühlen dabei."

Die neuesten Pyjama-Trends sind womöglich auch eher ein Nischen-Thema. Wir haben auf Ivonnes Profil dafür gelernt, dass Leo und Animal-Print zurückkommen. 

Kostet das nicht viel Zeit?

Anfangs hat sie für die Bilder viel Zeit investiert. „Ich habe jeden Abend etwa zwei Stunden lang Bilder gesucht, geliket und kommentiert. Von jedem Look hab ich etwa 50 Fotos gemacht." Ganz soviel Zeit braucht sie heute nicht mehr. „Irgendwann hat man den Bogen raus, weiß, wie und wo man stehen muss, um ein gutes Bild zu bekommen." Neben Full-Time-Job und Familie ist dafür auch schlicht nicht genug Platz. 

Auch für eine erneute Teilnahme bei „Shopping Queen" fehlt die Zeit. Auf der Fotoplattform holt Ivonne ihre Krone trotzdem ein: „Wildfremde Frauen haben mich gefragt, ob ich ihre Shopping-Begleitung sein will." Die Angebote hat sie allerdings abgelehnt. „Man sollte jemanden mitnehmen, den man gut kennt und sehr mag."

Danke für den Tipp! Die extrem stylishe und liebenswerte SOL.DE-Redaktion bewirbt sich also im Kollektiv und wünscht allen saarländischen Shopping-Queens viel Glück!

© WhatsBroadcast
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