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Nazi-Vergangenheit des Namensgebers: Saarbrücken ändert Straßennamen

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Die Straße am Saarbrücker Winterberg in der Nähe des Klinikums wird künftig „Oscar-Gross-Weg" heißen. Foto: BeckerBredel

Der „Hans-Dietlen-Weg“ in Saarbrücken wird umbenannt. Ab kommenden Donnerstag (6. Dezember) soll die Straße am Winterberg „Oscar-Gross-Weg“ heißen. Das Schild wird am 9. Januar montiert. 

Hans Dietlen - Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Der Grund: Hans Dietlen (1879 bis 1955) war ein Verbrecher gegen die Menschlichkeit. Der Arzt, der im Saarbrücker Bürgerhospital praktizierte, war Mitglied der NSDAP und sterilisierte ab 1940 Menschen gegen deren Willen. Der Chef der Röntgenabteilung machte sich dabei auch die Strahlen zunutze.

Die verbrecherische Vergangenheit des Saarbrücker Arztes wurde erst in diesem Sommer aufgedeckt. Hans Dietlen blieb Zeit seines Lebens unbehelligt. Da er sich in der Nachkriegszeit um die Stadt verdient machte, wurde 1968 die Straße in der Nähe der Klinik nach ihm benannt. 

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin hatte nun im Rahmen von historischen Forschungen unter anderem Patientenakten aus dem Saarbrücker Bürgerhospital ausgewertet. Das Ergebnis wurde in einem Buch zusammengefasst, bei dessen Vorstellung auf dem Ärztekongress in Mannheim auch ein Saarbrücker Arzt zugegen war. Dieser informierte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Bezirksbürgermeisterin Christa Piper. Und die beschlossen daraufhin den Namen zu ändern.

Dr. Oscar Gross - Der Vorgänger wird zum Nachfolger

Stadtarchivar Hans-Christian Herrmann wurde damit betraut, einen neuen Namen zu finden. Er wählte Hans Dietlens Vorgänger Dr. Oscar Gross - einen jüdischen Arzt. Aufgrund seiner Abstammung musste er in der Nazi-Zeit seinen Posten räumen, 1939 flüchtete er nach England und lebte ab 1945 in den USA. Als er jedoch 1952 - damals war er bereits 71 Jahre alt - vom Saarbrücker Bürgerhospital seine Pension verlangte, wurde seine Bitte nicht gewährt. Die Stadt gab ihm freiwillige Ersatzleistungen, bis der Bund seine Ansprüche etwas später anerkannte und zahlte. 

Da der Jude Oscar Gross damals seine Stelle in Saarbrücken für Hans Dietlen räumen musste, ist es nur passend, dass er nun den Platz seines Nachfolgers auf dem Straßenschild und damit im Stadtbild einnimmt. Der Stadtarchivar erklärte laut „SZ" in einer E-Mail an Christa Piper: „Die Umbenennung würdigt die Lebensleistung von Professor Gross. Ohne das Gross widerfahrene Unrecht wäre Hans Dietlen wohl nicht Arzt in Saarbrücken geworden.“

Die Reaktion der Anwohner

Jedoch nicht alle haben so viel Verständnis für die Maßnahme der Stadt. Die Anwohner des (noch) Hans-Dietlen Wegs kritisieren den Ablauf des Entscheidungsprozesses. Der Vorgang sei völlig undemokratisch und über die Köpfe der Bewohner hinweg beschlossen worden. Die Bezirksbürgermeisterin suchte das Gespräch mit den Betroffenen, um einen Kompromiss zu finden. Das berichtet die „SZ. Dieser besteht nun darin, dass das alte Straßenschild noch bis zum Sommer unter dem Neuen hängen soll. Zudem werden für alle Bewohner Nachsendeanträge bei der Post gestellt.

Die überwiegend älteren Bewohner des künftigen Oscar-Gross-Weges sind laut „SZ" mit dem Vorgehen dennoch nicht zufrieden. Die Umbenennung ging einfach zu schnell. 50 Jahre lang war die Straße am Winterberg nach dem Nazi-Arzt benannt.

© WhatsBroadcast
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