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"Mir geht es oft nicht schnell genug": Interview mit OB-Kandidatin Charlotte Britz (SPD)

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Charlotte Britz ist seit 2004 die Oberbürgermeisterin von Saarbrücken. Foto: Tobias Ebelshäuser

SOL.DE: Frau Britz, wir haben uns am St. Johanner Markt getroffen und sitzen jetzt im Café Thonet. Warum haben Sie diesen Ort als Lieblingsort in Saarbrücken ausgesucht?

Charlotte Britz: Das Café strahlt das junge und urbane Saarbrücken aus. Der Ort, an dem wir jetzt hier sitzen – das ist so ein Platz, von denen es in Saarbrücken etliche gibt, die viele aber gar nicht kennen.

Nicht jeder Ort in der Stadt ist so schön wie dieser hier. Wo muss sich Ihrer Meinung nach am dringendsten etwas ändern?

In Burbach beispielsweise haben wir einen großen Strukturwandel vollzogen. Dort sind viele Arbeitsplätze verloren gegangen und wir haben jetzt wieder 5.000 neue Arbeitsplätze geschaffen – fast so viele wie damals verloren gegangen sind. Um den Strukturwandel weiter voranzutreiben sind wir jetzt dabei, mit der deutschen Reihenhaus AG Häuser und Wohnraum für Familien mit Kindern zu schaffen – mitten in einem Bildungszentrum. Wir haben dort eine hervorragende KiTa, eine tolle Schule und werden dort jetzt eine neue Grundschule bauen. Eine Stadt zu entwickeln, ist eine dauerhafte Aufgabe.

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Für das Interview hat sich Britz einen der versteckten Orte von Saarbrücken ausgesucht: Den Hinterhof des Café Thonet. Foto: Tobias Ebelshäuser

Burbach haben Sie jetzt schon angesprochen. Aber es gibt ja noch andere Stadtteile, die mehr oder minder abgehängt sind. Dudweiler ist so einer.

Dudweiler hatte bis 2014 einen Sonderstatus, war lange Jahre selbstverwaltet. Insofern hat die Stadt Saarbrücken erst seit einigen Jahren vollen Einfluss auf die Stadtentwicklung. Wir sind dabei, auch ein Stadtentwicklungskonzept für Dudweiler zu erstellen. Wir werden zum Beispiel die Fußgängerzone sanieren, die Planungen laufen. Und am Anger werden wir  neue Wohnungen schaffen. Auch die Einkaufssituation soll verbessert werden. In der Beethovenstraße wird ein neues Einkaufszentrum entstehen mit Studentenwohnungen.

Und wir hoffen, dass wir im alten Kino in Dudweiler ebenfalls noch eine Einkaufsmöglichkeit für die Dudweiler Bürger schaffen können. Dann gibt’s natürlich die internationale Schule, die wir dort errichten werden. Eine ganz große Chance ist das Helmholtz-Institut, das sich an der Universität ansiedeln wird.

Was könnte man im Nauwieser Viertel tun, um den aktuellen Streit zwischen Anwohnern und Partygästen zu schlichten?

Wir setzen in Saarbrücken auf das Gespräch und deshalb haben wir die sogenannten Ruhebewahrer eingesetzt. Vor vielen Jahren hatten wir die Marktwächter am St. Johanner Markt, als es Konflikte mit Wirten und Anwohnern gab. Das hat sich sehr gut entwickelt und deshalb setzen wir auf das Gespräch und auf die Vernunft der Menschen.

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Auf die wirtschaftliche Entwicklung Saarbrückens in den letzten Jahren ist sie besonders stolz. Foto: Tobias Ebelshäuser

Was ist ihre persönliche Meinung zu dem Konflikt?

Erstmal muss man natürlich wissen, wo man hinzieht. Wenn ich in die Nähe von einer Kirche ziehe, dann läuten die Glocken. Wenn ich ins Nauwieser Viertel ziehe, wo so viele Kneipen sind, dann weiß ich, dass es laut wird. Es gibt aber inzwischen auch Alteingessesene, die sagen, die Atmosphäre im Viertel verändert sich. Es kommen mehr Partymacher von außen, die keine Rücksicht nehmen. Das nehmen wir ernst. Und es gibt Verhaltensweisen, die man einfach nicht dulden muss, also urinieren oder einfach seinen Dreck irgendwo hinwerfen.

Das Nauwieser Viertel ist auch ein Studentenviertel. Aus dem Saarland ziehen jüngere Menschen verstärkt weg, in Saarbrücken steigt die Bewohnerzahl leicht. Was kann man tun, um die Stadt für junge Leute attraktiver zu machen?

Aus meiner Sicht war ein ganz großer Fehler, dass die saarländische Landesregierung entschieden hat, an der Universität des Saarlandes zu sparen. Wir müssen einfach in die Bildung für junge Menschen investieren – in die Uni, aber auch das neue Ausbildungszentrum der Handwerkskammer - , damit wir jungen Menschen eine Möglichkeit bieten können, sich zu bilden und sich zu entwickeln.

Der zweite Schritt wäre, diesen jungen Menschen zu helfen, dass im Saarland bleiben zu können. Aus meiner Sicht müsste es endlich einen Landesentwicklungsplan geben, der hierzu Strategien benennt. Wir arbeiten in Saarbrücken an den Voraussetzungen, um  junge  Menschen hier zu halten.

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Ein Grund, warum viele wegziehen, ist das Fehlen von bezahlbarem Wohnraum. Wo könnte man da ansetzen?

Wir investieren jedes Jahr zehn Millionen Euro in die Sanierung bezahlbaren Wohnraums. Das Saarland hat jetzt Förderrichtlinien für den Neubau von sozialem Wohnraum erstellt, nachdem wir sehr starken Druck gemacht haben. Wir werden deshalb dieses Jahr beginnen, nochmal neu zu bauen. Außerdem müssen wir die Eigentümer dazu aufzufordern, ihren Wohnraum zu vermieten. In der Dudweiler Straße stehen zum Beispiel zwei oder drei Häuser komplett leer.

Das ist alles eine Frage des Geldes und wie wir sehen, ist das auch ein bundesweites Thema.

Wenn man es nicht schafft, eine Wohnung in der Innenstadt zu bekommen, muss man mit dem Auto nach Saarbrücken fahren. Die Parksituation ist aber eher schwierig. Es gibt zu wenige und zu teure Parkplätze. Die Verhandlungsrunde mit Q-Park ist ohne Ergebnis ausgegangen. Wie wird jetzt verfahren?

Parken ist in Saarbrücken das Thema Nummer eins und ich vertrete die Auffassung: Wir haben unterschiedlichste genügende Parkmöglichkeiten in der Stadt – günstige aber auch teure.

Von Uwe Conradt und Markus Lein kam der Vorschlag, Park & Ride-Stationen außerhalb zu bauen, von denen man dann mit kostenlosem ÖPNV in die Innenstadt käme.

Wir bauen ein Parkhaus in Brebach am Bahnhof. Was das Parken an der Saarlandhalle angeht – sehr gerne, da bin ich sofort dabei. Die Idee hatten wir schon mal, sie war nur nicht finanzierbar.

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Als begeisterte Radfahrerin will sie die Fahrradwege in Saarbrücken weiter ausbauen. Foto: Tobias Ebelshäuser

Sie sind viel mit dem Fahrrad unterwegs. Von den anderen OB-Kandidaten kamen mäßig begeisterte Stimmen, was die Radwege auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke angeht. „Die Partei“ schlägt eine Sprungschanze über die Saar vor, weil sogar das sicherer sei. Ist die neue Brücke Ihrer Meinung nach gelungen?

Ich finde sie sehr gelungen. Der Radweg ist so, wie wir das in vielen anderen deutschen Städten sehen. Die Saarländer sind ja nicht dümmer oder ungeschickter als andere. Ich fand es sehr erstaunlich, wie die Diskussionen über diesen Fahrradweg geführt wurden.

Was man nicht verschweigen darf: Wir müssen noch mehr tun, um die Fahrradwege zu installieren, und sie sicherer zu machen. Wir bauen überall, wo gerade saniert wird, Fahrradwege - wenn es möglich ist.

Ich persönlich fahre gern über die Wilhelm-Heinrich-Brücke mit dem Fahrrad und fühle mich auch sicher.

Thema Sicherheit: Viele fühlen sich gerade in den Abendstunden in Saarbrücken nicht mehr sicher.

Die Sache muss man sehr ernst nehmen. Ich war eine der ersten, die eine Sicherheitspatenschaft gemeinsam mit Innenminister Klaus Boullion eingerichtet hat.

Wir leben in einer Landeshauptstadt, die wirtschaftlich stark ist, die lebendig ist, die ein tolles Nachtleben hat. Aber wir haben natürlich auch andere Phänomene, die wir sehen müssen. Menschen haben Ängste. Wir haben andere Kulturen in unserer Stadt, die zu uns gekommen sind, die den Menschen teilweise Ängste machen.

Wenn ich mir jetzt Facebook anschaue, wird das Thema viel diskutiert. Dort wird auch versucht, sehr viel Stimmung zu machen. Man darf das nicht auf die Seite schieben und sagen: „Alles ist in Ordnung. Wir leben in einer heilen Welt.“ Nein, wir leben in einer Gesellschaft, die auch Schattenseiten hat. Aber das Problem hat sich auf wenige Bereiche der Stadt konzentriert. Und gemeinsam mit der Polizei haben wir es inzwischen bereits deutlich entschärft. Wir werden hier weiter arbeiten.

Wir haben ja zum Beispiel  gefordert, dass wir mehr Polizei in die Stadt bekommen. Das ist tagsüber sehr gut gelungen. Viele reden zum Beispiel immer noch über die Johanneskirche. Dort hat sich die Situation jedoch sehr stark verbessert.

Wir leben in einer tollen und weltoffenen Stadt. Ich habe auch ganz viele Menschen getroffen, die sich erfreuen an dem Flair in unserer Stadt.

Also ist es ihrer Ansicht nach eher ein gefühltes Problem oder ist es Realität, dass es unsicherer geworden ist?

Wenn man die Zahlen sieht, ist es ein gefühltes Problem. Trotzdem möchte ich den Menschen nicht absprechen, dass sie Ängste haben und auch darauf muss man reagieren. Wir brauchen vor allem in den Nachtstunden noch mehr Polizeipräsenz.

Wir wollen Revue passieren lassen, was sie in den letzten 15 Jahren im Amt erlebt haben. Auf was sind Sie besonders stolz?

Die Stadt hat eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung genommen. Wir haben über 10.000 Arbeitsplätze geschaffen. Dann die Bürgerbeteiligung, die wir massiv verstärkt haben durch Stadtteilbesuche, durch Befragungen, denen ich mich auch stelle. Die Entwicklung in der Innenstadt. Das Stadtbild insgesamt. Das hat mir gestern auch wieder eine Dame gesagt: Man merkt, dass eine Frau an der Spitze ist. Dass man die Blumen in der Stadt sieht. Wir sind eine der zehn grünsten Städte in Deutschland, das wird oft vergessen.

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Was, würden Sie sagen, war der größte Fehler ihrer Amtszeit?

Gute Frage. Da muss ich im Moment passen.

Also alles richtig gemacht?

Nein, sicher nicht. Es ist noch einiges zu tun. Ein wichtiges Thema in Zukunft ist das gemeinsame Arbeiten mit der Landesregierung, um die Stadt zu entwickeln. Seit Tobias Hans da ist, bin ich ganz froh. Wir haben eine schnelle Kommunikation und setzen Dinge schneller um.

Gibt es eine Entwicklung, mit der Sie nicht zufrieden sind hier in Saarbrücken?

Mir geht es oft nicht schnell genug. Beim Stadion gibt es viel Kritik. „Private bauen schneller. Wieso dauert das so lange?“ Da kann ich nur zu sagen: Private haben keinen Stadtrat, haben keine Landesregierung, haben keine Landtagswahlen, wo sie dann, wenn die Ausschreibung nicht den Erwartungen entsprochen hat, nochmal komplett umplanen müssen.

Aber ich glaube es liegt ein Fluch auf Fußballstadien. Ich kenne keine Stadt, in der das reibungslos funktioniert hat.

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Privat wie beruflich sei Charlotte Britz nach eigener Aussage nicht immer die Entspannteste. Foto: Tobias Ebelshäuser

Was ist Charlotte Britz privat für ein Mensch?

Ziemlich ähnlich wie im Beruf: Es muss alles immer schnell gehen und ich bin auch nicht immer die Entspannteste.

An Saarbrücken mag ich…

die Menschen und das Flair - insbesondere im Frühling.

An Saarbrücken mag ich nicht...

dass es verschiedene Gruppen gibt, die einfach nur meckern, aber sich nicht den Themen stellen.

Mit OB Charlotte Britz wird Saarbrücken in den nächsten Jahren…

groß werden und aufblühen. Die Entwicklung wird so weitergehen, dass wir eine lebendige und junge Stadt sind. Das ist mein großes Ziel.

Die bisherigen Interviews mit den OB-Kandidaten:

 „Ich bin ein echter Saarbrücker Bub“: Interview mit OB-Kandidat Gerald Kallenborn
• „Dudweiler ist mittlerweile regelrecht abgehängt“: Interview mit OB-Kandidat Markus Lein
• „Helmpflicht nach Einbruch der Dunkelheit“: Interview mit OB-Kandidat Michael Franke (Die Partei) 
• „Den Radverkehr mehr als den Autoverkehr stärken“: Interview mit OB-Kandidatin Barbara Meyer-Gluche (Die Grünen)
„Sicherheit beginnt für mich mit Sauberkeit“: Interview mit OB-Kandidat Uwe Conradt (CDU)
„Man muss auch den Immigranten eine Lösung bieten": Interview mit OB-Kandidatin Laleh Hadjimohamadvali (AfD)

Ein Interview mit der NPD haben wir nicht geführt. Zu dieser Entscheidung werden wir in den kommenden Tagen Stellung nehmen.

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