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„We love MMA“: SOL.DE-Redakteurin beim Training mit Saar-Fighter Roman Kapranov

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Richtig stehen ist wohl wichtig - Roman Kapranov zeigt erstmal die Grundhaltung. Foto: red

Die zu 75% aus durchschnittlich bis überdurchschnittlich trainierten Männern bestehende SOL.DE Redaktion hatte offenbar zu viel Angst vor Roman. Aus geballter Feigheit wurde für das Reporter-Probetraining daher die einzige Frau auserkoren - nämlich ich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

„We Love MMA“ in der Saarlandhalle

Die Kampfsportler im „RFS Pro“ bereiten sich gerade auf etwas Großes vor. Am kommenden Samstag findet in der Saarlandhalle „We Love MMA“ statt. Ein „Spektakel“, wie Trainer Arash, es bezeichnet. Für alle, die (wie ich) vorher noch nie etwas davon gehört haben: Bei den Kämpfen werden zwei Athleten in einen großen Käfig gesteckt, in dem sie sich dann nach allen Regeln der Kunst verprügeln. „Regeln“ sind dabei relativ. Von Boxen, über Kickboxen, Muay Thai, Brazilian Jiu-Jitsu, Ringen, Kung Fu bis hin zu Judo und Grappling sind alle Techniken erlaubt. „Ein paar Einschränkungen gibt es aber schon“, erklärt Eric Schmitt, der auch beim Event antritt. Nicht erlaubt seien zum Beispiel Beißen und Schläge in die Genitalien. Na, immerhin. Die gefühlte Regelfreiheit sorgt jedoch dafür, dass MMA weitläufig als brutal und gefährlich angesehen wird. Ich rechne dementsprechend mit dem Schlimmsten. 

Probetraining mit Roman Kapranov bei RFS pro in Saarbrücken

Die gute Nachricht vorweg: Niemandem wurde bei dem Training die Nase gebrochen. Später auftauchende blaue Flecken könnten auch auf allgemeines Ungeschick zurückzuführen sein. In der Vorbereitung käme es aber fast nie zu Verletzungen. Dass man ständig verletzt wird, sei ein Gerücht. „Die Leute denken immer: Wenn du ins Training kommst, stehen da voll die Ochsen und sagen ‚Komm wir prügeln uns jetzt'“, meint Eric kopfschüttelnd. Zumindest bei meinem Probetraining wurde diese Vorstellung nicht bestätigt. Da MMA (wie der Name schon sagt) ein Gemisch aus verschiedenen Kampfsportarten ist, trainiere ich erstmal mit der BJJ (Brazilian Jiu Jitsu) Gruppe. Nach einem Warm-Up, das sich noch halbwegs würdevoll überstehen lässt, gibt es eine kleine Einführung in eine Grifftechnik von Trainer Arash. Ich übe eine Abwehrmaßnahme mit einer der wenigen anwesenden Frauen. Viele Kampfsportlerinnen lernen Krav Maga, meint Arash - oftmals zur Selbstverteidigung. Auch BJJ sei bei Frauen beliebter als MMA, „weil dabei das Gesicht nicht so verunstaltet werden kann“, meint Eric. Nachvollziehbar.

Schließlich stellt man mir meinen Trainingspartner vor: Roman Kapranov - sportlich vielseitig unterwegs, erfahrener MMA-Kämpfer (2016 war er in den Top Ten), vermutlich 0% Körperfett. Also meiner absolut ebenbürtig. Für sein Gesicht sei es bereits zu spät, meint er mit einem Grinsen. Am Samstag tritt er bei „We Love MMA“ gegen Nils Wernesbach an. Dass man den Sport immer nur auf die wenigen Auftritte im Käfig reduziert, nervt ihn allerdings. Er mache MMA für sich. Die Kämpfe seien nebensächlich. 

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Roman Kapranov im MMA-Kampf gegen Dustin Stoltzfus. Foto: We Love MMA

Vermutlich wollte man keine gebrochenen Reporter-Knochen riskieren und hat sich für die Probe-Session statt wilder Kicks und Punches ein paar Griffe ausgesucht. Relativ schnell wurde klar: Berührungsängste sind bei diesem Sport eher hinderlich. Hat man sich daran erstmal gewöhnt, macht es Spaß. Hauptziel meines Abends war es jetzt, Roman umzuwerfen. Das klingt zumindest nicht weiter gefährlich.

MMA ist nicht so schädlich wie Boxen

Der schlechte Ruf sei ohnehin nicht gerechtfertigt. In dem Punkt ist man sich im „RFS pro“ einig. Die schlimmsten Verletzungen der beiden MMA-Kämpfer waren ausgeschlagene Zähne und gebrochene Zehen. Das geht ja noch. „Es ist nicht so schädlich wie Boxen“ erklärt Eric. Das liegt daran, dass man weniger Schläge auf den Kopf bekommt. „Das Letzte, was die Leute hier wollen, ist jemanden zu verletzen. Das sind ja meine Trainingspartner, wenn die verletzt sind, kann ich mit keinem mehr trainieren.“ Das leuchtet natürlich ein. Passieren könne jedoch trotzdem immer was. „Gewalt geht nicht von Menschen aus, die Kampfsport machen, sondern von Menschen, die frustriert sind. Da ist es doch besser, beim MMA mal konzentriert Dampf abzulassen, als sich am Wochenende zu betrinken und Streit zu suchen“, meint Arash. 

Warum man sich von allen Kampfsportarten ausgerechnet MMA aussucht, hat für ihn verschiedene Gründe: Die Vielseitigkeit des Sports, der hohe Anspruch an Fitness und Technik sowie - für die Kämpfer, die sich tatsächlich in den Käfig wagen (schätzungsweise 10%) - das Adrenalin. Der Kick sei vergleichbar mit Fallschirmspringen oder Base Jumping. MMA sei eine Extremsportart. Man müsse aber auf dem Teppich bleiben, meint Roman. „Nur weil man ein paar Techniken beherrscht, darf man sich nicht für den Größten halten.“ Nichtsdestotrotz gehöre eine Portion Mut dazu. Und mit Druck sollte man klar kommen. Der sei, wenn die Käfigtür zugeht, extrem.

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Man braucht Ziele: Roman umzuwerfen ist meins. Klappt mittel. Foto:red

Zwei Einheiten Kampfsport-Training täglich 

Auch die Vorbereitung ist extrem. Vor allem Regelmäßigkeit sei der Schlüssel zum Erfolg im Kampf, meint Roman. Statt nur vor Kämpfen verstärkt zu trainieren, bleibt er kontinuierlich dabei. Eric trainiert in den Monaten vor „We Love MMA“ zweimal am Tag, dazwischen macht er Cardio. Einige Sportler hungern sich kurz vor den Kämpfen sogar in eine niedrigere Gewichtsklasse. Dieser ungesunden Praxis seien bereits Sportler zum Opfer gefallen, wie Eric erzählt. Bei den Kämpfen selbst sei aber noch nie jemand gestorben. „Man hat ein Auge auf dich“, meint er. Ärzte, Trainer, aber auch der Gegner achten darauf, dass niemand zu sehr verletzt wird. Vor den Kämpfen hätte man trotzdem schon mal Angst. „Manchmal fragt man sich: Was mache ich hier eigentlich?“, erzählt Roman. 

Diese Frage stelle ich mir zwischendurch auch. Trotz meiner eher kläglichen Versuche, ihn zu Fall zu bringen, gibt Roman aber die Hoffnung nicht auf und erklärt mir mit einer Seelenruhe, wie ich stabiler stehe und mehr Schwung bekomme. Nach einem geglückten Anlauf (von dem ich mir absolut sicher bin, dass er nichts mit absichtlichem Fallen seinerseits zu tun hat), überlasse ich den saarländischen MMA-Liebling aber Mitstreitern aus seiner Gewichtsklasse. Man sieht sich dann beim Kampf. 

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Erfolgserlebnis. Foto: red

Keine bloße Prügelei

Was mich als Zuschauer bei „We Love MMA“ überhaupt erwartet, frage ich. „Sehr disziplinierte Kämpfer, die hoch trainiert sind und viel Zeit und Mühe investiert haben, um ihre Körper zu stählen“, meint Arash. Wer sich gutgebaute Männer ansehen will, ist also schonmal nicht völlig falsch. Unter den MMA-Kämpfern seien zudem nur geschulte und respektvolle Menschen. Der martialisch anmutende Käfig sei zum Schutz da, damit niemand rausfällt. „Es ist sehr spannend. Wenn jemand am Verlieren ist, schreit das Publikum und spornt ihn an“, meint Arash. Es liege ein unvergleichliches Adrenalin in der Luft.

„Wenn man aber einfach nur sehen will, wie Leute aufeinander eindreschen, kann man sich auch nachts in die Kaiserstraße stellen“, meint Eric. Natürlich sehe man, wie Leute sich prügeln, aber eben gekonnt prügeln, erklärt er. Wenn man sich mehr damit auseinandersetzt und merkt, was für krasse Sachen die Athleten da machen – die Movements, die Technik, wie detailliert sie auch an solche Sachen rangehen – fangen Leute an, sich in den Sport verlieben. Ob es jetzt der Aspekt des Ringens ist oder Thai-Boxen, man merkt halt einfach, dass es filigraner ist als 'ne plumpe Schlägerei.

„We Love MMA“ findet am Samstag, 18. Mai in der Saarlandhalle statt. Insgesamt treten 22 Sportler in elf Kämpfen gegeneinander an. Um 18.00 Uhr ist Einlass. Los geht's um 19.00 Uhr. Weitere Infos zu den Sportlern und Kämpfen sowie Tickets gibt es auf der Homepage

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