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Patryk Kubek

„Eijo hann ich die Pill geholl!": Das macht die Frau aus dem Video heute

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SOL.DE traf Nadine und ihren Hund Shiva in einer Wohnung in Saarbrücken. Der Ausschnitt aus „TV total" machte sie Anfang der 2000er Millionen Menschen bekannt. Foto: Laszlo Pinter/SOL.DE | Archivfoto: Sat.1.

Das Gespräch mit Nadine L. droht zu platzen. Wir haben mit ihr einen Termin in der Wohnung eines Bekannten ausgemacht, doch am Tag des Interviews antwortet sie nicht. Wird die Frage, die tausende Saarländer seit fast zwei Jahrzehnten umtreibt, doch nicht beantwortet? Bleiben wir weiter im Unwissen? Und Nadine das Gespött? Zehn Minuten vor dem Termin kommt doch die Zusage.

Die heute 39-Jährige wirkt ruhiger als noch vor 18 Jahren, als sie mit ihrem damaligen Ehemann Alexander in der SAT.1-Talkshow „Britt“ zu Gast war. Rund 200 Euro gab es damals für den Auftritt. Die Talkshow bezahlte auch noch die Fahrt und das Hotel - „kein schlechter Deal“ wie Nadine sagt. Sie ist heute arbeitslos, legt Tarot-Karten für Freunde und verdient sich so etwas dazu.

„Eijo hann ich die Pill geholl" - Hunderttausende kennen Video

Stefan Raab macht sie und Alexander bei „TV total“ Tage nach dem Auftritt zum Gespött der Nation. Der Ausschnitt ist heute immer noch im Internet zu finden. Nadine würde Raab am liebsten verklagen, erzählt sie. Doch „TV total“ gibt es längst nicht mehr und die Produzenten sind auch nicht dafür verantwortlich, dass der Ausschnitt immer wieder hochgeladen wird. Ende 2017 wurde zuletzt eine Version auf YouTube veröffentlicht, sie zählt bis heute mehr als eine halbe Million Klicks.

Auf der Straße in ihrem Wohnort im Saarbrücker Problem-Stadtteil Burbach wird sie erkannt und erlebt bis heute Beleidigungen und Spott. „Hasche die Pill geholl odda net?“, wird sie immer wieder gefragt. Auch ihre Tochter hört die Sprüche. „Die Leute sollen erstmal vor ihrer eigenen Haustür kehren und mich in Ruhe lassen. Die wissen gar nicht, was damals passiert ist.“

Nadine erklärt SOL.DE, was sich zwischen Ende 2000 und dem Auftritt bei „Britt" Anfang 2002 abspielte: Sie und ihr Freund Alexander sind scheinbar glücklich zusammen, sie wohnen in Homburg, die Hochzeit steht bald an und ein Kind soll die Beziehung perfekt machen. „Wir haben uns zusammen dafür entschieden, die Pille abzusetzen“, meint Nadine. Sie wird schwanger, das junge Paar heiratet und im Februar 2001 kommt ihr gemeinsames Baby auf die Welt. Nadine betont im SOL.DE-Interview, dass das Mädchen ein Wunschkind ist.

Das junge Glück zerbricht schnell

Doch nicht einmal ein dreiviertel Jahr nach der Hochzeit zerbricht das Glück. Alexander betrügt Nadine, als sie mit dem Baby für ein paar Tage Verwandte in Rheinland-Pfalz besucht. Plötzlich will er auch das Kind nicht mehr. Was wohl der härteste Schlag für Nadine ist: Er glaubt nicht, dass er der Vater des Mädchens ist. „Ich kam mir komplett verarscht vor“, sagt sie. Alexander packt seine Sachen und haut ab, zu seiner „Tussi“, wie Nadine Alexanders Affäre nennt.

Die Trennung ist hässlich. Nadine verfällt in Depressionen, fühlt sich verlassen und alleine. Als sich die beiden zur Aussprache treffen, schlägt sie ihm eine Mixery-Flasche an den Kopf und droht, sich die Pulsadern aufzuschneiden, wenn er nicht zu seiner kleinen Tochter steht. Nadines verzweifelte Überzeugungsversuche reichen nicht.

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Nadine würde alles nochmal genauso machen - außer zu lügen. Foto: Laszlo Pinter/SOL.DE.

Als Alexander mitbekommt, dass bei einer kommenden „Britt“-Sendung Vaterschaftstests durchgeführt werden sollen, bewirbt er sich, so erinnert sich Nadine. Eines Tages ruft die Redaktion an und bittet sie, zur Aufzeichnung zu kommen. „Ich wollte der Welt beweisen, dass Alexander der Vater ist“, erklärt sie ihre Zusage.

Die beiden fahren Anfang 2002 getrennt zur Aufzeichnung nach Hamburg. Im Studio wird ihnen erklärt, wie sie sich verhalten sollen. „Wir sollten viel Trara machen und uns aggressiv geben. Die haben uns vorgesagt, wie wir uns verhalten sollen“, berichtet Nadine. Keine unübliche Vorgehensweise in den Talkshows der Privatsender. Doch Vorgaben, dass Nadine und Alexander Lügen erzählen sollen, macht die „Britt“-Redaktion nicht. Umso befremdlicher, dass Nadine dann trotzdem nicht die Wahrheit erzählt.

„Eijo hann ich die Pill geholl": Nadine erzählt die Unwahrheit

„Eijo hann ich die Pill gehol“ ist eine Lüge. Nadine hatte die Pille in gemeinsamer Entscheidung mit Alexander abgesetzt. Warum sie im Fernsehen die Unwahrheit erzählte, wird im Gespräch mit SOL.DE nicht so richtig klar. „Mir hat zu diesem Zeitpunkt noch was an der Beziehung gelegen“, macht sie deutlich. Wollte sie Alexander also nicht vor Millionenpublikum bloßstellen? Hatte sie gehofft, dass die beiden ihre Ehe wieder retten können? Nadine bereut den Aufritt trotz des medialen Hypes und Spotts nicht. „Ich hätte nicht lügen sollen. Ansonsten würde ich alles nochmal so machen.“

Wie zu erwarten ist, kommt beim Vaterschaftstest heraus, dass Alexander der Vater ist. Stefan Raab greift 30 Sekunden aus der Talkshow auf und zeigt sie bei „TV total". Der Rest ist Geschichte.

Nach der Sendung fangen Nadine und Alexander wieder ein „Techtelmechtel“ an, so bezeichnet es die Saarbrückerin. Doch nach zwei Wochen ist es vorbei. Zwischen den beiden funktioniert es nicht. Die Scheidung folgt geschlagene drei Jahre später. Dann sehen sich Nadine und Alexander zum letzten Mal.

Alexander hat sich nie entschuldigt

Was seitdem mit ihm passiert ist, weiß sie nicht genau. „Ich habe gehört, er soll jetzt zwei Kinder haben“, sagt Nadine. Sie klingt so, als hätte sie 18 Jahre nach der Trennung noch immer nicht mit ihm abgeschlossen. Wenn sie Alexander noch eine Sache sagen könnte, dann „viel Spaß mit deiner Neuen. Viel Glück mit deinen Kindern - und, dass dir das Gleiche passiert wie mir“.

Für seine Tochter hat Alexander nie die Verantwortung übernommen. Er übergibt Nadine das alleinige Sorgerecht, zahlt keinen Unterhalt und meldet sich nicht. Alexander entschuldigt sich auch nicht. Nadine: „Er war 18 Jahre nicht für uns da. Jetzt braucht er auch nicht mehr zu kommen.“

Die gemeinsame Tochter ist mittlerweile volljährig, hat ihre mittlere Reife und will jetzt das Fachabitur absolvieren, um Meeresbiologin zu werden. Nadine führt mit einem neuen Mann seit neun Jahren eine glückliche Beziehung. Im Herbst steht die Hochzeit an. Diese Ehe dürfte weniger schmutzig werden als Nadines erste.

Wie SOL.DE recherchiert hat
Die SOL.DE-Redaktion hatte am 11. März ihre Leser dazu aufgefordert, ihr Hinweise zu den Protagonisten des Videos zuzuschicken. Die User antworteten zahlreich: Mehrfach fiel der Name von Nadine, auch Alexanders Name wurde oft genannt. Dafür gebührt den Nutzern großer Dank! Die Redaktion machte Nadine auf Facebook ausfindig, schrieb sie an und traf sie Mitte Mai für ein Interview in einer Wohnung in Saarbrücken. SOL.DE gelang es nicht, Kontakt mit Alexander aufzunehmen.

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