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Homburger Missbrauchs-Vorwürfe: Kinder sollen während Untersuchungen geschrien haben

Neue Details im mutmaßlichen Missbrauchs-Skandal am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg: Wie die Anwältin Claudia Willger berichtet, sollen verschiedene Zeugen der Krankenhausleitung über Matthias S.' auffälliges Verhalten gegenüber Kindern berichtet haben.

Laut Willger sei es bei einer Asienreise während des Studiums, der Au-Pair-Zeit in Spanien und während eines Praktikums im Allgäu zu Zwischenfällen gekommen, so die „Rheinpfalz". S. habe immer wieder versucht, Kinder zu treffen. Das UKS behauptet, mit einer anonymen Anzeige im Jahr 2011 von den Vorwürfen gegen den Assistenzarzt erfahren zu haben. Matthias S. hatte von Ende 2003 an in Homburg studiert. Er war von 2010 bis 2014 an der Uniklinik angestellt. Laut Klinikum hatte er in dieser Zeit mehr als 300 Kinder untersucht.

Schon in seinem ersten Arbeitsjahr sei laut Anwältin Claudia Willger Teilen des Klinikpersonals aufgefallen, dass S. Mädchen eine Scheidensalbe verabreicht habe. Vorgeschrieben sei allerdings, dass das eine Schwester oder Pflegepersonal tut. Willger vertritt zwei mutmaßliche Opfer des sexuellen Missbrauchs und deren Eltern.

Kinder sollen während Intim-Untersuchungen geschrien haben

Weiter sagt die 58-Jährige, der Beschuldigte habe vor allem in der Ausscheidungsambulanz Jungs untersucht und an ihnen immer wieder überflüssige Untersuchungen im Intimbereich durchgeführt. Kinder hätten während der Untersuchungen geschrien, zum Beispiel beim Abtasten des Afters. Das habe Personal mitbekommen, so die Anwältin in der „Rheinpfalz", und es berichtet. Passiert sei damals nichts. Matthias S. war in der Ambulanz angestellt, um inkontinente Kinder zu behandeln. Die Klinik weist die Vorwürfe zurück. Es gebe keine dokumentierten Meldungen über schreiende Kinder.

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Der Assistenzarzt war an der Kinder- und Jugendpsychatrie des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg angestellt. Foto: Oliver Dietze/dpa-Bildfunk.

S. starb neben elfjährigem Jungen

Matthias S. starb 2016 im Alter von 36 Jahren eines natürlichen Todes. Seinen leblosen Körper fand ein elfjähriger Junge, der bei S. übernachtet hatte. Beide kannten sich aus einem Judoclub, in dem der Assistenzarzt als Trainer tätig war. Auch im Sportverein hätte Matthias S. Kontakte zu kleinen Jungs gepflegt.

Anwältin hat Anzeigen erstattet

Laut Claudia Willger hätte an der Uniklinik Schlimmeres verhindert werden können, hätte das UKS schon 2010 auf die Auffälligkeiten des Matthias S. reagiert. Die Uniklinik hatte es dem Arzt zwar 2011 verboten, Kinder alleine zu untersuchen. Doch laut Willger wurden diese Auflagen nie kontrolliert.

Sie hat gegen den Chefarzt und Klinikleiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKS, eine Oberärztin, die Klinikums-Justiziarin und gegen die damals ermittelnde Staatsanwältin Strafanzeige erstattet. Sie will wissen, wer von der Uniklinik und womöglich von politischer oder staatsanwaltschaftlicher Seite versagt hat.

AKK fordert „lückenlose Aufklärung"

Die damalige Ministerpräsidentin des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer, die als Wissenschaftsministerin für das staatliche Universitätsklinikum verantwortlich war, sagt, sie habe erst am Karfreitag (19. April) 2019 Informationen zu den Missbrauchsvorwürfen erhalten. Sie fordert eine „lückenlose Aufklärung" der Geschehnisse.

Missbrauchs-Vorwürfe in Homburg: Bisherige Artikel zum Thema

06.07.2019: Uniklinik will Kinderschutz ausbauen

04.07.2019: Wann wusste AKK von Vorwürfen gegen Arzt?

02.07.2019: Opferanwältin will jetzt Klinik und Staatsanwaltschaft anzeigen

28.06.2019: Klinik hatte schon 2011 Hinweis auf pädophile Veranlagung von Matthias S.

27.06.2019: Arzt soll mit zwölfjährigem Patienten gechattet haben

25.06.2019: So verteidigt die Klinik ihr Schweigen

24.06.2019: Pädophiler Arzt soll an Homburger Klinik Kinder missbraucht haben

Verwendete Quellen:
• Rheinpfalz
• Saarbrücker Zeitung
• eigene Berichte

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