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"Der Randbezirk der Gesellschaft" - Spiegel TV zeigt die Schattenseiten von Saarbrücken

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Der „Spiegel TV"-Schwerpunkt beleuchtete die Brennpunkte von Saarbrücken. Im Bild: Produzentin und Moderatorin Maria Gresz. Fotos: TVNOW & Werner Baum/dpa-Bildfunk

In dem Spiegel TV-Beitrag wird ein mehr als düsteres Bild der Stadt gezeichnet. In Saarbrücken brenne es in allen Ecken, erklärt Moderatorin Maria Gresz. Natürlich darf auch die „saubere AKK" zum Einstieg nicht unerwähnt bleiben, deren Heimat angeblich Saarbrücken ist. Stimmt ja fast. 

Verwahrlosung auf der Folsterhöhe

Der Bericht beginnt auf der Folsterhöhe. In den Wohnblocks herrscht Armut, es ist dreckig und die angekündigten Sanierungsarbeiten sind überfällig. Zwei Bewohner zeigen den Reportern die Gebäude. Die meisten hier leben von staatlichen Hilfen. Aber man helfe sich gegenseitig. „Der Zusammenhalt hier ist immer noch gut", erklärt einer der beiden selbsternannten Hausmeister. Spiegel TV zieht Bilanz: Die Arbeitslosigkeit auf der Folsterhöhe liege bei 25 Prozent, bundesweit jedoch nur bei gut 5 Prozent. Der Vergleich zwischen Problembezirk und der gesamten Bundesrepublik wirkt natürlich erschreckend. Allerdings liegt die Arbeitslosenquote im Regionalverband bei 8,6 Prozent, im gesamten Saarland bei 6 Prozent

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Auch auf Facebook finden einige User die Reportage ein wenig eindimensional. Screenshot: Facebook/Spiegel TV

Die Reporter ziehen weiter auf ihrem Streifzug durch die Brennpunkte. Sie zeigen eine Gruppe Jugendlicher mit Migrationshintergrund, die auf der Folsterhöhe ihre Zeit mit Kiffen und Rappen verbringen. Die Adresse brandmarke die Bewohner. Es gebe wenig Perspektiven. Wie um diese Aussichtslosigkeit zu beweisen, sitzen gleich daneben zwei ältere, arbeitslose Deutschstämmige. Die sehen die Schuld für ihre Lage allerdings woanders: Man kümmere sich nicht mehr um das eigene Volk. Unter Hitler wären sie glücklicher gewesen. Jeder solle dort bleiben, wo er herkommt. Mit den Jungs vom Platz verstehen sie sich jedoch. Die kommen schließlich auch von hier, können Saarländisch. 

Hilfe für die Ärmsten: Die Tafel und das Kinderhaus

An anderer Stelle sieht man in der Heimatverbundenheit auch das Problem der Saarländer. Alexandra Moser von der Tafel Saarbrücken meint, dass ein Teil des Problems auch daher rühre, dass die Menschen nicht bereit sind, aus dem Saarland wegzuziehen und lieber Arbeitslosigkeit und Elend in Kauf nehmen. 22 Prozent der Saarbrücker beziehen laut Spiegel TV staatliche Hilfen. Viele von ihnen kaufen ihre Lebensmittel bei der Tafel. 

Unter den fehlenden Mitteln leiden vor allem die Kleinsten. Die Kinderarmut liege bei 35 Prozent. Dennoch schafft es der Beitrag an dieser Stelle eine positive Perspektive einzunehmen. Es geht ins Kinderhaus Malstatt, wo eben diesen Kindern geholfen wird - bei Hausaufgaben, Essen und gegen die Langeweile. Hier tritt auch der heimliche Held der Schwerpunktsendung auf: der Schüler Brian, der begeistert erzählt, dass seine Noten sich verbessert haben, dass er im Kinderhaus über alles reden könne und er am liebsten gar nicht mehr weg wolle. Vor allem das gemeinsame Essen sei wichtig, erklärt ein Sozialarbeiter. Und auch die Betreuung bei den Hausaufgaben, da viele Eltern kaum Deutsch sprechen oder ihren Kindern aus anderen Gründen nicht helfen können. 

Amphetamin-Hauptstadt Saarbrücken: „Drogen, Drogen, Drogen"

Nach diesem kurzen Ausflug auf die „Sonnenseiten" wird es richtig düster. Die Reportage wendet sich nun dem Drogenproblem Saarbrückens zu. Saarbrücken sei die Amphetamin-Hauptstadt Europas. Nirgendwo sonst werde im Verhältnis zur Einwohnerzahl so viel Speed und Kokain konsumiert wie hier. Es geht zurück auf die Folsterhöhe, in eine „kleine Drogenhöhle" in einem Schrebergarten. Die porträtierte Konsumentin erzählt von ihrem Schicksal. Nach einem Gefängnisaufenthalt kam sie nicht wieder auf die Beine. Von „harten Sachen" lasse sie aber die Finger.

Das gilt nicht für die Abhängigen, die an der Johanneskirche ihre Tage verbringen. Die Menschen dort haben alles verloren. Allerdings bekomme das keiner mit. Man sei ein Dorn im Auge, es werde nichts für sie getan, berichtet einer der Süchtigen. Die Reporterin begleitet einen Obdachlosen zu seinem „Fixpunkt". Dort geben sich die Junkies ihre Schüsse - bis zu siebenmal am Tag. Der Stoff ist durch Diebstähle finanziert oder wird vom Drogenhilfezentrum ausgegeben, sodass die Süchtigen wenigstens saubere Spritzen benutzen. 

Sogar die Stimme aus dem Off muss nun eingestehen, dass der Film an seinem Ende auch seinen Tiefpunkt erreicht. „Den Menschen in Saarbrücken geht es schlecht - nicht allen, aber viel zu vielen", fasst der Kommentator zusammen. Ob dieses Resümee der Stadt wirklich gerecht wird, liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Sicher ist: Wer nur den Spiegel TV-Schwerpunkt gesehen hat, dürfte kein gutes Bild von Saarbrücken haben.

Den kompletten Spiegel TV-Schwerpunkt: "Saarbrooklyn - Der Randbezirk der Gesellschaft" vom 15. Juli 2019 gibt es zum Stream in der Mediathek

Verwendete Quellen:
• Spiegel TV
• Eigene Recherche

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