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Wusste Landesregierung früher von mutmaßlichen Missbrauchsfällen in Homburg?

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Bringen handschriftliche Notizen die saarländische Landesregierung nun in Bedrängnis? Fotos: (Hintergrund) BeckerBredel | (Notiz) Pixabay

Seit dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in Homburg befasst sich ein Untersuchungsausschuss mit den mutmaßlichen Vorfällen. Eines der Ziele: Die Überprüfung, wie zuständige Stellen mit den Verdachtsfällen umgegangen sind. Eine neue Entwicklung könnte die Saar-Landesregierung in Bedrängnis bringen.

Handschriftliche Notizen liegen vor

Dem "SR" liegen nach eigenen Angaben nun handschriftliche Notizen zu einem Gespräch zwischen der Ärztekammer sowie Vertretern der Uniklinik vor. Inhaltlich sollen die Notizen belegen, dass es bereits Ende 2014 zu der Entscheidung kam, Strafanzeige gegen Assistenzarzt Matthias S. stellen zu wollen. 

Der Justitiar der Ärztekammer soll ebenso "mit Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling über den Fall gesprochen haben", heißt es im Medienbericht. Und Kolling wiederum habe Jürgen Lennartz, den damaligen Chef der Staatskanzlei, informiert.

Das Bemerkenswerte: Der Gesundheitsstaatssekretär hatte ursprünglich gesagt, erst im April 2019 über die Verdachtsfälle erfahren zu haben. Gleiches gilt für Annegret Kramp-Karrenbauer, die übrigens heute (28. Februar) vor den U-Ausschuss geladen ist.

AKK heute vor U-Ausschuss

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) soll am heutigen Freitag vor dem Untersuchungsausschuss des saarländischen Landtags zu den mutmaßlichen Missbrauchsfällen gehört werden. Sie sei als Zeugin geladen, weil sie damals Wissenschaftsministerin war, sagte die Vorsitzende des U-Ausschusses, Dagmar Heib laut "dpa".

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AKK soll vor den U-Ausschuss treten. Archivfoto: BeckerBredel

Im Fokus steht laut Beweisbeschluss unter anderem die Frage, wann Kramp-Karrenbauer von den Verdachtsfällen des sexuellen Kindesmissbrauchs in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie erfahren hat. AKK war von August 2011 bis Februar 2018 Ministerpräsidentin des Saarlandes. Von 2012 an war sie auch für das Ressort Wissenschaft zuständig.

Das sagte AKK

Laut "SR" blieb Kramp-Karrenbauer vor dem heutigen U-Ausschuss bei ihrer Aussage, erst am 19. April 2019 von der Sache erfahren zu haben. Sie gab an, von Jürgen Lennartz informiert worden zu sein. Der wiederum erklärte vor dem Untersuchungsausschuss, erst selbst einen Tag zuvor von dem Verdacht gegen Matthias S. erfahren zu haben.

Demgemäß gaben beide Zeugen heute an, zuvor nicht über den Verdachtsfall informiert worden zu sein. Offenbar habe der Fehler hier bei der Uniklinik gelegen. Die handschriftlichen Notizen waren Kramp-Karrenbauer und Lennartz nach eigenen Angaben ebenso nicht bekannt, meldet der "SR".

Hintergrund

Ende Juni 2019 war bekanntgeworden, dass Matthias S., ein ehemaliger Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik in Homburg, von 2010 bis 2014 mehrere Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht haben soll. 2016 war S. verstorben.

Die Eltern der insgesamt 34 möglicherweise betroffenen Kinder waren erst im Sommer 2019 informiert worden. Die Staatsanwaltschaft hatte damals wegen der Verdachtsfälle ermittelt - das Verfahren aber nach dem Tod des Arztes eingestellt. Seit September 2019 ermittelt ein Untersuchungsausschuss. Unter anderem gilt es zu klären, warum die Klinikleitung die Eltern nicht informierte, nachdem sie den Arzt 2014 entlassen hatte.

Verwendete Quellen:
- eigene Berichte
- Saarländischer Rundfunk
- Deutsche Presse-Agentur

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