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Online-Petition: Schüler fordern in offenem Brief Durchschnittsabitur im Saarland

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Die Schüler der Abschlussjahrgangs 2020 im Saarland wehren sich gegen die geplanten Abiturprüfungen trotz Corona. Symbolfoto: Jonas Güttler/dpa-Bildfunk

Anders als in anderen Ländern sollen in Deutschland und auch im Saarland trotz Corona Abiturprüfungen stattfinden. Die Abiturienten im Saarland sind damit allerdings nicht zufrieden. Insbesondere die Ankündigung des Bildungsministeriums, dass für die Schüler keinerlei Nachteile entstünden, wird von den Prüflingen scharf kritisiert.

Schüler fordern in Petition Durchschnittsabitur

In einem offenen Brief sprechen sie sich, wie bereits die Schüler anderer Bundesländer wie Hamburg, für ein Durchschnittsabitur aus. Dafür haben die Abiturienten eine Petition gestartet. Da zwei Drittel der Abiturnote durch Leistungen während der letzten beiden Schuljahre zustande kommen und nur ein Drittel auf die Abschlussprüfungen entfällt, würden letztere schlicht ausgelassen. Die Abiturnote ergäbe sich dann aus den bisher erbrachten Leistungen.

Ansteckungsgefahr bei Prüfungen sei groß

In ihrem Schreiben erläutern die Schüler ausführlich die Gründe für ihre Forderung. Zum einen sei jegliche Prüfungssituation durch die Ansteckungsgefahr schlicht unhaltbar. Da wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hindeuten, dass sich das Virus über Tröpfchen selbst bei Abständen von über fünf Metern verbreiten könnte, sei das Risiko auch bei einer Prüfung in Turnhallen noch zu hoch.

Sterblichkeitsrate im Saarland vergleichsweise hoch

Zudem sei die Sterblichkeitsrate im Saarland mit 4,77 Prozent der Erkrankten vergleichsweise hoch (Stand 22. April 2020, 18.00 Uhr). In der Pfalz liegt diese nur bei 2,08 Prozent, in Berlin sogar bei 1,85. Daher befinde sich das Saarland in einer gesonderten Position. Die Durchführung der Prüfungen sei eine Gefahr für das Leben aller direkt und indirekt Beteiligten - auch mit Hygieneplan.

Vergleichbarkeit des Abschlusses nicht gegeben

Das Ministerium für Bildung im Saarland hatte in einer Pressemitteilung darauf verwiesen, dass ein Durchschnittsabitur "dem Anspruch auf eine bundesweit und international anerkannte Hochschulzugangsberechtigung" nicht gerecht werde. Die Schüler argumentieren, dass von Vergleichbarkeit ohnehin nicht die Rede sein könnte. 

So haben die Abiturienten in Rheinland-Pfalz ihre Prüfungen bereits im Januar - ohne Einfluss durch Corona - abgelegt. In Bayern wurden ausstehende Prüfungen vor dem Abitur erlassen, die in anderen Ländern Zulassungsbedingung waren. In Berlin wurden die schriftlichen Prüfungen des Mittleren Bildungsabschlusses abgesagt.

Durchschnittsabitur führe nicht zu "Nichtanerkennen"

Diese Unterschiede sollen jedoch nicht zu einem "gegenseitigen Nichtanerkennen" führen - ebenso wenig ein Durchschnittsabitur. Dies legt auch ein Beschluss der Kultusministerkonferenz fest, "wonach die Länder die erreichten Abschlüsse des Schuljahres 2019/20 auf der Basis gemeinsamer Regelungen gegenseitig anerkennen werden". Auch international bestehe keine Gefahr, dass ein Durchschnittsabitur nicht anerkannt werden würde. In Frankreich, Italien, den Niederlanden und Großbritannien wurden bereits ähnliche Regelungen getroffen. Die Prüfungen sind abgesagt und die Schüler erhalten eine gemittelte Note. 

Fehlende Planungssicherheit und widersprüchliche Regelungen

Die Schüler werfen dem Ministerium zudem vor, dass die angekündigte "Planungssicherheit" nicht gegeben sei. So seien einzelne Abiturprüfungen etwa vorverlegt worden. Im Fach Deutsch soll die Klausur nun eine Woche vor dem angekündigten Zeitraum stattfinden. Die Sprech-Prüfungen in Englisch und Französisch sollen dagegen ausfallen, da das Risiko zu hoch sei. Die mündlichen Prüfungen wiederum finden statt - trotz nahezu identischer Bedingungen.

Psychischer Stress führt zu unfairen Prüfungsbedingungen

Die Schüler hätten Angst - sowohl um die eigene Gesundheit als auch um die von Angehörigen. Hinzu komme die Angst durch die Belastungen in den Abiturprüfungen "nicht zu genügen", sich aufgrund von ausfallendem Unterricht, Lern-Gruppen und Vorbereitungskursen nicht angemessen vorbereiten zu können. Und auch Angst davor, selbst zu einem Verbreiter des Virus zu werden, weil man zu einer Prüfungssituation gezwungen wird, beschäftigt die Abiturienten.

Beteiligte Abschlussjahrgänge

Sie fordern die Bildungsministerin daher auf, ihr Anliegen ernst zu nehmen und mit einem Durchschnittsabitur dafür Sorge zu tragen, dass keinem Abiturienten durch die Situation ein Nachteil entsteht. Die Petition wurde gestartet von Schülern des Abschlussjahrgangs des Max-Planck-Gymnasiums Saarlouis, des Gymnasiums am Rotenbühl Saarbrücken, des Albert-Einstein Gymnasiums Völklingen, des Gymnasiums am Stadtgarten Saarlouis, des Ludwigsgymnasiums Saarbrücken, des Robert-Schuman-Gymnasiums Saarlouis, der Schule am Römerkastell Dillingen, der Gemeinschaftsschule Rastbachtal Saarbrücken, der Willi-Graf-Schulen Saarbrücken, des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums und Saarland-Kollegs Saarbrücken. 

Verwendete Quellen:
- Offener Brief des Abiturjahrgangs 2020 auf Change.org

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