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Toter Häftling in JVA Saarbrücken starb an Überdosis

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Der Mann saß wegen des Verdachts des Online-Betrugs in U-Haft. Archivfoto: BeckerBredel

Der Tod eines Untersuchungshäftlings in der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken vor rund zwei Monaten geht auf eine Überdosis von Medikamenten zurück. Das habe ein toxikologisches Gutachten "eindeutig festgestellt", teilte der Sprecher des saarländischen Justizministeriums am heutigen Freitag (4. September 2020) mit.

Unklar sei, ob es sich um eine "bewusste oder unbewusste Überdosierung" durch den Betroffenen gehandelt habe. Dies lasse sich nicht mehr rekonstruieren.

Vorher keine Hinweise auf Suizid

Der 56-Jährige wurde am 6. Juli beim Aufschließen tot in seiner Einzelzelle gefunden. Zu Lebzeiten habe es keine Hinweise auf eine Suizidgefahr gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken mit. Auch nach dessen Tod seien keine Hinweise für einen Selbstmord wie zum Beispiel ein Abschiedsbrief gefunden worden.

Medikamente in Körper entdeckt

Laut Gutachten wurden bei dem Toten Wirkstoffe von vier Medikamenten festgestellt. Zwei davon seien ärztlich verordnet gewesen, zwei nicht, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Die Wirkstoffe seien "in übertherapeutischer, toxischer und einmal hochtoxischer Konzentration" nachgewiesen worden. Um welche Medikamente es sich handele, werde aus Schutz der Privatsphäre nicht gesagt.

Medikamentenvorrat gefunden

Laut Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise darauf, dass der Betroffene Medikamente gesammelt hatte. Nach dem Tod des Mannes sei in dessen Haftraum ein kleiner Vorrat gefunden worden. Es gebe keine Hinweise darauf, dass dem Mann Medikamente gegen seinen Willen verabreicht wurden.

Toter war Kopf von mutmaßlicher Betrüger-Bande

Der Mann war Hauptverdächtiger in einem Ermittlungsverfahren gegen eine mutmaßliche Bande von Internet-Betrügern. Dabei geht es um gewerbsmäßigen Bandenbetrug im Zusammenhang mit verschiedenen Online-Trading-Plattformen, über die Anleger um viel Geld gebracht worden sein sollen.

Menschen um Millionen gebracht

Die Anzahl der Geschädigten und die Höhe des Schadens lassen sich laut Staatsanwaltschaft nicht abschließend feststellen. Auf drei der Plattformen verteilt konnten bislang 271 Geschädigten ein Schaden von insgesamt rund 15,8 Millionen Euro zugeordnet werden. Auf drei dieser Plattformen seien allein rund 124.000 deutsche Nutzer registriert gewesen. Die Ermittlungen dauerten an.

Hinweis

Wir berichten normalerweise nicht über Suizide und Suizidversuche, um keine Nachahmer zu ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn du oder eine Person in deinem Umfeld Selbstmordgedanken hat, wende dich bitte umgehend an Hilfestellen. Informationen findest du hier.

Verwendete Quellen:
- Deutsche Presse-Agentur
- eigene Berichte

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