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Virologin Ciesek kritisiert Öffnungsstrategien wie im Saarland und warnt vor falscher Sicherheit

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Die Virologin Sandra Ciesek warnte vor voreiligen Öffnungsstrategien wie dem Saarland-Modell. Archivfoto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Virologin Ciesek übt Kritik an aktuellen Öffnungsstrategien

Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt sowie Professorin für Medizinische Virologie an der Goethe-Universität, hat gehörig Kritik an Öffnungsstrategien wie etwa im Saarland oder in anderen Modellregionen geübt. 

Warnung vor falscher Sicherheit

Im Rahmen des bekannten NDR-Podcasts "Das Coronavirus-Update" warnte die Expertin am Dienstagabend (6. April 2021) vor dem Gefühl falscher Sicherheit. Es dürfe laut Ciesek nicht der Eindruck entstehen, dass die aktuellen Öffnungen sicher seien. "Wenn geöffnet wird, muss dem Bürger klar sein, dass das nichts mit Sicherheit zu tun hat", sagte die Virologin.

Ciesek: "Die Verantwortung wird auf den Bürger abgewälzt"

Jeder müsse demnach abwägen und individuell entscheiden, ob man sich auf die Freiheiten einlasse und damit ein Risiko eingehe oder ob man auf Vorsicht setze. In diesem Zusammenhang beklagte Ciesek einen weiteren Aspekt der Öffnungsstrategien wie der des Saarland-Modells: "Die Verantwortung wird auf den Bürger abgewälzt", so der Vorwurf der Virologin. 

Auch wenn es bei der Entwicklung der Infektionszahlen vor Ostern eine gewisse Abflachung gegeben habe und die Inzidenzwerte über Ostern gesunken seien, halte sie es für riskant, aus diesen Zahlen eine Abkehr von Corona-Beschränkungen abzuleiten. Denn zum einen sei über die Feiertage weniger getestet worden. Zum anderen hätten manche Menschen womöglich ihre Kontakte vor Ostern bewusst eingeschränkt, um die Feiertage mit ihren Familien verbringen zu können. Man müsse nun schauen, wie es nach Ostern weitergehe, so die Virologin.

Expertin besorgt über Lage in Krankenhäusern

Und eben da bereite der Virologin der Anstieg der Patient:innen in den Krankenhäusern und auch der Zuwachs von jüngeren Menschen in den Intensivstationen aktuell Sorge. Jüngere Intensivpatient:innen hätten zwar bessere Überlebenschancen als 80- oder 90-Jährige. Sie verbrächten allerdings auch längere Zeit auf den Intensivstationen. Ciesek sprach von "Wochen oder Monate". Aktuell lägen auf den Intensivstationen noch immer Patient:innen der zweiten Corona-Infektionswelle. Man befände sich durch diese Hypothek in einer viel schwierigeren Ausgangslage als im vergangenen Sommer.

Ciesek: Impfeffekt aktuell noch nicht in Sicht

Auch ein Impfeffekt sei laut Ciesek aktuell noch nicht in Sicht. Gerade dass viele Personen bislang nur eine Erstimpfung erhalten haben, reiche nicht aus um Kontaktbeschränkungen aufheben zu können und auf Vorsichtsmaßnahmen zu verzichten. Nach der ersten Impfung gebe es vielmehr eine "gefährliche Phase", da sich Antikörper erst entwickeln müssten. Diejenigen, die glauben, sie seien nach der Impfung sofort vor einer Infektion geschützt, seien leichtsinnig.

Verwendete Quellen:
- NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update" vom 06.04.2021
- Deutsche Presse-Agentur

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