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Virologe Drosten befürchtet nachlassende Impfbereitschaft gegen Corona

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Im Bild: Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin. Foto: dpa-Bildfunk/Fabrizio Bensch

Warnung vor Rückschlägen für Corona-Impfkampagne

Der Virologe Christian Drosten hat vor Rückschlägen für die Corona-Impfkampagne über den Sommer in Deutschland gewarnt. Man müsse aufpassen, dass die Menschen künftig nicht nachlässig würden und sich zum Beispiel die Zweitimpfung nicht mehr abholten, weil sie keine Lust mehr hätten oder es zu kompliziert sei, sagte der Leiter der Virologie der Berliner Charité am Dienstag (8. Juni 2021) im Podcast "Coronavirus-Update" (NDR-Info). "Solche Dinge dürfen einfach nicht eintreten. Das wird, glaube ich, die nächste große Aufgabe sein."

Diskussion über Förderung der Impfbereitschaft?

Drosten erwartet demnach in einigen Wochen eine Diskussion über die Förderung der Impfbereitschaft. Ziel seien mindestens 80 Prozent Zweifachimpfungen, zumindest in der "impffähigen erwachsenen Bevölkerung", erinnerte er. Dies werde hoffentlich bis Ende August, Mitte September erreicht werden. Auch nach der Aufhebung der festgelegten Reihenfolge bleibe es zunächst wichtig, die Gruppen zu impfen, in denen dies wegen des erhöhten Covid-19-Risikos dringlich sei. Das Augenmerk müsse im Moment noch auf der Versorgung der Menschen ab Mitte 40 liegen, so Drosten. Aktuell liegt der Anteil der vollständig Geimpften in der Bevölkerung bei knapp 22 Prozent.

Mutante weiterhin dominant

Dass die Impfkampagne nicht ins Stocken gerät, ist für den Wissenschaftler auch vor dem Hintergrund der als besorgniserregend eingestuften Virusvarianten wichtig: Die zunächst in Indien entdeckte Mutante Delta oder ähnliche Varianten würden "sicherlich bis zum Herbst hier auch das Feld dominieren", sagte Drosten. Es gelte, bis dahin für eine möglichst hohe Impfquote bei Erwachsenen zu sorgen. "Dann werden wir keine großen Probleme haben" - ein kleines Fragezeichen sehe er diesbezüglich nur beim Thema Kinder. In England würden Ausbrüche in Schulen durch die Delta-Variante beobachtet.

Keine starke Delta-Zunahme in Deutschland

Für Drosten ist der Blick auf die Delta-Entwicklung in anderen Ländern wichtig: Bisher sei aber weder in Dänemark, wo viele Proben analysiert werden, noch in Deutschland in den vergangenen Wochen eine starke Zunahme zu sehen. In Deutschland lag der Anteil von Delta an untersuchten Proben nach Berichten des Robert Koch-Instituts aus den vergangenen Wochen bei um 2 Prozent. Drosten berichtete von inoffiziellen Zahlen, die suggerierten, dass es nun "vielleicht eine leichte Erhöhung gibt, aber sicherlich wohl keine Verdoppelung". Eine Verdopplung der Werte von Woche zu Woche sei in England beobachtet worden.

"Art vierte Welle" wäre "keine pandemische Welle"

"Natürlich wird die Fallzahl gen Winter wieder hochgehen. Das kann auch schon im Herbst passieren. Aber das wird ab jetzt jeden Winter passieren", sagte Drosten. Die Situation sei dann durch den erwarteten Effekt der Impfungen auf Krankheitsverläufe aber verändert: Würde man strikt nur Labornachweise messen, sähe man wohl eine Art vierte Welle. Aber es sei dann keine pandemische Welle mehr. Drosten hatte auch zuvor schon mehrfach betont, dass er langfristig damit rechnet, dass sich Sars-CoV-2 wie die altbekannten Coronaviren verhalten werde, die Erkältungen auslösen.

Verwendete Quellen:
- Deutsche Presse-Agentur

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