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Bauern wollen Erntehelfer aus der Ukraine holen

Spargel wird auf einem Feld gestochen. Zehntausende Arbeiter helfen aktuell auf deutschen Feldern aus. Die Suche nach Saisonkräften könnte nach Einschätzung von Arbeitgebern aber schwerer werden. Foto: Ralf Hirschberger

Spargel wird auf einem Feld gestochen. Zehntausende Arbeiter helfen aktuell auf deutschen Feldern aus. Die Suche nach Saisonkräften könnte nach Einschätzung von Arbeitgebern aber schwerer werden. Foto: Ralf Hirschberger

Berlin (dpa) - Zehntausende Arbeiter helfen aktuell auf deutschen Feldern aus. Die Suche nach Saisonkräften könnte nach Einschätzung von Arbeitgebern aber schwerer werden.

Wenn sich die wirtschaftliche Lage in den östlichen EU-Ländern weiter verbessere, könnten in einigen Jahren weniger Erntehelfer nach Deutschland kommen, befürchtet der Hauptgeschäftsführer des landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbands GLFA, Burkhard Möller.

«Perspektivisch sehen wir Probleme», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Landwirte würden deswegen in Zukunft gerne Arbeitskräfte aus der Ukraine holen. Weil das Land nicht Mitglied der Europäischen Union ist, bräuchte es dafür aber ein Abkommen zwischen beiden Staaten. Darum müsse sich die Bundesregierung kümmern, forderte Möller, der auch Referent im Deutschen Bauernverband ist.

Laut Agrarministerium gab es bisher genug Saisonarbeiter aus der EU, überwiegend aus Polen und Rumänien. In letzter Zeit mehrten sich allerdings die Anzeichen, dass das Interesse wegen der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in diesen Ländern nachlasse, teilte das Ministerium auf Anfrage mit.

Bis 2020 mache es auch eine Sonderregelung möglich, Erntehelfer aus dem Westbalkan zu beschäftigen. Zusammen mit dem federführenden Arbeitsministerium würde die Entwicklung aufmerksam beobachtet und bereits geprüft, inwieweit künftig Arbeiter aus anderen Drittstaaten in Betracht kommen. «Die Ukraine könnte in diesem Fall ein denkbarer Partner sein», so das Ministerium.

Jedes Jahr sind Bauernhöfe auf Saisonkräfte angewiesen, um zum Beispiel Spargel, Erdbeeren oder im Spätsommer auch Weintrauben zu ernten. 2016 waren es rund 286 000.

Derzeit gebe es flächendeckend genug Erntehelfer, sagte Möller. In einzelnen Betrieben könne es vorkommen, dass Arbeiter fehlten, etwa weil die Arbeit mit einer Vermittlungsagentur nicht geklappt habe. «Aber von einer Mangelsituation kann ich nicht sprechen.» Spargelbauern im brandenburgischen Beelitz hatten zuletzt beklagt, ihnen fehlten Erntehelfer, weil manche Arbeiter nicht gekommen seien.

Auch Österreich sucht Erntehelfer. Dort wurden im wichtigsten Spargelanbaugebiet Marchfeld laut Landwirtschaftskammer Hunderte Helfer vermisst, die bisher meist aus Rumänien kamen. Viele würden wegen des besseren Netto-Lohns nach Deutschland weiterziehen. Die Hochkonjunktur nicht zuletzt auf dem Bau verschärfe die Situation.

«Es gibt lohnendere Jobs, da ist die Landwirtschaft regelmäßig Zweiter», so ein Sprecher in Österreich. Als Folge konnten viele Flächen nicht geerntet werden. Weder Arbeitslose noch Asylberechtigte würden sich um diese Arbeit reißen. Der Anreiz für Menschen aus einem Versorgungssystem für schwere Jobs sei endlich, meinte Wolfgang Dobritzhofer von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Die Kammer will künftig auch wegen Erdbeerernte und Weinlese in der Ukraine, in Bosnien-Herzegowina und in Mazedonien um Erntehelfer werben.

In Deutschland erwartet Möller in diesem Jahr wieder eine ähnliche Zahl von Erntehelfern wie in den Vorjahren. Vielleicht liege die Zahl auch etwas niedriger, weil die Betriebe stärker versuchten, auf Technik zu setzen. Grund dafür ist auch der Mindestlohn - seit Jahresanfang müssen Agrarbetriebe wie andere Unternehmen mindestens 8,84 Euro pro Stunde zahlen. Viele zahlten auch Zuschläge, wenn Arbeiter im Akkord größere Mengen schafften, sagte Möller.

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