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Handelsstreit und Brexit treffen Chemie

Die beiden Verhandlungsführer, Georg Müller (l) vom Bundesarbeitgeberverband Chemie und Ralf Sikorski von der IG BCE, unterhalten sich vor dem bundesweiten Auftakt der Tarifrunde. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Die beiden Verhandlungsführer, Georg Müller (l) vom Bundesarbeitgeberverband Chemie und Ralf Sikorski von der IG BCE, unterhalten sich vor dem bundesweiten Auftakt der Tarifrunde. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Frankfurt/Hannover (dpa) - Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie bekommt den nahenden Brexit und internationale Handelskonflikte allmählich zu spüren.

Einige Kundenbranchen hätten im ersten Halbjahr aus Verunsicherung die Produktion leicht gedrosselt, andere stagnierten, erklärte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt. Konjunktursorgen für die zweite Jahreshälfte dürften auch die Tarifgespräche für die rund 580.000 Beschäftigten belasten, die nun auf Bundesebene in Hannover begonnen haben.

Chemie-Branche rechnet nicht mit Abschwung

Im zweiten Quartal konnte die drittgrößte deutsche Industriebranche ihren Umsatzrekord zum Jahresauftakt nicht übertreffen. Von April bis Juni verharrte der Erlös gemessen am ersten Quartal bei knapp 50 Milliarden Euro. Die Produktion stieg nur leicht. Gemessen am Vorjahreszeitraum gab es aber ein Umsatzplus von 5,8 Prozent.

Zwar rechne in der Branche kaum jemand mit einem baldigen Abschwung. Aber viel deute darauf hin, dass die Nachfrage im zweiten Halbjahr nachlasse, sagte VCI-Präsident Kurt Bock. «Insbesondere die Exporterwartungen sind nicht mehr so positiv wie zu Jahresbeginn.»

Im zweiten Quartal retten kräftige Ausfuhren nach Asien und in die USA sowie starke Pharmageschäfte die Bilanz. Während im Ausland das achte Umsatzplus in Folge erzielte wurde, sanken die Erlöse in Inland leicht. Die Sorge vor einem eskalierenden Handelsstreit der USA mit Europa und China und einem unkontrollierten Brexit belaste die Nachfrage der heimischen Industrie, so der VCI. Die Verpackungs-, Textil-, Druck- und Metallindustrie hielten sich zurück. «Nur am Bau, in der Elektroindustrie und beim Maschinenbau läuft es weiter rund.»

Vier von sieben Chemiesparten hätten die Produktion bei hoher Auslastung gedrosselt. Die Öl verarbeitende Petrochemie profitierte hingegen von den gestiegenen Rohölpreisen. «Die Zuversicht, in den kommenden Monaten bessere Geschäfte machen zu können, ist verflogen.»

Die Unsicherheit dürfte die bundesweiten Tarifverhandlungen erschweren. Die Gewerkschaft IG BCE verweist auf Rekordergebnisse in der Branche und fordert eine Entgelterhöhung um sechs Prozent. Zudem solle das Urlaubsgeld verdoppelt werden, was ein zusätzliches Plus von 600 Euro pro Jahr wäre. So könne man auch den Fachkräftemangel angehen, sagte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis. Die Arbeitgeber hatten die Forderungen wegen der Konjunktursorgen zurückgewiesen.

Für das Gesamtjahr behält die Branche aber ihre Prognose aufrecht. Der VCI peilt ein Umsatzplus von 4,5 Prozent auf den Rekordwert von 204 Milliarden Euro an. Vor allem wegen der höheren Ölpreise sollen nun die Chemikalienpreise um 1,5 Prozent zulegen - etwas stärker als bisher erwartet. Die Produktion soll um 3,5 Prozent wachsen.

Presseseite VCI

Mitteilung IG BCE

Mitteilung BAVC

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