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Mobile Toiletten bringen Millionen

Wartende vor Mobiltoiletten am Rande des Musikfestivals

Wartende vor Mobiltoiletten am Rande des Musikfestivals "Rock am Ring" in Nürburg. Foto: Thomas Frey

Nürburg (dpa) - Ob Festival-Fans oder Rockstars - sie alle müssen einmal. Während die einen an ganz normalen Kabinen-Klos anstehen, bekommen die anderen mobile Luxusvarianten aus teurer Keramik und mit Bildschirmen.

So auch bei den großen Festivals «Rock am Ring» in der Eifel und «Rock im Park» in Nürnberg an diesem Wochenende. Das Geschäft mit dem Geschäft ist ein Millionengeschäft - gerade in der Freiluft-Saison.

«Zwei Drittel des deutschen Mietmarkts mit Kabinen ist bei uns organisiert», sagt der Sprecher des zuständigen Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), Bernhard Schodrowski, in Berlin. «Damit wird ein Jahresumsatz von mehr als 120 Millionen Euro erzielt.» Das entspreche über 140.000 Kabinen-Klos. Inklusive der nicht im BDE vertretenen Anbieter «wird es vermutlich mehr als 200.000 Kabinen in Deutschland geben». Der Gesamtumsatz der Branche inklusive Container mit Spül-Klos und Toilettenwagen ist laut Schodrowski statistisch nicht erfasst.

Komfort und hygienischer Standard seien über die Jahre gestiegen, meint der BDE-Sprecher. Die Zeiten der Bretterbuden seien vorbei. Extremes Beispiel: die Luxus-Sanitärcontainer für die Stars bei «Rock am Ring» ab Freitag (1. Juni) im VIP-Bereich am Nürburgring. Für die Bands «Foo Fighters» und «Thirty Seconds To Mars» etwa sollten der verantwortlichen Firma Sani zufolge teure Keramikanlagen zur Verfügung stehen - neben Duschabtrennungen aus Glas und Bildschirmen mit der Live-Übertragung des Festivals über den Waschbecken.

Für die Festivalbesucher am Nürburgring sollte es laut Sani-Abteilungsleiter Soenke Jessen rund 800 mobile Toiletten geben - plus zahlreiche Sanitärstationen mit je bis zu 100 Spültoiletten und Urinalen. «Wir sind der Dienstleister, der den ersten und letzten Kontakt zum Besucher hat», betont Jessen. «Natürlich sind die Headliner am wichtigsten - aber was bringt das, wenn die Besucher nicht richtig untergebracht sind?» Immerhin kosteten die Tickets für «Rock am Ring» um die 200 Euro.

Sani-Sprecher Sören Gütschow weiß: «Die Ansprüche der Kids bei Festivals sind gestiegen.» Sie stünden lieber für eine Spültoilette im Container in einer Schlange an, als in ein freies Kabinen-Plumpsklo daneben zu gehen. Ein älterer Spruch der Musikbranche lautet: «Bei Rockfestivals ist ein Klogang wie eine Bergwanderung: Nur nicht in die Tiefe schauen.»

Sani mit Sitz im schleswig-holsteinischen Borgstedt versorgt neben großen Festivals auch große Sportevents sowie Schulen und Kitas im Umbau mit provisorischen Toiletten. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von rund 25 Millionen Euro erzielt, hat unter anderem am Nürburgring eine eigene Filiale. Es kümmere sich in diesem Jahr um rund 50 Wochenendveranstaltungen an der legendären Rennstrecke.

Medienberichten zufolge hat der US-Soldat Fred Edwards 1973 in Deutschland das erste moderne mobile Klo in Europa gebastelt - und es Dixi genannt. Zehn Jahre später kam die Konkurrenz Toi Toi auf den Markt. 1997 fusionierten beide Marken zur Adco-Unternehmensgruppe. Diese ist heute nach eigenen Angaben Weltmarktführerin für mobile Sanitärlösungen - mit Sitz in Ratingen bei Düsseldorf. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, dem «Sommermärchen» in Deutschland, etwa hatte Adco nach eigener Auskunft mehr als 10.000 mobile Klos im Einsatz. Viele verwenden die Bezeichnung Dixi für mobile Toiletten aller Hersteller, was an Tempo-Taschentücher und Tesa-Film erinnert.

Für Adco ist das Geschäft mit der Notdurft ein lohnendes: 2016 verbuchte Adco laut Bundesanzeiger einen Umsatz von gut 317 Millionen Euro und einen Gewinn von 23,8 Millionen Euro. Es tummeln sich aber auch sehr viele kleine Anbieter in der Branche. In St. Sebastian bei Koblenz beispielsweise sitzt ein Unternehmen mit dem sprechenden Namen «Latrinen Willi», mit Toilettenwagen für Veranstaltungen der Region. Und in Mainz war kürzlich ein kleiner Lastwagen voller mobiler Toiletten unterwegs - mit der sinnigen lateinischen Aufschrift «Pecunia non olet» (Geld stinkt nicht).

Größter Geschäftsbereich der Branche bleiben aber Baustellen. Der Immobilienmarkt boomt, das beflügelt die Anbieter mobiler Toiletten. Ein Sondereffekt war auch die Flüchtlingskrise. Weil vor allem Deutschland in kurzer Zeit sehr viele Asylbewerber unterbringen musste, sei die Nachfrage nach mobilen Toilettenhäuschen rasch gestiegen, schrieb Adco in einem früheren Lagebericht im Bundesanzeiger. Weitere Einsatzgebiete für mobile Toiletten: Militärgebiete. Auch Soldaten müssen mal.

© WhatsBroadcast
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