Das sind die 8 gefährlichsten Tiere des Saarlandes

Auch im Saarland leben Tiere, die für Mensch und Vierbeiner gefährlich sind. Wir stellen euch hier acht besonders finstere Arten vor.
Vor manchen Tieren sollte man sich im Saarland besonders in Acht nehmen. Fotos: Rainer Altenkamp, Berlin, Cheiracanthium punctorium W frei 1 16 Brache KarT 070916, CC BY-SA 3.0 | dpa-Bildfunk
Vor manchen Tieren sollte man sich im Saarland besonders in Acht nehmen. Fotos: Rainer Altenkamp, Berlin, Cheiracanthium punctorium W frei 1 16 Brache KarT 070916, CC BY-SA 3.0 | dpa-Bildfunk

Giftige Tiere lauern im Saarland an vielen Ecken. Vor allem jetzt im Frühling und Sommer sollte man vorsichtig sein, wenn man sich im Freien aufhält. Denn im Bundesland leben Spinnen, Insekten und Amphibien, die dem Menschen durchaus gefährlich werden können. Wir sagen euch, vor wem ihr besonders auf der Hut sein müsst.

Vorsicht, giftig: der Ammen-Dornfinger

Der Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) gilt als die giftigste Spinnenart Mitteleuropas. Mit ihrem Biss können die Tierchen die menschliche Haut durchdringen und schon nach wenigen Minuten für einen brennenden Schmerz sorgen. Dann breitet sich das Leiden auf die kompletten betroffenen Gliedmaße aus. Auch kann es zu Schwindel, Fieber, Kreislaufversagen und Schüttelfrost kommen. Die gute Nachricht: Viel länger als 24 Stunden dauern die Schmerzen nicht an. Berichte über Todesfälle liegen bislang auch nicht vor. Werden Kindern gebissen, sollten sie am besten von einem Arzt oder einer Ärztin begutachtet werden. Im Saarland wurde ein Ammen-Dornfinger 1983 bei Saarlouis-Fraulautern beobachtet. Die Spinnen finden sich heute vor allem in Niederungen, wie der „Atlas der Spinnen des Saarlandes“ aus dem Jahr 2004 zeigt.

Ammen-Dornfinger können beim Menschen Schmerzen auslösen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Bildfunk

Nicht küssen: die Gelbbauchunke

Von oben sieht die Gelbbauchunke (Bombina variegata) wie viele andere Amphibien aus: graubraun und unspektakulär. Schaut man sich die Frösche von unten an, wird klar, warum das Tier so heißt: Leuchtend gelb ist der Bauch gefärbt. „Nur gucken, nicht anfassen“ lautet die Devise, denn die Gelbbauchunke sondert über ihre Haut ein Gift ab. Das ist zwar für den Menschen nicht sonderlich gefährlich, kann aber die Schleimhäute stark reizen. Wer die Unke berührt hat, sollte sich unbedingt die Hände waschen und auf keinen Fall die eigenen Augen anfassen. Die Population der Amphibien ist im Saarland in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Sie kommen in allen Landkreisen vor, vor allem im Zentrum der ehemaligen Montanindustrie im Regionalverband Saarbrücken und im Kreis Neunkirchen, zeigte eine Zählung in den Jahren 2018 und 2019.

Das Gift der Gelbbauchunken ist stark schleimhautreizend. Foto: Peter Steffen/dpa-Bildfunk

Kein seltener Gast: der Violette Ölkäfer

Der Violette Ölkäfer (Meloe violaceus) kommt im Saarland häufiger vor, laut BUND trifft man ihn vor allem im Osten. Er kann giftige Abwehrstoffe (mit dem Hauptwirkstoff Cantharidin) aus seinen Beingelenken absondern, die von der Konsistenz und der Farbe an Öl erinnern. Werden auch nur wenige Tausendstel Gramm davon in die Blutbahn des Menschen injiziert, ist das Gift tödlich. Orale Einnahme kann zu akutem Nierenversagen führen. Das Cantharidin aus einem Verwandten des Violetten Ölkäfers, der Spanischen Fliege, wird heute auch als Potenzmittel genutzt. Allerdings ist der Wirkstoff darin nur in extrem niedriger Dosis enthalten.

Der Ölkäfer sondert ein Sekret ab.

Unauffällig und gemein: die Zecke

Das Robert-Koch-Institut hat den Saarpfalz-Kreis als FSME-Risikogebiet deklariert. Dort ist die Gefahr, sich mit dem Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus anzustecken, also besonders hoch. Im schlimmsten Fall drohen bei dieser Erkrankung Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute. Extrem häufig sind FSME-Fälle in Deutschland nicht: Vergangenes Jahr gab es 390 bestätigte Infektionen. Dennoch sollte man im hohen Gras vorsichtig sein. Beim Nachhausekommen wird empfohlen, die Haut nach Zecken (Ixodida) abzusuchen. Je früher sie entfernt werden, desto geringer das Risiko für eine Erkrankung. Gegen FSME helfen Impfungen, für die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose gibt es diese Möglichkeit allerdings nicht. Auch die Borreliose kann zu Hirnhaut- und Nervenentzündung führen. Lähmungen sind in schlimmen Fällen möglich. Wird die Erkrankung früh genug erkannt, ist sie mit Antibiotika behandelbar.

Ein Stich der Zecke kann Borreliose und FSME auslösen. Foto: Marijan Murat/dpa-Bildfunk

Er lauert in Bäumen: der Eichenprozessionsspinner

Für viel Aufsehen sorgen im Sommer regelmäßig die Meldungen zum Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea). Der ist eigentlich als Schmetterling vollkommen harmlos und unauffällig. Seine Raupe hingegen stellt eine echte Gesundheitsgefahr für den Menschen dar: Seine Härchen werden durch Wind verteilt und beinhalten das Gift Thaumetopoein. Berühren die Haare die Haut des Menschen, kann es zu heftigen allergischen Reaktionen kommen. Dann sind Ausschläge, Schwellungen, Juckreiz und sogar Atemwegsreizungen möglich. Betroffene können auch einen anaphylaktischen Schock erleiden, der lebensgefährlich ist. Erhöhte Gefahr herrscht insbesondere zwischen Mitte Mai und Ende Oktober. Im Saarland gibt es den Eichenprozessionsspinner vor allem in den wärmebegünstigten Gebieten um Saarbrücken sowie im Blies- und Saargau. Doch auch in den anderen Landesteilen wurde er schon entdeckt. Wer vorsichtig sein will, sollte stark befallene Gebiete am besten komplett meiden oder dort Mund, Nase und alle offenen Körperstellen bedecken.

Die Härchen der Raupe des Eichenprozessionsspinners können schwere Hautkrankheiten auslösen. Foto: Bernd Thissen/dpa-Bildfunk

Putzig, aber giftig: der Feuersalamander

Seine beeindruckende Färbung hat der Feuersalamander (Salamandra salamandra) aus gutem Grund: Sie soll potenzielle Angreifer vor der Giftigkeit des Salamanders warnen. Zur Abwehr kann die Amphibie über Drüsen am Rücken und an den Ohren ein giftiges Sekret absondern. Trifft das Gift auf die menschliche Haut, kann es brennen. Gefährlich wird es aber für andere Tiere, zum Beispiel Hunde oder Katzen. Nehmen die den Feuersalamander zum Beispiel ins Maul, kann das Gift direkt in den Körper der Vierbeiner gelangen. Dann sind Lähmungen, Krämpfe und sogar der Tod nicht ausgeschlossen. Laut Umweltministerium ist die Zahl der Feuersalamander-Bestände im Saarland stabil. Man trifft ihn vor allem in Laubwäldern.

Feuersalamander können vor allem anderen Tieren gefährlich werden. Foto: Martin Schutt/dpa-Bildfunk

Nicht nur nervig: die Grasmilbe

Unangenehm wurde es vor allem im Juni vergangenen Jahres: Saarlandweit wurden unzählige Menschen von der Grasmilbe gebissen, im Regionalverband Saarbrücken mussten sogar Hunderte Schüler:innen nach Hause geschickt werden. In den sozialen Netzwerken machten Betroffene ihren Sorgen Luft und tauschten sich über mögliche Gegenmittel aus. Die Bisse der Grasmilbe sind per se zwar nicht gefährlich. Aber: Sie jucken besonders heftig und lange. Wer schwach wird und die Wunden mit seinen Fingern kratzt, der kann Bakterien übertragen. Mit Pech haben Betroffene sich dann eine lokale Entzündung oder sogar eine Blutvergiftung eingehandelt. Besser ist es, die Bisse zu kühlen oder sich von Hautärzt:innen spezielle antiallergische Medikamente verschreiben zu lassen. Manche gibt es auch rezeptfrei in Apotheken.

Auch wenn es schwerfällt: Die Bisse der Grasmilbe sollte man lieber nicht kratzen. Foto: Friso Gentsch/dpa-Bildfunk

Bissig: die Kriebelmücke

Zwei bis sechs Millimeter wird sie groß, die Kriebelmücke. Anders, als man es von vielen anderen Mücken gewohnt ist, stechen die Simulidae nicht – sie beißen. Mit ihrem kleinen Rüssel saugen sie Blut aus der Bisswunde, um sich zu ernähren. Und das kann höllisch weh tun. Starke Schwellungen und Reizungen sind nicht ungewöhnlich. Im schlimmsten Fall können auch Bakterien in die Wunde eindringen, dann ist auch eine Blutvergiftung möglich. Am häufigsten findet man die Kriebelmücken an Gewässern, wo sie ihre Eier ablegen. Wenn es heiß ist, vermehren sie sich ganz besonders gern.

Die Kriebelmücke beißt. Foto: Rneurauter, 0306-kriebmücke.Simuliidae(1), CC BY-SA 3.0

Verwendete Quellen:
– eigene Recherche
– eigene Berichte
Atlas der Spinnen des Saarlandes
Deutsche Presse-Agentur
– Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes: Der Eichenprozessionsspinner (PDF)
– Norman Wagner, Gabi Stein, Wendelin Schmitt, Michael Bürster, Peter Schleich, Claudia Milan, Christoph Bernd, Anne Flottmann-Stoll und Hans-Jörg Flottmann: Zur Bestandssituation der Gelbbauchunke Bombina variegata (Linnaeus, 1758) im Saarland – eine landesweite Überprüfung ehemals bekannter Vorkommen und potentiell geeigneter Sekundärhabitate (PDF)
– Regionalverband Saarbrücken: Durch Zecken übertragene Erkrankungen (PDF)
– Robert-Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 9/2022 (PDF)
Robert-Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken, Zeckenstich, Infektion
Rote Liste und Gesamtartenliste der Amphibien (Amphibia) des Saarlandes (PDF)
Umweltmagazin Saar 1/2020, S. 18 („Sommergast, Hexenei und Tod“) (PDF)
– Wikipedia: Ammen-Dornfinger
– Wikipedia: Feuersalamander
– Wikipedia: Gelbbauchunke
– Wikipedia: Kriebelmücken
– Wikipedia: Spanische Fliege
– Wikipedia: Violetter Ölkäfer
– Foto:
Rneurauter, 0306-kriebmücke.Simuliidae(1), CC BY-SA 3.0
– Foto: Rainer Altenkamp, Berlin, Cheiracanthium punctorium W frei 1 16 Brache KarT 070916, CC BY-SA 3.0