Die Grundsteuerreform kommt: Was jeder Haus- oder Grundstückbesitzer jetzt tun muss

Die Grundsteuerreform erfordert in diesem Jahr eine Neubewertung aller Grundstücke. Alle Grundstücksbesitzer müssen ab Juli die erforderlichen Daten an die Finanzämter übermitteln. Aber worauf genau müssen Steuerpflichtige achten, damit ihnen nicht die Zeit davonrennt? Wir haben mit Stefan Lamberti von der Saarlouiser Steuerberatungsgesellschaft Burgard, Fontaine, Lamberti gesprochen.
Grundsteuerreform
Die Grundsteuerreform bringt knappe Fristen mit sich: Bis zum 31. Oktober muss jeder, der ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück besitzt, eine Steuererklärung hierfür abgeben.
Grundsteuerreform
Die Grundsteuerreform bringt knappe Fristen mit sich: Bis zum 31. Oktober muss jeder, der ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück besitzt, eine Steuererklärung hierfür abgeben.

Frage: Die Grundsteuerreform kommt – das heißt: Wer ein Haus oder ein Grundstück besitzt, muss es neu bewerten lassen. Was müssen Eigentümer jetzt tun?

Stefan Lamberti: Sie müssen vor allem schnell aktiv werden, denn es bleibt leider wenig Zeit. Vom 1. Juli bis 31. Oktober dieses Jahres müssen die Steuererklärungen abgegeben werden. Wichtig ist, dass Grundstücksbesitzer jetzt mit ihren Steuerexperten sprechen, was bei der Neubewertung ihrer Immobilien zu beachten ist. Die Steuererklärung selbst kann dann elektronisch über das bekannte Elster-Portal geschehen. In Ausnahmefällen soll auch eine Abgabe in klassischer Papierform möglich sein.

Frage: Wie viele Grundstücke und Immobilien betrifft das?

Lamberti: Allein im Saarland sind ca. 580.000 Grundstücke neu zu bewerten. Bundesweit müssen die Daten für 36 Millionen Grundstücke abgegeben werden. Hierfür bleiben nur noch vier Monate. Wir empfehlen deshalb allen Steuerpflichtigen, schon jetzt zu beginnen, die erforderlichen Informationen zu sammeln, da insbesondere bei vermieteten Wohnimmobilien und bei gewerblich genutzten Immobilien sowie gemischt genutzten Grundstücken die Ermittlung der steuerlich relevanten Daten durchaus komplexer werden kann.

Stefan Lamberti

Steuerexperte Stefan Lamberti aus Saarlouis kennt die Details der Grundsteuerreform. Foto: mec/Jennifer Weyland

Frage: Über welche Daten sprechen wir? Es soll mit der Grundsteuerreform ja eigentlich leichter geworden sein, weil man nur noch sechs Angaben statt wie bisher 20 liefern muss.

Lamberti: Es geht um die Grundstücksgröße, die Wohnfläche beziehungsweise die Bruttogrundfläche bei gewerblich genutzten Objekten, die Gebäudeart, das Herstellungsjahr und den Bodenrichtwert. Der Teufel steckt im Detail. Beispiele: Bei Wohnimmobilien zählen ein Dachgeschoss oder ein Keller, die nicht ausgebaut sind, nicht zur Wohnfläche, bei Geschäftsgebäuden umfasst die Bruttogrundfläche etwa nicht den Spitzboden, Vormauerungen oder Balkone. Wir haben unser Team dazu detailliert schulen müssen. Wie soll da ein Laie durchblicken?

Fehler in der Erklärung können unnötige Kosten verursachen

Frage: Können Immobilienbesitzer die Steuererklärung denn ohne Hilfe eines Steuerberaters überhaupt ausfüllen?

Lamberti: Im Prinzip schon, nur leider werden die meisten, sich nicht intensiv mit der Materie auseinandergesetzt haben, schnell an ihre Grenzen stoßen. Die Grundsteuerreform ist komplex. Fehlerhafte Angaben können da am Ende Geld kosten.

Frage: Was bedeutet die Grundsteuerreform speziell für Saarländerinnen und Saarländer?

Lamberti: Das Saarland hat im Prinzip das Bundesmodell übernommen, jedoch mit Spezifikationen in den Steuermesszahlen. Diese wurden abweichend vom Bundesmodell für die einzelnen Grundstücksarten festgelegt, z.B. für ein Einfamilienhaus 0,34 ‰ statt 0,31 °‰ oder für ein Geschäftsgrundstück 0,64 ‰ statt 0,34 ‰.

Frage: Die Modelle weichen je nach Bundesland ab. Gilt denn die Frist für die Steuererklärung auch für Länder mit einem anderen Modell?

Lamberti: Absolut. Auch die weiteren Fristen stehen für alle Beteiligten fest: Im Anschluss an die Datenübermittlung müssen die Finanzämter die Grundsteuerwerte feststellen und die entsprechenden Bescheide an die Steuerpflichtigen verschicken. Die haben nur einen Monat Zeit, um gegebenenfalls Einspruch einzulegen. Diese Frist ist, sofern der Bescheid fehlerhaft ist, unbedingt einzuhalten.

Für wen wird es teurer, für wen günstiger?

Frage: Kann man einmal gemachte Angaben problemlos ändern?

Lamberti: Nach der Festsetzung des Grundsteuerwerts und Ablauf der Einspruchsfrist kann der Grundstückswert nur in ganz wenigen Fällen wieder geändert werden. Man sollte also schon bei der Zusammenstellung der Unterlagen und der Erfassung einzelnen Werte in der Erklärung penibelste Acht geben, damit man im Nachhinein einen richtigen Feststellungsbescheid bekommt.

Frage: Die Finanzämter schicken die Grundsteuerwertbescheide an die Kommunen, die im Jahr 2024 dann die neuen Hebesätze festlegen müssen. Für wen wird es künftig teurer, für wen billiger?

Lamberti: Im Ergebnis soll die Grundsteuerreform aufkommensneutral sein, aber es stimmt: Es wird zu Verschiebungen geben. Spannend ist auch die Frage, was passiert, wenn die Abgabefrist 31. Oktober nicht eingehalten wird. Eine Fristverlängerung ist bis dato leider nicht absehbar.

AUF EINEN BLICK

Wer in Deutschland ein Grundstück oder eine Immobilie besitzt, zahlt Grundsteuer. Das Bundesverfassungsgericht hat die bisherige Besteuerung auf Grundlage veralteter Einheitswerte aufgehoben, weshalb die Bundesländer und Kommunen die Grundsteuer neu berechnet müssen. Hierfür drängt die Zeit: Denn bis zum 31. Oktober müssen alle Besitzer von Gründstücken oder Immobilien eine Steuererklärung abgeben, in der sie ihren Besitz melden. Im Anschluss werden die Daten ausgewertet – ab dem 2025 gilt dann die neue Steuer nach der Grundsteuerreform.

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