RKI und Intensivmedizin warnen vor schwerer Herbst- und Winterwelle

Das Robert-Koch-Institut (RKI) fürchtet, dass der Höhepunkt der vierten Corona-Welle noch bevorsteht. Die Fallzahlen könnten laut dem Institut in der kommenden Zeit deutlich steigen.

Eine Intensivpflegerin versorgt auf der Intensivstation einen an Covid-19 erkrankten Patienten. Symbolfoto: Ole Spata/dpa-Bildfunk

„Es ist damit zu rechnen, dass sich im weiteren Verlauf des Herbstes und Winters der Anstieg der Fallzahlen noch beschleunigen wird“, erklärt das RKI im neuen Wochenbericht zur Pandemie am Donnerstagabend (21. Oktober 2021). Auch Intensivmediziner:innen fürchten einen bevorstehenden Höhepunkt der vierten Welle. Wegen fehlendem Pflegepersonal könnten viele Intensivbetten nicht mehr betrieben werden.

Überlastung der Intensivstationen befürchtet

Wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) am Donnerstagabend mitteilte, sei in der kommenden Zeit „mit einer spürbaren Einschränkung in der Versorgung der Bevölkerung zu rechnen“. Während zu Jahresbeginn noch 26.475 Intensivbetten betreibbar waren, seien es nun nur noch 22.207. Die schlechte Stimmung der vergangenen Monate habe zu weiteren Kündigungen von Stammpflegekräften geführt.

„Eine absehbar schwere Herbst- und Winterwelle“ mit vielen Patient:innen könne im Zusammenspiel mit anderen Atemwegserkrankungen wie etwa der Grippe die Intensivmedizin in Deutschland „erneut an und über ihre Grenzen bringen“, so Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die eigentliche vierte Welle habe erst jetzt begonnen „und nimmt weiter Fahrt auf“, schreibt auch Divi-Experte Christian Karagiannidis bei Twitter. Noch immer bestehe ein enger Zusammenhang zwischen Inzidenz und Neuaufnahmen auf Intensivstationen. Derzeit liegt die Zahl der Covid-Patient:innen dort bei 1.540.

Ü-90-Jährige wieder vermehrt infiziert

Wie das RKI meldet, seien wieder vermehrt Ausbrüche in medizinischen Einrichtungen sowie Alten- und Pflegeheimen aufgetreten. Die Inzidenz bei Menschen über 90 Jahren sei in der vergangenen Woche erstmals seit Anfang Mai wieder über 50 geklettert. Dank Maßnahmen und Durchimpfungen seien die Ausbrüche zwar deutlich zurückgegangen, dennoch träten sie weiterhin auf und beträfen auch Geimpfte. Nach wie vor seien Hochaltrige besonders gefährdet, schwere Verläufe zu erleiden.

Hohe Inzidenzen vor allem in jüngeren Altersgruppen 

Besonders hohe Inzidenzen verzeichnet das RKI derweil in jüngeren Altersgruppen. Dort sind die Impfquoten weiterhin niedrig. So gab es bei Kindern und Jugendlichen von 10 bis 14 Jahren in der vergangenen Woche 182 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner:innen. Aber auch Menschen im mittleren Alter von 35 bis 44 Jahren lagen bei den Inzidenzen über dem Durchschnitt.

Impfdurchbrüche seien zu erwarten, aber meist ungefährlich

Mit der Zeit seien laut RKI mehr Impfdurchbrüche zu erwarten. Also, dass bei vollständig Geimpften ein PCR-Test positiv ausfällt. Das liege zum einen an der hohen Impfquote und zum anderen an der vermehrten Ausbreitung des Virus. „Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen.“ Dabei sind jedoch schwere Krankheitsverläufe sehr selten. Allerdings war in Deutschland zuletzt ein hoher Anteil von Infektionen nach der Einmalimpfung mit Johnson & Johnson aufgefallen. Unabhängig vom Alter empfiehlt das RKI daher Menschen, die dieses Vakzin bekommen haben, den Schutz mit einer Dosis mRNA-Impfstoff aufzubessern.

RKI appelliert, weiterhin Maßnahmen zu treffen

„Insbesondere bei jetzt deutlich steigenden Fallzahlen sollte unabhängig vom Impf-, Genesenen- oder Teststatus das grundsätzliche Infektionsrisiko und der eigene Beitrag zur Verbreitung von Sars-Cov2 reduziert werden“, appellierte das RKI. Das Institut ruft daher alle Menschen auf, weiterhin Verhaltensregeln einzuhalten. Dazu gehören etwa Abstand, Hygiene, Masken, Lüften und das Verwenden der Corona-Warn-App. Zudem empfiehlt das RKI unnötige enge Kontakte zu reduzieren und „Situationen insbesondere in Innenräumen, bei denen sogenannte Super-Spreading-Events auftreten können“ möglichst zu meiden.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presseagentur