Saarländer besitzt die wertvollste Pokémonkarten-Sammlung Europas

Noch lange vor Pokémon Go (und Smartphones) hat das Unternehmen Nintendo seine "Taschenmonster" auf Sammelkarten drucken lassen. Einige dieser Karten sind mittlerweile Unsummen wert. Wir haben uns die wohl wertvollste Pokémonkarten-Sammlung Europas angesehen - und zwar im Saarland.
Fotos/Grafik: red/Pixabay
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Update: Hier geht es zum Nachfolge-Artikel („Saarländer Yannick ist Pokemonkarten-Millionär“)

Er will der Allerbeste sein, wie keiner vor ihm war: Nicht nur diese (leicht abgewandelte) Zeile des „Pokémon-Titelsongs aus der gleichnamigen Animationsserie bringt die Sammelleidenschaft eines Saarländers auf den Punkt. Auch das Saar-Motto, dass Großes im Kleinen entsteht, passt in seinem Fall wie das „Pikachu“ in den „Pokéball“.

Wir haben uns mit Daniel (Name geändert, echter Name ist der Redaktion bekannt) getroffen, um über seine Pokémonkarten-Sammlung zu sprechen. Seinen Angaben zufolge handelt es sich dabei um die wertvollste Sammlung in ganz Europa.

Das Interview

Daniel, wann hat dein Sammelwahn eigentlich begonnen?
„Angefangen hat alles 1999, als die ersten Karten auf den Markt kamen. Als Kind habe ich bis 2003 gesammelt. Und dann hat das Ganze wieder vor einigen Jahren angefangen. Als ich mit einem Kumpel an der Uni saß, entschlossen wir uns, eine Nintendo 3DS mit ‚Pokémon Y‘ (Anm. d. Red.: ein Spiel aus der Pokémon-Reihe) zu kaufen.

Dann hatten wir uns wieder an die Kartensammelleidenschaft der Kindheit erinnert und sind in einen Spielwarenladen, um Boosterpacks der neuen Karten zu kaufen. Dabei bemerkten wir, dass uns die neuen Karten im Vergleich zu den alten Exemplaren überhaupt nicht gefallen. Und schließlich bestellte ich mir im Internet ein ‚1. Edition Glurak von 1999‘.

Allerdings bemerkte ich kurz darauf, dass da noch ‚Turtok‘ und ‚Bisaflor‘ fehlen – die gehören schließlich zu den originalen drei Starter-Pokémon. Als ich dann bei eBay danach suchte, wurde mir lediglich ein ‚PSA 10-Turtok‘ angezeigt. Das Problem: Dieses ‚PSA-Turtok‘ hat das vierfache einer unbewerteten Karte gekostet.

(Anm. d. Red.: PSA bewertet Karten auf einer Skala von 1 bis 10. Wird eine Karte als 10 bewertet, ist sie in perfektem Zustand – und so von hohem Wert.) 

Dann informierte ich mich über PSA – und habe den Preis so nachvollziehen können; wie selten ein perfekter Zustand eben ist. Als Nächstes kaufte ich mir ein ‚Glurak‘ und ein ‚Bisaflor‘ mit 10er-Wertung.“

(Anm. d. Red.: Hätte man 1999 die Karten frisch aus einem Boosterpack gezogen, hätten sie – aufgrund der damals schlechten Produktionsqualität – sehr wahrscheinlich keine perfekte 10 bekommen. Nur zirka 20 Prozent der Karten aus den Boostern wären damals eine 10 geworden, so die Einschätzung des Sammlers.)

Sammelst du eigentlich nur deutsche Karten?
„Nein, inzwischen sammle ich ausschließlich englische Karten. Hier sind Markt und Möglichkeiten im Vergleich zu Deutschland unfassbar groß„.

Wie viele Karten sind mittlerweile in deiner Sammlung?
„In meiner Sammlung an einzigartigen Karten befinden sich etwa 140. Insgesamt komme ich aber auf 250 holografische 1. Edition-Karten in ‚PSA 10‘. Diese stammen aus den Jahren 1999-2002 (also aus den ersten zehn Sets).“

Verfolgst du dabei ein bestimmtes Ziel? Beispielsweise irgendwann einmal alle bisher gedruckten Karten zu besitzen?
„Alle gedruckten Karten nicht, sondern nur die 180 holografischen Karten aus den ersten zehn Sets von ‚Wizards of the Coast‘„.

Sag mal, wie kommt es eigentlich, dass diese Karten so viel wert sein können?
„Na ja, es ist zunächst mal so: die Generation, die damals mit Pokémon aufgewachsen ist, hatte die besten Karten nie bekommen. Und zwar deswegen, weil einfach nicht genug Taschengeld da war, um ausreichend Boosterpacks zu kaufen. Schließlich waren die heute wertvollen Karten erstens nur mit einer Quote von 1:3 in den Packs. Und zweitens war auch die Chance, solch eine Karte in einem ‚10er-Zustand‚ aus der Packung zu ziehen, bei etwa 20 Prozent. Plus: Die nun fast 20 Jahre alten Karten müssen ja auch heute noch in diesem Zustand sein, damit sie den entsprechenden Wert haben.“

Kann es sein, dass die Karten mal – auch wenn sie in einwandfreiem Zustand sind – an Wert verlieren?
„Kindheitserinnerungen und Nostalgie verlieren nie an Wert. Das sieht man ganz gut an anderen vergleichbaren Hobbys“.

Was ist die wertvollste Karte in deinem Besitz?
„Ganz klar, ‚1. Edition Base Set Charizard PSA 10‚. Die Karte hat einen Wert von 25.000 Dollar. Um nachts ruhig schlafen zu können, befindet sich die Karte – sowie die gesamte Sammlung – in einem Bankschließfach.“

Und was ist die wertvollste Karte überhaupt?
„Die wertvollste Karte überhaupt, das ist schwer zu sagen. Im Grunde ist das die Karte ‚Pikachu Illustrator‚. Ansonsten gäbe es noch eine wertvolle Karten-Kategorie, nämlich japanische Trophy-Cards von 1997 bis 1999. Die liegen im hohen sechsstelligen Bereich.“ 

Viele unserer Leser haben mit Sicherheit noch alte Karten auf dem Speicher oder im Keller. Wie kann man den Wert dieser Funde am einfachsten ermitteln?
„Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, eignet sich eBay. Hierzu muss man den Namen der Karte sowie das Set feststellen (das erkennt man an dem Symbol rechts unter dem Bild). Dann einfach das Ganze bei eBay eingeben und schon bekommt einen ungefähren Eindruck vom Wert.

Man muss allerdings darauf achten, dass der Zustand der Karte über wertvoll und wertlos entscheidet. Ebenso wichtig: Beachten, ob die Karte ein ‚1-Edition-Symbol‘ links unter dem Bild hat. Dadurch wird der Wert gesteigert.“

Und wo bekommt man noch am meisten Geld für die alten Karten?
„Definitiv eBay. An zweiter Stelle könnte man noch den ‚PokémonCardMarket‘ erwähnen. Ist eigentlich wie eBay, nur mit geringeren Gebühren. Plus: es geht ausschließlich um Sammelkarten.“

Gibt es eine Art Treffpunkt für Pokémonkarten-Sammler im Saarland?
„Für Sammler nein, für Spieler gibt es natürlich in so ziemlich jedem Comicbuch-Laden einen Treffpunkt. Aber spielen mit den alten Karten? Keine gute Idee.“

Was sagst du zu Leuten, die dein Hobby belächeln oder es als Kinderkram abstempeln?
„Nachdem sich die Leute angehört haben, um was es geht, wurde ich noch nie belächelt oder das Hobby als Kinderkram abgestempelt. Wenn es doch mal dazu kommen sollte: Versucht mal euer Investment in vier Jahren zu verfünffachen.“

Für alle Interessierten: Das Bewerten der Karten kostet bei „PSA“ pro Stück zirka 15 Euro. Ihr müsst allerdings damit rechnen, dass die Karten ein halbes Jahr bei „PSA“ (also in Amerika) bleiben. In diesem Zeitraum werden eure Karten professionell nach ihrem Zustand (von „poor“ = 1 bis „gem mint“ = 10) bewertet.

Verwendete Quellen:
– Interview
– eigene Recherche