Warum der BSW im Saarland so erfolgreich war und was Oskar Lafontaine damit zu tun hat

Sahra Wagenknecht hat zu Hause im Saarland mit ihrer neuen Partei das beste Ergebnis in Westdeutschland eingefahren. Dahinter steckt aber nicht nur ein Heimvorteil, sondern auch ihr Mann Oskar Lafontaine.
Sahra Wagenknecht und Ehemann Oskar Lafontaine. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa-Bildfunk
Sahra Wagenknecht und Ehemann Oskar Lafontaine. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa-Bildfunk

BSW hatte im Saarland ihr bestes westdeutsches Ergebnis

Oskar Lafontaine wirkt im Saarland noch immer. Und auch ohne dass er in der neu gegründeten Partei seiner Frau Sahra Wagenknecht ein politisches Amt bekleidet. Bei der Europawahl trug der 80-Jährige jetzt an der Saar dazu bei, dass das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 7,9 Prozent der Stimmen deutlich über dem Bundesergebnis der Partei von 6,2 Prozent lag. Die von Wagenknecht (54) Anfang des Jahres gegründete Partei fuhr im Saarland das beste Ergebnis in Westdeutschland ein.

Politikwissenschaftler: Lafontaine brachte Wähler zum BSW

Ein Teil des Erfolges an der Saar gehe auf das Konto von Lafontaine, sagt der Trierer Politikwissenschaftler Uwe Jun. Viele „heimatlose linke Wähler, die mit der Linken nicht mehr viel am Hut haben“, seien ihrem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden zum BSW gefolgt, sagte Jun. Lafontaine genieße „bei einzelnen Wählergruppen im Saarland durchaus Ansehen“. Und genau diese hätten jetzt beim BSW ihr Kreuz gemacht.

Linke im Saarland nicht mehr im Landtag

Lafontaine hatte von 2009 an 13 Jahre lang die Linksfraktion im Saar-Landtag geführt und dort für jeweils zweistimmige Stimmergebnisse gesorgt. Die Linke sei „immer deutlich stärker im Saarland als im restlichen Westen Deutschlands“ gewesen, sagte Jun. Im März 2022 kandidierte Lafontaine bei der Landtagswahl nicht mehr und brach mit der Linkspartei, aus der er dann fulminant austrat. Folge: Die Linke flog mit 2,6 Prozent aus dem Landtag.

Wagenknecht und Lafontaine wohnen bei Merzig

Aber natürlich gibt es für das BSW auch so etwas wie einen Heimvorteil: Wagenknecht und Lafontaine leben im kleinen Ortsteil Silwingen, der zur Kreisstadt Merzig gehört. In Merzig war es im März auch, dass Wagenknecht – mit Lafontaine an ihrer Seite – den saarländischen Landesverband des BSW gründete. Es war nach Sachsen und Thüringen der dritte Landesverband, der bei der Anfang des Jahres neu gegründeten Partei an den Start ging. Im Mai kam der Landesverband in Brandenburg dazu.

Hier im Saarland war der BSW stark

Auch kommunal konnte das BSW im Saarland am Sonntag in einzelnen Kommunen, in denen es antrat, punkten: Bei der Kreistagswahl holte die Partei im Kreis Neunkirchen 9,2 Prozent. Im Kreis Saarlouis waren es 11,6 Prozent. Im Gemeinderat Dillingen erzielte das BSW 12,2 Prozent, in Ottweiler 9,7 Prozent der Stimmen.

Lafontaine will weiter kein aktives Amt

„Natürlich freuen wir uns sehr über das gute Ergebnis im Saarland“, sagte Lafontaine der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Jetzt gelte es, den Blick nach vorn zu richten: Strukturen aufzubauen – für die Landtagswahl 2027. „Wir haben drei Jahre Zeit, die Wahl vorzubereiten. Wir sind ja zurzeit noch am Anfang.“ Ein aktives Amt werde er in der Partei weiterhin nicht übernehmen. Erstaunlich sei, dass dort, wo das BSW kommunal angetreten sei, das Europawahlergebnis noch getoppt worden sei. „Das zeigt, dass wenn wir personell antreten, dass es dann ein noch besseres Ergebnis gibt“, sagte er.

Wie erklärt sich das BSW das gute Abschneiden?

Der saarländische BSW-Co-Landesvorsitzende Randolf Jobst sieht mehrere Gründe für das gute Abschneiden der Partei. „Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine leben im Saarland, und Sahra Wagenknecht ist als Galionsfigur natürlich ein Faktor im Saarland, der uns hilft“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings habe auch „die Unfähigkeit anderer Parteien, Lösungen zu finden und Zukunft zu gestalten“, dem Bündnis Stimmen gebracht, meinte Jobst. „Zudem haben wir ein Konzept, das bei Menschen offenbar verfängt.“

BSW-Vize über AfD im Saarland

Nach der Wahl müsse das BSW nun in den Kommunen beweisen, dass es das Vertrauen verdiene, sagte der 60-Jährige. „Das ist Herausforderung und Ansporn.“ Der Zuspruch im Saarland sei groß. „Aber wir wollen langsam wachsen.“ Schmerzhaft seien die Ergebnisse der AfD auch im Saarland, sagte Jobst. „Mit der AfD muss man sich politisch auseinandersetzen, man muss zur Kenntnis nehmen, dass die AfD gewählt wird, und wir müssen politisch die besseren Antworten geben.“

30 bis 40 BSW-Mitglieder im Saarland

Das BSW im Saarland habe derzeit zwischen 30 und 40 Mitglieder, sagte Jobst. Rund 160 weitere Mitgliedsanträge lägen auf dem Tisch, die Zahl der Unterstützer insgesamt belaufe sich auf 320. „Es ist wichtig, dass man die Leute kennenlernt, die später die Partei vertreten“, sagte er mit Blick auf die Mitgliedsaufnahme, die nach und nach erfolgen soll.

Lafontaine als Zugpferd

Lafontaine hat sich in mehr als 50 Jahren aktiver Politik immer wieder als Zugpferd erwiesen. Bei der Saar-Landtagswahl 1985 erreichte er aus der Opposition heraus eine absolute Mehrheit und wurde damit zum ersten SPD-Ministerpräsidenten des Landes. Auch bei den Wahlen im 1990 und 1994 behielt er die absolute Mehrheit im Landtag. 1998 trat er zurück, um Bundesfinanzminister zu werden. Sein Nachfolger Reinhard Klimmt blieb nur gut ein Jahr im Amt, die SPD verlor bei der Landtagswahl 1999 die absolute Mehrheit.

Lafontaine will sich für die „kleinen Leute“ einsetzen

Lafontaine war SPD-Kanzlerkandidat, SPD-Bundesvorsitzender, dann Mitgründer der Linkspartei und deren Partei- und Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Immer wieder betonte er in den vergangenen Jahre, dass eine Partei fehle, die sich angemessen um die Interessen „der kleinen Leute“ kümmere, also um Rentner und Arbeitnehmer mit geringem Einkommen. Dies tue weder die SPD, aus der er 2005 austrat, noch die Linkspartei, die er mitgründete. Im BSW hat Lafontaine nun seine neue politische Heimat gefunden.

Verwendete Quellen:
– Deutsche Presse-Agentur