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Diese Gesichter prägten die Wintersport-Saison

Sorgte mit seinem Sieg in Kitzbühel für eine große Überraschung: Abfahrer Thomas Dreßen. Foto: Giovanni Auletta

Sorgte mit seinem Sieg in Kitzbühel für eine große Überraschung: Abfahrer Thomas Dreßen. Foto: Giovanni Auletta

Berlin (dpa) - 31 Olympia-Medaillen sprechen eine klare Sprache. Die zu Ende gehende Wintersport-Saison war für deutsche Athleten insgesamt eine erfolgreiche.

Vor allem der Überraschungserfolg beim olympischen Eishockey-Turnier, die dominanten Auftritte der Nordischen Kombinierer, aber auch die bittere Niederlage für Rodler Felix Loch in Pyeongchang bleiben in Erinnerung. Eine Übersicht über die prägenden Gesichter und Momente der vergangenen sechs Monate:

DIE ZUVERLÄSSIGE: Nervosität und Versagensängste? Für Laura Dahlmeier sind das Fremdwörter. Immer wenn es darauf ankommt, ist die Biathlon-Königin da. In Pyeongchang holte sich die siebenmalige Weltmeisterin zweimal Olympia-Gold und einmal Bronze. Mit gerade 24 Jahren hat die Bayerin nun alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. «Für mich waren es wahnsinnig erfolgreiche Olympische Spiele», sagte Dahlmeier, die schon vor dem Weltcup-Finale am kommenden Wochenende im russischen Tjumen bilanzierte: «Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, das hat mich als Sportlerin weitergebracht, und ich habe mich als Mensch weiterentwickelt.»

DER ÜBERRASCHUNGSSIEGER: In diesem Moment schlossen ihn auch die geschlagenen Gastgeber in ihr Herz: Als Thomas Dreßen bei der legendären Abfahrt von Kitzbühel zum Sieg raste und im Ziel völlig losgelöst juchzte, freuten sich selbst Österreicher für den deutschen Ski-Youngster. Der 24-Jährige erlebte eine Traum-Saison mit zwei Siegen auf der Streif und in Kvitfjell sowie zwei dritten Plätzen. Nach Jahren in der Bedeutungslosigkeit sind die deutschen Speedfahrer dank Dreßen zurück in der Weltspitze. Mit seinem bayerischen Dialekt und der lockeren Art sammelt Dreßen auch neben der Piste Sympathiepunkte - und gilt damit für viele als Nachfolger des langjährigen Ski-Alleinunterhalters Felix Neureuther.

DER TRAGISCHE HELD: Einmal die Ski-Enden überkreuzt, schon lag Richard Freitag im nebligen Innsbruck mit der Nase voraus im Schnee - und alle Hoffnungen auf den ersten deutschen Vierschanzentournee-Sieg seit 16 Jahren waren dahin. Der Sturz am Bergisel sorgte für den Bruch in der Saison des 26 Jahre alten Sachsen, der im vergangenen Sommer nach Oberstdorf gezogen war. Bis zur Tournee-Halbzeit sammelte Freitag Podestplätze ein und führte den Gesamtweltcup mit klarem Vorsprung an. Danach gelang ihm zwar noch Bronze bei der Skiflug-WM und Team-Silber bei Olympia - Überlegenheit und Leichtigkeit aber waren verflogen. Auch die Gesamtführung im Weltcup war gegen den Polen Kamil Stoch nicht mehr zu halten.

DIE UNERMÜDLICHE: Trotz der sie selbst nicht zufriedenstellenden Platzierungen bei ihren siebten Winterspielen denkt Claudia Pechstein auch mit 46 Jahren nicht aus Aufhören. Obwohl Deutschlands erfolgreichster Winterolympionikin in einigen Medien nach Pyeongchang der Rücktritt nahe gelegt wurde, peilt die Berlinerin nun sogar Peking 2022 an. Zuzutrauen ist es ihr, denn die nationale Konkurrenz ist erschreckend schwach. Auch im hohen Alter war Pechstein im Olympia-Winter die erfolgreichste Deutsche auf dem Eis: Sie gewann zwei Weltcuprennen, brachte das Trio in der Teamverfolgung dreimal auf das Podest und egalisierte zum Ausklang der Saison den nationalen Meister-Rekord von Gunda Niemann-Stirnemann mit 34 Titeln.

DER TRAURIGE: Sekundenlang blieb Felix Loch nach seinem verpassten Gold-Hattrick zusammengesunken wie ein Häufchen Elend auf seinem Schlitten sitzen. Papa und Cheftrainer Norbert Loch tröstete seinen Sohn. Durch einen schweren Fahrfehler in der kniffligen Kurve neun vergab der zweimalige Olympiasieger seinen schon sicher geglaubten Sieg im Olympic Sliding Centre. «Da muss man ihm einfach nur zur Seite stehen, so etwas kann mal passieren. Er hat sein Gold einfach nur weggeschenkt», sagte Papa Loch. Wenige Tage nach seinem Olympia-Missgeschick genoss er die familiäre Wärme mit seinem Sohn und der erneut schwangeren Ehefrau Lisa. Nach Tagen der Ruhe testete der Berchtesgadener dann schon wieder Material im Eiskanal von La Plagne und postete entschlossen: «NACH Olympia ist VOR Olympia.»

DER FOKUSSIERTE: Eric Frenzel weiß, was er will. Und in diesem Winter war das nicht der Gesamtweltcup. Für den 29-Jährigen zählte nur Olympia. Dem ordnete er alles unter, arbeitete akribisch auf das Ziel zweiter Olympiasieg hin. Dabei ließ er sich von Misserfolgen im Vorfeld nicht beirren - und wurde in Pyeongchang belohnt: Zwei Olympiasiege und einmal Bronze machten den Nordischen Kombinierer zu einem der erfolgreichsten deutschen Starter. Den Kollegen im «Team D» war wohl vorher bewusst, dass Frenzel Großes leisten wird: Sie wählten den Sachsen mehrheitlich zum deutschen Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier in Südkorea.

DAS BEGEISTERNDE TEAM: Am Ende fehlten nur 55,5 Sekunden: Nach einem dramatischen Spiel musste sich die Eishockey-Nationalmannschaft in der Verlängerung des Olympia-Finales gegen die Olympischen Athleten aus Russland geschlagen geben. Doch dass sie überhaupt ins Finale einziehen würden, hätte vor dem Turnier wohl niemand erwartet. «Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen», sagte Bundestrainer Marco Sturm nach dem bislang größten Erfolg des deutschen Eishockeys. Dank unglaublicher Leidenschaft stand das deutsche Team kurz davor, sich erstmals zum Olympiasieger zu krönen. Für die anstehende WM im Mai in Dänemark bremste Bundestrainer Sturm die Erwartungen aber gleich wieder: Eine Medaille sei unrealistisch.

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