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Löws WM-Klebewand: Echte Härtefälle in Südtirol

26 riesige Schattenbilder zieren die Glasfassade des Fußballmuseums in Dortmund. Foto: Ina Fassbender

26 riesige Schattenbilder zieren die Glasfassade des Fußballmuseums in Dortmund. Foto: Ina Fassbender

Dortmund (dpa) - Noch zieren 26 riesige Schattenbilder die Glasfassade des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund. Wenn Joachim Löw dort morgen ab 12.30 Uhr seinen vorläufigen Kader für das Unternehmen WM-Titelverteidigung verkündet, werden diese mit großen Fotos der nominierten Spieler überklebt.

Zwei Jahre lang hat der Bundestrainer über 40 Kandidaten getestet und beobachtet. Jetzt muss er das Geheimnis um seine Russland-Fahrer lüften, auch wenn danach noch einige Unwägbarkeiten bleiben. «Ich fand das schon früher als Fan interessant», sagte Mats Hummels zum aufregenden WM-Kaderpuzzle. Das Konterfei des Weltmeisters ist fix für eins der Schattenbilder.

«Wir müssen positionsbezogen entscheiden und die Positionen doppelt besetzen. Und auch mein Bauchgefühl, meine Intuition spielt bei der Nominierung eine wichtige Rolle», hatte der 58-jährige Löw zu seiner mit Spannung erwarteten Auswahl erklärt.

Löw muss einige Fragen auflösen: Sieht er für den seit September spielunfähigen Kapitän Manuel Neuer noch eine Chance bis zum ersten WM-Gruppenspiel am 17. Juni gegen Mexiko? Gibt es für den zuletzt nicht berücksichtigten WM-Finaltorschützen Mario Götze doch einen Platz? Rückt entgegen aller Vermutungen ein Überraschungsmann wie David Odonkor, der bei der Heim-WM 2006 dabei war, in den Kader?

Der DFB jedoch musste am Tag vor der Nominierung erst einmal auf die Aufregung um Mesut Özil und Ilkay Gündogan reagieren, die sich am Sonntag in London mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografieren ließen und ihm Trikots ihrer Clubs FC Arsenal und Manchester City überreichten. «Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund. Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden», twitterte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Montag. Die Profis hätten sich für ein Wahlkampfmanöver «missbrauchen lassen», schrieb Grindel.

Teammanager Oliver Bierhoff kündigte eine Aussprache mit den Spielern an, die fixe Kandidaten der DFB-Elf für die WM in Russland sind. «Die beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst, aber natürlich heißen wir die Aktion nicht gut und besprechen das mit den Spielern», sagte Bierhoff am Montag, betonte jedoch auch: «Ich habe nach wie vor überhaupt keine Zweifel an Mesuts und Ilkays klarem Bekenntnis, für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen und sich mit unseren Werten zu identifizieren.»

Zu den sportlichen Kriterien seines Kaders hält sich Bundestrainer Löw bedeckt. Aber es gilt sein Grundsatz: «Wir brauchen im Sommer eine Topleistung, 23 Spieler, die diese Leistung abrufen können und teamfähig sein müssen.» Löw wird im Fußballmuseum zunächst mehr als 23 Spieler benennen, die am 23. Mai ins Trainingslager nach Eppan reisen, um dort bis zum 7. Juni an ihrer WM-Form zu arbeiten.

Echte Härtefälle könnte es dann in Südtirol am 4. Juni geben, wenn der DFB-Chefcoach zwei Tage nach dem Testländerspiel in Klagenfurt gegen Österreich seinen Kader auf die Turnierstärke von 20 Feldspielern und drei Torhütern reduzieren muss. «Auf einigen Positionen haben wir extrem große Auswahl, auf anderen allerdings nicht. Wir brauchen daher auch Spieler, die flexibel und variabel einsetzbar sind», hat Löw bereits angekündigt.

Der Weltmeistercoach wird auf eine Mischung setzen, die ein gesundes Erfolgs- und Konkurrenzklima verspricht: Auf der einen Seite hat er junge, hungrige Spieler wie Joshua Kimmich, Antonio Rüdiger oder Timo Werner, die erstmals einen großen Titel gewinnen wollen. Beim Confed Cup konnten sie wichtige Erfahrungen sammeln, «von denen sie jetzt profitieren werden», wie Löw hofft. Gleich 15 Profis, die im Vorjahr die WM-Generalprobe gewannen, könnten in Russland wieder dabei sein. Dazu werden noch bis zu zehn Weltmeister ihre Erfahrung einbringen.

«Die Entscheidungen für so einen Kader sind immer schwer, weil man manchmal nicht genau weiß, in welcher Form die Spieler in sechs Wochen sein werden, wie sie sich entwickeln. Aber man muss dann nüchtern und sachlich analysieren», sagte Oliver Bierhoff.

Der Teammanager sieht die Mannschaft personell besser aufgestellt als vor der EURO 2016, als im Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich Endstation war. «Aber die 2014er-Weltmeister-Mannschaft hat gezeigt, dass am Ende dieser Spirit, dieser Geist ganz entscheidend ist.»

So lauert auch ein Außenseiter wie Leverkusens Julian Brandt auf seine Chance: «Ich bin der Letzte, der sagt, ich muss da unbedingt hin. Aber ich habe ein reines Gewissen, habe alles gegeben. Ich akzeptiere, wenn es nicht klappt. Wenn doch, ist es umso schöner.»

Die Verfassung von Neuer nach dem dritten Mittelfußbruch und einem langen Trainingsaufbau sowie von Jérôme Boateng, der eine schwere Muskelverletzung auskuriert, werden Löws Entscheidungen maßgeblich mit beeinflussen. Größere oder kleinere Wehwehchen haben auch die Stammkräfte Mesut Özil (Rückenprobleme), Hummels (Fußblessur) und Juventus-Profi Sami Khedira, der am Sonntag in Italien beim 0:0 von Meister Turin gegen AS Rom pausierte. Eine Vorsichtsmaßnahme, übermittelte Khedira, «es ist nichts zu befürchten». Hummels sieht die Probleme noch nicht dramatisch: «Es ist noch lange hin, bis die WM beginnt. Ich bin selber 2016 mit einem Muskelfaserriss aus dem Pokalfinale angereist und konnte erst im zweiten EM-Spiel stehen.»

Anders sieht es bei Emre Can aus, der wegen einer Rückenverletzung beim FC Liverpool seit Wochen nicht spielfähig ist. Der Gladbacher Lars Stindl und der Hoffenheimer Serge Gnabry mussten ihre WM-Hoffnungen wegen Verletzungen bereits begraben. Weltmeister Shkodran Mustafi wurde von Löw schon längere Zeit nicht mehr eingeladen. Dafür könnte sich für den Dortmunder Marco Reus nach der verpassten WM 2014 und EM 2016 endlich der Turniertraum erfüllen.

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