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Regel-Irrtum kostet Hamilton den Siegrekord - Bottas vorn

Lewis Hamilton wischte sich auf dem Podium den Schweiß von der Stirn. Foto: Bryn Lennon/Pool Getty/dpa

Lewis Hamilton wischte sich auf dem Podium den Schweiß von der Stirn. Foto: Bryn Lennon/Pool Getty/dpa

Sotschi (dpa) - Übel gelaunt ließ Lewis Hamilton nach dem verpassten Siegrekord den Champagner aus der Riesenflasche tröpfeln.

Wegen verbotener Probestarts und knallharter Zeitstrafen hatte sich der Weltmeister in Sotschi schimpfend mit Platz drei begnügen müssen, nichts war es vorerst mit dem 91. Grand-Prix-Sieg und der Einstellung von Michael Schumachers Bestmarke. «Es war nicht der tollste Tag für mich», knurrte der Mercedes-Pilot, ehe er sichtlich genervt die Podiums-Zeremonie über sich ergehen ließ. Den größten Pokal bekam diesmal sein finnischer Teamkollege Valtteri Bottas, Zweiter wurde der Niederländer Max Verstappen im Red Bull.

Die Geschichte des Tages aber lieferte wieder einmal Hamilton mit seinem peinlichen Regel-Irrtum. Teamchef Toto Wolff bezeichnete das rennentscheidende Urteil der Kommissare als «weit hergeholt», schloss aber einen nachträglichen Protest aus. «Sie wollen mich stoppen, oder etwa nicht?», ätzte Hamilton in Richtung der Rennrichter.

Diese ließen am Abend dann aber nachträglich doch noch etwas Milde walten und strichen die zwei Strafpunkte wieder aus der Sünderkartei des Weltverbands, die sie ursprünglich zusätzlich verhängt hatten. Damit wäre Hamiltons Strafpunkte-Konto auf zehn angewachsen, bei zwölf folgt eine automatische Sperre. «Ich habe niemanden gefährdet, das ist eine lächerliche Regel», hatte Hamilton gewettert.

Die nächste Chance auf den Schumacher-Rekord bietet sich ihm in zwei Wochen am Nürburgring. In der WM-Gesamtwertung liegt der Silberpfeil-Star trotz des Patzers am Schwarzen Meer weiter komfortabel vorn. «Es ist jetzt nicht mehr wichtig, ich nehme die Punkte, die ich bekommen habe», sagte Hamilton.

44 Zähler beträgt sein Vorsprung auf Bottas, der beim siebten Gastspiel der Formel 1 auf dem Olympia-Gelände von 2014 den siebten Mercedes-Erfolg einfuhr und sich auch die schnellste Rennrunde schnappte. «Ich muss jetzt versuchen, das Momentum zu bewahren. Ich werde weiter pushen und nicht aufgeben», sagte der 31-Jährige.

Für Sebastian Vettel war sein 250. Grand-Prix-Start einmal mehr ein Rennen zum Vergessen. Nach seinem heftigen Unfall am Vortag in der Qualifikation war der 33-Jährige nur von Rang 14 gestartet und kam in seinem unterlegenen Ferrari als überrundeter 13. an. «Ich hatte keine gute erste Runde, war dann festgesteckt im Verkehr und habe mir die Reifen kaputt gefahren», sagte Vettel bei Sky. Zwischendurch habe er sich gar wie ein «Bremsklotz» gefühlt.

Auch der Finne Kimi Räikkönen, der mit seinem 322. Rennen den Rekord von Rubens Barrichello einstellte, verpasste als 14. die Punkteränge.

Im Mittelpunkt aber stand ohnehin Hamilton, der schon vor Rennbeginn für Aufregung sorgte. Mit zwei Probestarts an einer nicht dafür vorgesehenen Stelle rief er die Rennkommissare auf den Plan. Dennoch durfte der WM-Führende noch zum 96. Mal in seiner Karriere von der Pole Position losfahren.

Wie von ihm befürchtet, nutzte Teamkollege Bottas hinter ihm zunächst den Vorteil des Windschattens auf der langen Fahrt zur ersten Kurve. Der Finne zog an Verstappen vorbei und setzte sich auch neben Hamilton. Doch der Titelverteidiger konterte und war wieder vorn.

Dahinter krachte es. Der spanische McLaren-Pilot Carlos Sainz jr. kürzte eine Schikane ab, rumpelte dabei gegen die Barriere und schoss quer über die Strecke. Vettel konnte gerade noch ausweichen. Sein Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc kollidierte mit Lance Stroll, der Kanadier im Racing Point rauschte in die Begrenzung. Prompt rückte das Safety-Car aus.

Nach sieben Runden wurde das Rennen wieder freigegeben. Hamilton entschied den Neustart clever für sich. Doch dann der Schock: Wegen seiner verbotenen Probestarts verdonnerten die Rennrichter den Mercedes-Star zu zwei Fünf-Sekunden-Strafen. «Was ist passiert? Wo steht das im Regelbuch?», fragte Hamilton irritiert, als ihm am Boxenfunk das Urteil übermittelt wurde.

Nach 17 Runden bog der sechsmalige Champion in die Boxengasse ab und verbüßte beim Reifenwechsel die Zeitstrafe. «Das ist lächerlich, Mann», klagte Hamilton über die Zwangspause. Als Elfter kam er zurück auf die Strecke, der Sieg war damit außer Reichweite. Bottas kontrollierte bis zum Schluss ganz kühl das Geschehen an der Spitze und hielt Verstappen auf Distanz.

Weit dahinter quälte sich dagegen Vettel einmal mehr. Auch das kleine Update bei der Aerodynamik an seinem Ferrari half offenbar nicht für das von ihm erhoffte bessere Fahrgefühl. Vettel wurde sogar noch überrundet. So dürfte beim Hessen kaum Vorfreude auf das Heimspiel in der Eifel in zwei Wochen aufkommen.

© dpa-infocom, dpa:200927-99-729225/8

Renn-Vorschau des Weltverbands

Video zur Sotschi-Historie

Infos zur Rennstrecke

Infos des Weltverbands

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