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Teamkollegen von Hamilton und Vettel: «Butler» oder Rivalen?

Lewis Hamilton und Valtteri Bottas bilden das Mercedes-Team. Foto: Antonio Calanni/AP

Lewis Hamilton und Valtteri Bottas bilden das Mercedes-Team. Foto: Antonio Calanni/AP

Singapur (dpa) - Sebastian Vettels Vorgesetzter sah sich zu einer Richtigstellung genötigt.

Die Bemerkung des Ferrari-Teamchefs Maurizio Arrivabene nach der Niederlage der Scuderia beim Formel-1-Heimspiel in Monza, er beschäftige «Fahrer und keine Butler», hatte für Aufregung gesorgt. Viele hatten in dem Spruch eine Abwertung von Mercedes-Pilot Valtteri Bottas und dessen Helfer-Rolle im Titelkampf seines Teamkollegen Lewis Hamilton mit Ferrari-Star Vettel gesehen.

«Als ich es in der Hitze des Gefechts gesagt habe, wusste ich, dass es Kontroversen geben würde», sagte Arrivabene vor dem Nacht-Grand Prix in Singapur dem italienischen Fachmagazin «Autosprint». «Seitdem habe ich Nachrichten mit Valtteri Bottas ausgetauscht. Ich wollte mich bei ihm entschuldigen, und dass er versteht, was ich meinte.» Es sei ihm herausgerutscht, aber es sei kein Etikett, «das ich für Bottas verwenden möchte», meinte der 61-Jährige.

Ferrari und damit auch Arrivabene waren nach der Monza-Pleite in die Kritik geraten, weil sie ihren deutschen Star Vettel nicht taktisch bevorzugen. Erst hatte die Scuderia beim Heimspiel Kimi Räikkönen statt des Hessen auf die Pole Position fahren lassen. Im Rennen dann hatte der Finne nach dem Start dagegen gehalten, als sein Teamkollege zum Überholen ansetzte. Die Folge: Vettel kollidierte mit seinem WM-Konkurrenten Hamilton und konnte als Vierter nur noch hilflos zusehen, wie der Brite zum Sieg fuhr.

«Ich habe sie nur angewiesen, keine Dummheiten zu machen», sagte Arrivabene über seine beiden Piloten und verteidigte Räikkönen: «Was er getan hat, ist genau das, was Lewis Hamilton oder Sebastian Vettel getan hätten.» Räikkönen versteht ohnehin nicht die Diskussion um Hilfe oder Nicht-Hilfe für den Teamkollegen. «Ich kann nur ein Auto fahren», sagte er am Donnerstag in Singapur.

Ferraris Weigerung, bislang eine klare Hierarchie festzulegen, mag fair erscheinen, bedroht aber die Titelaussichten von Vettel. Der 31-Jährige sitzt im derzeit stärksten Auto und liegt dennoch vor dem 15. von 21 Rennen am Sonntag (14.10 Uhr MESZ/20.10 Uhr Ortszeit) schon 30 Punkte hinter Hamilton.

Der Brite sieht in Ferraris Herangehensweise nichts Besonderes. «Sie fahren gegeneinander, das hat nichts mit mir zu tun. Ich sehe nicht, dass es mein Leben einfacher macht», sagte Hamilton.

Er profitiert vor allem davon, weil Mercedes aus der Vergangenheit gelernt hat. Das Silberpfeil-Team setzt ganz auf Hamilton. Aufreibende Privatfehden wie noch zu Zeiten mit Nico Rosberg muss der viermalige Champion und Titelverteidiger nicht mehr fürchten. Der 33-Jährige kann sich der Loyalität seines Teamkollegen sicher sein. Bottas ordnet sich unter und ist dafür mit einer Vertragsverlängerung belohnt worden.

Von internem Zwist zwischen den Fahrern ist bei Ferrari auch nichts zu hören. Vettel und Räikkönen pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Vettel setzte sich stets für einen Verbleib des letzten Ferrari-Weltmeisters (2007) ein, forderte öffentlich auch keinen Nummer-1-Status.

Doch die Situation hat sich geändert, nachdem nun der Abschied des 38-Jährigen von der Scuderia zum Saisonende feststeht. Er tauscht mit dem 18 Jahre jüngeren Charles Leclerc vom Schweizer Sauber-Team die Cockpits. Wird sich der Routinier nun in die Rolle des «Butlers» von Vettel fügen?

Räikkönen wartet seit März 2013 auf einen Grand-Prix-Erfolg. Und nur noch sieben Rennen sitzt er in einem siegfähigen Auto. Andererseits hat ihm der Rennstall den Verbleib in der Formel 1 bis mindestens 2020 beim Ferrari-Motorkunden Sauber gesichert.

Ferrari hat seit dem Grand Prix von Österreich 2002 und dem Funkspruch an Michael Schumachers Teamkollegen Rubens Barichello («Let Michael pass for the championship!») quasi das Copyright auf Stallorder. Vettel rechnet dennoch nicht mit großer Hilfe. Nach dem Monza-Rennen hatte er festgestellt: «Ich glaube, ich habe noch nie etwas geschenkt bekommen in der Vergangenheit und auch heute nicht.»

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