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Vettels Frustbewältigung: «Mercedes vom Thron stoßen»

Sebastian Vettel kann sich noch Hoffnung auf den Konstrukteurstitel machen. Foto: Sergei Grits

Sebastian Vettel kann sich noch Hoffnung auf den Konstrukteurstitel machen. Foto: Sergei Grits

São Paulo (dpa) - In der Hektik der Megacity São Paulo klammert sich Sebastian Vettel an den Formel-1-Trostpreis.

Nach der erneuten Krönung von Lewis Hamilton zum Fahrerweltmeister kann der Ferrari-Star aber allenfalls nur noch die vage Hoffnung haben, Mercedes doch noch den fünften Konstrukteurstitel nacheinander zu verderben. «Wir werden versuchen, Mercedes vom Thron zu stoßen, um ihnen einen Vorgeschmack auf das nächste Jahr zu geben», verkündete Vettel vor dem vorletzten Saisonrennen am Sonntag (18.10 Uhr) trotzig.

Realistisch ist dieses Ziel nicht. Vor dem Grand Prix in Interlagos, diesem im Südwesten der Megastadt São Paulo gelegenen Traditionskurs, hat Ferrari bei noch 86 zu vergebenden Punkten schon 55 Zähler Rückstand auf Mercedes. Nur noch ein kaum wahrscheinlicher Einbruch der Silberpfeile könnte dem Rennstall mit dem sich aufbäumenden Pferdchen im Logo die erste Team-WM seit 2008 noch einbringen.

«Ich will diesen Konstrukteurstitel unbedingt für das Team gewinnen», versicherte Hamilton, der mit Rang drei und vier in den USA und Mexiko zu kämpfen hatte. «Unser Ziel für diese Saison war es, beide Weltmeisterschaften zu gewinnen, nicht nur den einen oder den anderen Titel. Deshalb haben wir in São Paulo noch eine unvollendete Aufgabe vor uns», betonte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Für die Silberpfeile zählt nur Konstrukteurstitel Nummer fünf. Dann würde ihnen nur noch ein weiterer fehlen, um mit der Ferrari-Generation von Michael Schumacher (1999 bis 2004) gleichzuziehen.

Ach ja, Schumacher. Die Ferrari-Fans werden nostalgisch, wenn sie an die Ära der Scuderia mit dem Kerpener denken. Vettel hat seinen Dienst bei den stolzen Italienern zur Saison 2015 angetreten, um sie wieder zum Weltmeister zu machen. Genauso wie damals Schumacher. Doch wie der Rekordweltmeister könnte Vettel frühestens in seinem fünften Ferrari-Jahr triumphieren. 2019 also, wenn überhaupt.

«In uns steckt ein riesiges Potenzial, das noch ausgeschöpft werden muss», versicherte der viermalige Champion Vettel nach seinem zweiten Platz in Mexiko, womit er dennoch nicht Hamiltons Aufstieg in die Weltmeisterliga eines Juan Manuel Fangio verhindern konnte.

Interlagos ist Vettels erste Station der Frustbewältigung. Auf dem zwischen den beiden Stauseen Guarapiranga und Billings gelegenen Autódromo José Carlos Pace konnte er dreimal gewinnen: 2010, 2013 und 2017, als er einen großen Schritt zur Vize-Weltmeisterschaft machte. Diesen Titel hat der Heppenheimer nun schon sicher.

Tröstlich ist das auch für Maurizio Arrivabene nicht. Patzer von Vettel selbst und Fehler der Scuderia-Crew haben den Druck auf den Ferrari-Teamchef anschwellen lassen. Sein Verhältnis zu Technikdirektor Mattia Binotto gilt als angespannt, weil dem Ingenieur Ambitionen auf Arrivabenes Posten nachgesagt werden. Aber deshalb Streit? Oder ein möglicher Abschied Binottos?

«Ich will es ein für allemal klarstellen», meinte Arrivabene vor Journalisten. «Die Gerüchte um Mattia sind Falschnachrichten, um das Team zu destabilisieren. Es ist ein Versuch, Probleme zu erzeugen, wo es gar keine Probleme gibt.» Wenn dem so wäre, dann wären das ja mal erfreuliche Nachrichten für Arrivabene und Ferrari.

Ein Problem hat Interlagos definitiv - die Kriminalität. Nicht erst seit dem vergangenen Jahr. Da war es am Rande des Brasilien-Rennens unter anderem zu einem bewaffneten Raubüberfall auf einen Mercedes-
Teambus gekommen. Die Veranstalter verstärkten damals die Präsenz von Sicherheitskräften. In diesem Jahr sollen sich solche Szenen nicht wiederholen.

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