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Bester PR-Mann des HSV: Trainer Titz gefragt wie nie

HSV-Trainer Christian Titz glaubt an den Klassenerhalt. Foto: Sebastian Gollnow

HSV-Trainer Christian Titz glaubt an den Klassenerhalt. Foto: Sebastian Gollnow

Hamburg (dpa) - So gefragt war Christian Titz noch nie in seinem Trainer-Leben. Ein Auftritt im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF, Interviews in den Fach-Gazetten «Sport Bild» oder «Kicker», Porträts in zahlreichen Zeitungen - fast täglich muss der 47-Jährige Rede und Antwort stehen.

Jeder will wissen, wie es der noch vor knapp zwei Monaten nur in Fachkreisen bekannte Titz geschafft hat, den schon längst totgesagten und so gut wie abgestiegenen Fußball-Bundesligisten Hamburger SV wiederzubeleben.

Titz scheint die Aufmerksamkeit nichts auszumachen. Er nimmt sich die Zeit. So spricht er auch jeden Sonntagvormittag nach einem Punktspiel noch lange nach dem Training mit Journalisten. Doch als One-Man-Show versteht er die Arbeit beim HSV nicht. Er habe das «nicht allein gemacht, sondern der ganze Stab hat mich dabei enorm gut unterstützt», sagte er dem Fachmagazin «Kicker» zum unerwarteten Aufschwung der Hamburger. «Am Ende sind aber die Spieler entscheidend, denn sie sind die Hauptprotagonisten.»

Dennoch: Ohne ihn gäbe es keine Hoffnung mehr auf das Wunder Klassenverbleib. Als er im März vom U21- zum Cheftrainer beim HSV befördert worden war, war dies auch für ihn nicht ohne Risiko. Schließlich würde sein Name mit dem ersten Abstieg des Bundesliga-Gründungsmitglied auf ewig verbunden sein. Etwas, das sich im Lebenslauf für mögliche Bewerbungen bei anderen Proficlubs nicht sonderlich gut macht. Er habe eine Nacht darüber schlafen müssen, ehe er zugesagt hatte, wie Titz immer wieder erzählt. «Ich musste den Glauben und die Überzeugung haben», sagte Titz dem «Kicker».

Zwar sind die Hanseaten vor dem vorletzten Saisonspiel am Samstag bei Eintracht Frankfurt als Tabellenvorletzter noch immer in höchster Gefahr. Schließlich fehlen ihnen noch zwei Punkte zum Relegationsplatz. Doch nach sechs Spielen unter Titz hat sich in der Mannschaft, im Verein und unter den Fans etwas bewegt - unabhängig davon, ob das fast Unmögliche noch Realität wird oder nicht: Es herrscht wieder so etwas wie Euphorie im und um das Team.

«Nach den letzten gewonnenen Spielen spürt man schon, dass die Mannschaft an sich glaubt, dass der Mut, ein Risiko einzugehen, sehr, sehr groß ist», sagte Titz auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Frankfurt. Im Fernduell gegen den Abstieg will er aber keine Zwischenstände vom Spiel des VfL Wolfsburg hören. «Es gilt nur der Fokus auf meine eigene Mannschaft» sagte er auf der Pressekonferenz. «Es ist erst einmal wichtig, was machen wir auf dem Platz. Und da haben wir einen Gegner, der uns vor genug Aufgaben stellt.» Erst wenn die gelöst seien, werde man nach Spielende schauen, wie die Gegner gespielt haben.

Die Begeisterung rührt nicht nur daher, dass der HSV zuletzt zehn Punkte holte. Sondern daher, dass das Team dem Überlebenskampf plötzlich mit spielerischen Mitteln begegnet. «Wir spielen das erste Mal seit vier Jahren Fußball», sagte Mittelfeldspieler Lewis Holtby. Titz rüffelte seinen Spielmacher für die Aussage, weil er darin eine Abwertung der Arbeit seiner Vorgänger sah. Letztlich hat Holtby aber recht.

Titz hat mit tiefgreifenden Maßnahmen ein neues Fußball-Gefühl vermittelt. «Wir mussten etwas Grundlegendes ändern», sagte er der «Sport Bild». Er setzt verstärkt auf Kurzpassspiel statt auf lange Bälle nach vorn und nutzt dabei die Stärken von Spielern wie Holtby, Aaron Hunt, Luca Waldschmidt oder Tatsuya Ito.

Er holte Spieler aus der U21-Mannschaft, die dank ihrer Erfolgserlebnisse in der Regionalliga die Stimmung in der Kabine verbesserten. Titz und sein Trainerteam führten «Zielgespräche» mit den Spielern. Er habe mit jedem bestimmt, «wie wir ihre Position sehen, wie sie dort spielen sollen und was sie verbessern sollen». Das Ergebnis: «Wir spielen einen ganz anderen Fußball. Er hat eine Philosophie, hinter der er steht», beschreibt Hunt die Arbeit von Titz.

Titz lebt den Glauben an das Wunder vor. Er ist überzeugt von dem, was er tut, und wirkt in sich ruhend. «Ich glaube, dass es nichts bringen würde, wenn ich als Trainer eine Unruhe ausstrahlen würde», sagte Titz am Donnerstag. Er wisse, dass die Partie am Samstag sehr wichtig sei. «Es geht aber nicht um ein Leben.» Selbst wenn er nicht als der größte Retter in die HSV-Geschichte eingeht, derzeit ist der Familienvater zumindest der beste PR-Mann des Vereins.

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