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Sprüche, Spaß und Tänze: HSV-Wahnsinn geht weiter

Lewis Holtby (l) und Albin Ekdal feiern den 3:1-Sieg des Hamburger SV in Wolfsburg. Foto: Peter Steffen

Lewis Holtby (l) und Albin Ekdal feiern den 3:1-Sieg des Hamburger SV in Wolfsburg. Foto: Peter Steffen

Wolfsburg (dpa) - Ist der HSV etwa unabsteigbar? «Es sieht immer mehr danach aus», sagte der bestens gelaunte Stimmungsmacher Lewis Holtby.

Locker tanzte und wirbelte er nach dem 3:1-Sieg beim direkten Rivalen VfL Wolfsburg vor der Fankurve und kündigte angesichts von nur noch zwei Punkten Rückstand auf Relegationsrang 16 selbstbewusst an: «Wir sind noch lange nicht tot!»

Ausgerechnet der dauergeplagte Hamburger SV setzt im Abstiegskampf auf Spaß, Euphorie und die eigene Stärke. Nach der nächsten höchst turbulenten Spielzeit winkt dem scheinbar unverwüstlichen Bundesliga-Dino tatsächlich eine weitere Rettung in allerletzter Minute. Probleme? Sorgen? Haben derzeit nur die anderen. Die Hamburger sehen sich als gefährliche Jäger und haben sämtliche Rechenspiele ad acta gelegt.

Fakt ist, dass der HSV (28 Punkte) den Wolfsburgern (30) jetzt dicht auf den Fersen ist. Die anderen Abstiegskonkurrenten aus Mainz und Freiburg (je 33) nutzten jedoch ihre Heimspiele zu Siegen und liegen damit weiter fünf Zähler vor dem HSV. Dort aber herrscht Zuversicht.

«Das Viertelfinale haben wir überstanden, jetzt kommt das Halbfinale in Frankfurt», sagte Torschütze Holtby über den HSV im dauerhaften K.o.-Modus. Obwohl das Team von Trainer Christian Titz als Tabellen-17. nach wie vor nichts in der eigenen Hand hat, sprechen zwei Faktoren für den Traditionsclub: die Stimmung und die Form. «Es war ein fantastisches Gefühl», sagte Titz nach dem dritten Sieg in vier Spielen, der den erneuten Klassenverbleib weiter möglich macht.

Wurde der 47-Jährige bei seiner Einstellung im März noch als der Trainer gehandelt, mit dem auf ewig der erste HSV-Abstieg verbunden sei, ist Titz sieben Wochen später auf Wunder-Kurs. «Meiner Mannschaft muss ich ein Kompliment aussprechen, das war ein schweres Spiel, weil wir bei einer Niederlage weg gewesen wären», sagte er.

Die Szene ist auf den bis zu seiner Beförderung vom U21-Trainer zum Chefcoach der Profis weitgehend unbekannten Titz aufmerksam geworden. Das bringt auch Stress mit sich. Erst den Absturz erneut verhindert, abends ein kurzer Auftritt im ZDF-Sportstudio, am Sonntag noch einmal eine Medienrunde, Training und dann die Kommunion der eigenen Tochter. «Ich habe wenig geschlafen, weil ich spät nach Hause kam», meinte er.

Titz ist der entscheidende Faktor für den unerwarteten Aufschwung des HSV. Nicht nur die Ergebnisse und der erste Auswärtssieg seit August stimmen in Hamburg positiv, sondern auch das stark verbesserte Auftreten. «Wir spielen das erste Mal seit vier Jahren Fußball. Das sind zwar harte Töne, aber es ist die Wahrheit», lobte Holtby, der am Samstag in mehreren Rollen auffiel: Als Einpeitscher für die Fans, als Führungsspieler, Torschütze und als Lautsprecher vor den Journalisten.

«Wir spielen einen ganz anderen Fußball. Er hat eine Philosophie, hinter der er steht», sagte auch Aaron Hunt über Titz. Gerade die Routiniers blühen unter dem dritten HSV-Coach in dieser Spielzeit nach Markus Gisdol und Bernd Hollerbach wieder auf.

In der entscheidenden Phase der Saison herrscht beim HSV plötzlich Ruhe. Wie wichtig das ist, konnten Holtby und Co. am Samstag auf der anderen Seite der Wolfsburger Arena beobachten. Dort mussten die VfL-Profis den wütenden Anhängern, die sogar über die Blockabsperrung in den Innenraum geklettert waren, von Angesicht zu Angesicht erklären, was derzeit schief läuft. «Es ist so oder so eine Scheiß-Situation», sagte Maximilian Arnold. Geplatzter Wechsel von Horst Heldt am Donnerstag, Trennung von Sportchef Olaf Rebbe am Freitag, Pleite gegen Hamburg am Samstag: Die Chaostage von Wolfsburg gehen ohne Pause weiter.

Diesen Abschnitt hat der HSV inklusive mehrerer Trainerwechsel, dem Austausch der kompletten Führungsriege und elf Grabkreuzen als Fan-Drohung für pomadige Profis hinter sich. Was lange Zeit unwürdig, unprofessionell und dilettantisch aussah, scheint vergessen, auch bei den Fans. Das 3:1 dank Treffern von Holtby, Bobby Wood und Luca Waldschmidt könnte das Schlüsselspiel für die Hamburger auf dem Weg zum Happy End gewesen sein. «Die Mannschaft hat so ein Erlebnis benötigt», sagte Titz über sein Team, dem der zwischenzeitliche  Anschlusstreffer von Josip Brekalo nichts anhaben konnte.

Zwei Siege in Frankfurt und gegen Gladbach sollten für die Rettung reichen, zumindest für die Relegation. Auch ein zuletzt erfolgreiches Ritual führt der HSV dafür fort. «Papa hat gesagt, dass er uns einlädt, solange wir gewinnen, insofern bleiben die Griechen-Wochen bestehen», sagte Titz über Verteidiger Kyriakos Papadopoulos, der zuletzt schon dreimal eingeladen hatte. «Die Spieler dürfen gerne daran glauben, wenn es hilft.» Und der Trainer muss leiden. «Das Essen ist zwar gut, aber auch sehr fetthaltig. Ich denke dann, mein Bauch platzt.»

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