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Hoeneß über «Bonus»-Löw: Hart arbeiten, sonst «Arrivederci»

Uli Hoeneß (l) fordert Bundestrainer Joachim Löw auf bis zur EM 2020 zu «liefern» und schlägt Änderungen beim DFB-Team vor. Foto: Marc Müller

Uli Hoeneß (l) fordert Bundestrainer Joachim Löw auf bis zur EM 2020 zu «liefern» und schlägt Änderungen beim DFB-Team vor. Foto: Marc Müller

Berlin (dpa) - Die Rufe nach radikalen Veränderungen in der Fußball-Nationalmannschaft und beim DFB werden lauter. Joachim Löw will den Verbandschefs am Freitag in München die Konsequenzen aus dem noch immer schmerzenden WM-Debakel präsentieren.

Uli Hoeneß hat schon vorher weitreichende Maßnahmen gefordert. Das Vorrunden-Aus in Russland sei «ein Alarmzeichen» gewesen, erklärte der Präsident des deutschen Branchenführers FC Bayern und regte drastische und auch ungewöhnliche Schritte an.

Die Nationalmannschaft solle «vielleicht aus dem Deutschen Fußball-Bund herausgelöst» und mit einem «professionellen Management» ausgestattet werden, sagte Hoeneß im TV-Sender Sky. «Denn der Geldgeber für den DFB ist ja die Nationalmannschaft.» Die DFB-Führung um Präsident Grindel könne als Aufsichtsrat fungieren.

Löw habe angesichts eines laufenden Vertrages bis zur nächsten WM 2022 in Katar und wegen der vorangegangenen Erfolge als Bundestrainer eine Chance zum Neubeginn verdient, betonte Hoeneß: «Er hatte einen Bonus.» Aber auch der in Russland gestürzte Weltmeistercoach Löw müsse «sich hinterfragen, ob nicht das eine oder andere schiefgelaufen ist. Und es müssen klare Zeichen gesetzt werden in den nächsten zwölf Monaten, ob die Konsequenzen aus dem Debakel gezogen wurden», sagte Hoeneß.

«Ich finde es klug, dass man zuerst in Ruhe die Analyse macht», betonte der Weltmeister von 1974. Der 58 Jahre alte Löw müsse aber auch schnell wieder erfolgreiche Arbeit leisten. Der DFB könne «immer noch reagieren», ergänzte der Bayern-Boss: «In zwei Jahren ist eine Europameisterschaft, bis dahin muss er die Mannschaft wieder in Schwung gebracht haben.» Ansonsten geht der Bayern-Präsident davon aus, dass Löw dann selbst entsprechende Konsequenzen ziehen würde. «Er wird jetzt hart arbeiten und sonst sagen: Arrivederci!»

Verbandschef Reinhard Grindel gibt bereits vor dem Auftritt von Löw vor dem DFB-Präsidium die Prämissen vor. Weg mit dem künstlichen Brimborium rund um das Nationalteam, mehr Stolz auf das Auswahltrikot, eine klare Philosophie auf dem Rasen.

Grindel will vom angeschlagenen Löw weitreichende Konsequenzen sehen, die allerdings weniger personeller Art sein müssen. «Ich habe dem Bundestrainer signalisiert, dass es aus meiner Sicht tiefgreifender Veränderungen bedarf», sagte der Verbandspräsident in der «Bild am Sonntag» und schloss an, worauf es ihm ankommt: «Mehr Einsatz, mehr Bereitschaft, alles zu geben. Gepaart mit einer nachvollziehbaren Spielidee.» Der ehemalige DFB-Teamchef Rudi Völler stimmte zu: «Bei Kroatien hat man gespürt, dass alle von Beginn an wollten. Jeder kämpfte. Das fehlte bei der Nationalmannschaft.»

Zugleich müsse das DFB-Team wieder näher an die Fans heranrücken, forderte der DFB-Präsident: «Ich denke da an mehr öffentliche Trainingseinheiten, niedrigere Ticketpreise - bei den Anstoßzeiten sind wir leider durch unsere Verträge weniger flexibel.» Völler sagte dazu bei Sport1: «Das Abschirmen der Mannschaft, der Spieler, war übertrieben. Das war zu viel des Guten.» Auch der von vielen als künstlich empfundene Begriff «Die Mannschaft» soll auf den Prüfstand kommen, kündigte Grindel an. Hoeneß nannte es «einen Hammer», dass es im WM-Trainingslager in Südtirol kein öffentliches Training gab, bei dem Urlauber und Fans Manuel Neuer und Kollegen zuschauen konnten.

Fehler räumte Grindel im Umgang mit Mesut Özil ein. Einen eigenen Rücktritt schließt der DFB-Präsident aber aus. «Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen», sagte Grindel. «Solche Angriffe sind völlig inakzeptabel. Dass er sich da vom DFB im Stich gelassen fühlte, tut mir leid.»

Özil hatte sich vor der WM in Russland mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografieren lassen, was zu einer heftigen öffentlichen Debatte und zu Özils Rücktritt geführt hatte. Dabei erhob er Vorwürfe gegen den DFB, Grindel, deutsche Medien und einen DFB-Sponsor. Er verspüre das «Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit», schrieb Özil in den sozialen Netzwerken. Für Hoeneß ist das nicht nachvollziehbar. «Man hätte Mesut Özil zwingen müssen, eine Erklärung abzugeben», sagte der Bayern-Präsident. Das Thema sei «lange Zeit falsch eingeschätzt» worden vom DFB.

Seine eigene verbandspolitische Zukunft sieht Grindel nicht gefährdet. «Ich habe sehr großen Rückhalt bei den Landesverbänden und in der Bundesliga.» Der Ex-Politiker wird von zwei Terminen getrieben: dem 29. August, wenn Löw seine WM-Konsequenzen öffentlich präsentieren will, und dem 27. September, wenn das «Leuchtturmprojekt» EM 2024 vergeben wird. Deutschlands einziger Konkurrent ist ausgerechnet die Türkei.

Wie die Rolle von DFB-Direktor und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff künftig aussehen wird, müsse noch definiert werden, bemerkte Grindel. Entlastung soll es geben durch einen Leiter der neuen DFB-Akademie in Frankfurt und einen Nachfolger von Horst Hrubesch als Sportdirektor, der «zeitnah» vorgestellt werden soll. «Ansonsten muss er in den nächsten Monaten selbst überprüfen, ob er das alles leisten kann, das haben wir so auch verabredet», sagte Grindel zu Bierhoff.

«Viel wichtiger als der Sportdirektor ist, dass die Clubs Spieler gut ausbilden. Die Vereine sind die Basis, da muss richtig gearbeitet werden», unterstrich Völler. «Die Nationalmannschaft muss wieder das Aushängeschild werden im sportlichen Bereich», forderte Hoeneß. «Das bedeutet: hart arbeiten, arbeiten, arbeiten.»

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