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Lienen sorgt mit Aussagen für Aufsehen

Ewald Lienen geht mit dem DFB-Team hart ins Gericht. Foto: Sina Schuldt

Ewald Lienen geht mit dem DFB-Team hart ins Gericht. Foto: Sina Schuldt

Hamburg (dpa) - Ewald Lienen hat sich in Rage geredet. Bei einem Talk des TV-Senders Sky rechnete der 64-Jährige nicht nur mit den Verantwortlichen des deutschen Fußballs nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland ab.

Der Technische Direktor des FC St. Pauli bescheinigte gerade der Nachwuchs- und Trainerausbildung in Deutschland mit deutlichen Worten auch grundsätzliche Probleme. Die Deutsche Presse-Agentur hat einige seiner Thesen überprüft.

THESE: Schon nach der Gruppenauslosung ist das DFB-Team in absolute Arroganz verfallen.

BEWERTUNG: Bedingt richtig.

FAKTEN/EINORDNUNG: Bundestrainer Löw und Kapitän Neuer sprachen von Mexiko, Schweden und Südkorea als interessanten bzw. ernstzunehmenden Gegnern. Aber: Neuer peilte den Gruppensieg an, Löw wollte in der Gruppe gleich den Grundstein für eine erfolgreiche Titelverteidigung legen. Das waren hehre Ziele. Nicht auszuschließen ist, dass nach der souveränen WM-Qualifikation die Lage unterschwellig unterschätzt und das von Beobachtern als Arroganz wahrgenommen wurde.

THESE: Wir in Deutschland haben so viele gute Spieler wie die Kroaten Einwohner.

BEWERTUNG: Etwas übertrieben.

FAKTEN/EINORDNUNG: Kroatien hat rund 4,2 Millionen Einwohner, der DFB ist mit mehr als sieben Millionen Mitgliedern in den angeschlossenen Vereinen der größte nationale Sport-Fachverband der Welt. Lienen wollte zum Ausdruck bringen, dass eine kleine Fußball-Nation Großes geleistet hat. Jedenfalls weit mehr als der Ex-Weltmeister, der aus einem viel größeren Reservoir schöpfen kann.

THESE: In der Nachwuchsausbildung werden seit Jahren falsche Schwerpunkte gesetzt. Die Individualität der Spieler bleibt auf der Strecke.

BEWERTUNG: Größtenteils richtig.

FAKTEN/BEWERTUNG: Diese These wird auch im DFB kontrovers diskutiert und von mehreren Landesfürsten geteilt. So sprach Schleswig-Holsteins Verbandschef Hans-Ludwig Meyer davon, dass die Nachwuchskräfte heute «in ein Schema gepresst» und dadurch «die individuellen Stärken der Akteure nicht ausgeprägt» werden. Oft wird England als Vorbild genannt, das derzeit mit nahezu allen Nachwuchsteams führend ist.

THESE: Es geht vielen Nachwuchstrainern nur noch darum, mit 30 Jahren Bundesliga-Coach zu werden.

BEWERTUNG: Falsch.

EINORDNUNG: Junge Bundesliga-Trainer wie Domenico Tedesco (32) oder Julian Nagelsmann (31) sind die Ausnahme. Jahr für Jahr nehmen Nachwuchstrainer am Fußball-Lehrer-Lehrgang des DFB teil. Viele von ihnen träumen zwar von der Bundesliga, andere aber wollen gar nicht unbedingt in die Eliteklasse, sondern beispielsweise lieber im Nachwuchsbereich bleiben. Am Freitag entschuldigte sich Lienen für seine teils persönliche Kritik an Aufsteiger Tedesco.

THESE: Die Bundesliga hat international nichts hinbekommen.

BEWERTUNG: Größtenteils richtig.

EINORDNUNG: Tatsächlich ist den deutschen Vereinen im Europapokal nicht viel gelungen. Der FC Bayern schaffte es immerhin wieder bis ins Halbfinale der Champions League. Für Borussia Dortmund und RB Leipzig war dagegen bereits in der Gruppenphase Schluss. Während RB in der klassentieferen Europa League danach immerhin das Viertelfinale erreichte, schaffte beispielsweise der SC Freiburg nicht mal die Qualifikation für diesen Wettbewerb - weil er am slowenischen Club NK Domzale scheiterte.

THESE: Der Erfolgsdruck auf die Jugendtrainer ist viel zu hoch.

BEWERTUNG: Teils richtig.

EINORDNUNG: Auch in vielen Nachwuchsteams der Bundesligisten ist sportlicher Erfolg der wichtigste Maßstab. Für die jungen Trainer geht es entweder um den Verbleib in der Junioren-Bundesliga oder um den Meistertitel. Aufgestellt oder trainiert wird daher meistens so, dass es im nächsten Spiel Erfolg verspricht. Eine gezielte oder individuell angepasste Ausbildung talentierter Akteure wird dem oft untergeordnet.

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