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Löw: «Trainer mit 70? Das halte ich für undenkbar»

Mit 70 Jahren will Joachim Löw nicht mehr Trainer sein. Foto: Uwe Anspach/dpa

Mit 70 Jahren will Joachim Löw nicht mehr Trainer sein. Foto: Uwe Anspach/dpa

München (dpa) - Joachim Löw erlebt als Bundestrainer gerade die «schrecklichste Zeit». Bei aller Vorfreude auf die Fußball-EM im Sommer: Die lange Winterpause der Fußball-Nationalmannschaft nervt den 59-Jährigen.

Es gäbe aktuell so viel anzupacken bei einem Team, das er nach dem WM-Desaster 2018 radikal umgekrempelt hat. «Vier Monate Pause tun unserer jungen Mannschaft gar nicht gut», sagte Löw, der weiß, dass er beim nächsten Turnier wieder liefern muss. Einen weiteren Vorrunden-K.o. würde ihm auch im DFB wohl niemand mehr verzeihen - trotz eines Vertrages bis zur WM 2022.

Löw würde sich wünschen, schon im Januar und Februar jeweils zwei Länderspiele zu haben: «Die lange Winterpause bedeutet für mich einen Schritt zurück. Wir müssen uns im März wieder neu sortieren, neu beginnen. Das ist natürlich für mich schon ein bisschen ärgerlich.»

Das Länderspieljahr 2020 beginnt für die DFB-Auswahl erst am 26. März mit einem Auswärtsspiel in Madrid gegen Spanien. Fünf Tage später ist Italien in Nürnberg zu Gast. Die beiden Härtetests sollen einen ersten Fingerzeig im EM-Jahr liefern, welche Rolle das verjüngte deutsche Team bei der Pan-Europa-EM vom 12. Juni bis 12. Juli spielen kann. «Der Favorit sind wir diesmal nicht», urteilte Löw selbst nach der EM-Auslosung Ende November in Bukarest, die Deutschland eine Extremgruppe mit Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal sowie einem noch zu ermittelnden Playoff-Gewinner bescherte.

«Das ist die schwierigste Gruppe, die man sich vorstellen kann. Man darf auch nicht den dritten Gegner vergessen, das könnte Island sein», sagte Oliver Bierhoff. Der Nationalmannschafts-Direktor gab trotzdem ein ambitioniertes Ziel aus: «Wenn man ein Turnier spielt, will man bis zum Ende marschieren.» DFB-Präsident Fritz Keller setzt auf den Heimvorteil bei den drei Vorrundenpartien in München: «Mit diesem Los kann man sofort Fußball-Fieber in Deutschland entfachen.»

Löw muss ein talentiertes, aber unfertiges Ensemble um die beiden Weltmeister-Routiniers Manuel Neuer (33) und Toni Kroos (29) bei dem Lehrgang im März sowie vom 26. Mai an im Trainingslager in Seefeld in kürzester Zeit zu einer funktionstüchtigen Turniermannschaft formen.

Vier Testspiele müssen dafür vor dem EM-Ernstfall am 16. Juni gegen Frankreich ausreichen. «Die wenigen Spiele und die kurze Zeit bis zum Turnier müssen wir nutzen», sagte Kroos, mit 96 Länderspielen der erfahrenste Akteur. «Wir dürfen in der Vorbereitung kein Prozent liegenlassen», mahnte auch DFB-Direktor Bierhoff.

Löw hat in den bislang sechs Länderspielen der EM-Saison 25 Spieler eingesetzt, darunter die Neulinge Robin Koch, Luca Waldschmidt (beide SC Freiburg), Nadiem Amiri (Bayer Leverkusen), Suat Serdar (Schalke 04) und Niklas Stark (Hertha BSC). Manches war so gewollt, vieles aber auch erzwungen. «Wir waren gebeutelt von wahnsinnig vielen Verletzungen», klagte Löw. Daraus leitet sich fast zwangsläufig sein Neujahrswunsch ab: Keine weiteren Verletzten mehr. «Ich wünsche mir, dass zu den Länderspielen im März alle Spieler gesund sind, die die Qualität haben, um bei einer EM für Deutschland zu spielen.»

Eine funktionierende Achse konnte sich in der am Ende souveränen EM-Qualifikation mit dem Gruppensieg vor Holland weder bilden noch einspielen. Manuel Neuer im Tor, Joshua Kimmich und Toni Kroos im Mittelfeld, dazu der bei Löw immer spielende und fast immer auch treffende Serge Gnabry im Angriff sind aktuell die EM-Fixpunkte.

Löw muss hoffen, dass Abwehrchef Niklas Süle und Angreifer Leroy Sané nach Kreuzbandrissen rechtzeitig fit werden. Oder dass ein Timo Werner im DFB-Trikot so wertvoll wird, wie es der beste deutsche Bundesliga-Torschütze (18 Treffer) im Trikot von RB Leipzig ist.

«Die Mannschaft, die wir haben, ist hochtalentiert. Spieler wie Gnabry, Kimmich, Goretzka oder Werner sind aber noch nicht am Limit. Sie sind noch sehr jung», gab Löw zu bedenken. Er vergleicht sein aktuelles Team immer wieder mit jenem vor der WM 2010 um die Turnierneulinge Boateng, Khedira, Kroos, Müller, Neuer und Özil, das bis zum WM-Triumph 2014 in Brasilien auch länger reifen musste.

Die Heim-EM 2024 nannte Löw zuletzt immer wieder als Fernziel. Auch für sich selbst? Der ewige Bundes-Jogi wird am 3. Februar 60. Und er macht sich vor diesem runden Geburtstag durchaus Gedanken um seine weitere Lebensplanung. «Trainer mit 70? Das halte ich für undenkbar», sagte er der Deutschen Presse-Agentur zum Jahreswechsel.

Seine Zukunft als Bundestrainer macht Löw auch von der weiteren Entwicklung der Nationalelf abhängig. «Als Trainer verfolge, beachte und durchdenke ich auch die Entwicklungsschritte einer Mannschaft. Der nächste Gedanke geht für mich bis zur EM. Darüber hinaus denke ich nicht», sagte Löw, auch wenn sein aktueller Bundestrainer-Vertrag bis zur nächsten Weltmeisterschaft Ende 2022 läuft.

«Ich denke jetzt nicht an Katar. Es nimmt mir zu viel Energie weg, wenn ich an Dinge denke, die jetzt keine Rolle spielen», erläuterte Löw: «Es geht jetzt um eine gute Turniervorbereitung und eine gute EM. Das ist das Ziel - und nicht, was danach kommt.»

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