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Löw vertraut Bayern-Block trotz Krise

Löw gibt seinen Spielern vor den Prestige-Duellen gegen die Niederlande und Frankreich Instruktionen. Foto: Jens Büttner

Löw gibt seinen Spielern vor den Prestige-Duellen gegen die Niederlande und Frankreich Instruktionen. Foto: Jens Büttner

Berlin (dpa) - Joachim Löw trotzt allen Zweifeln und negativen Vorzeichen.

Noch vor dem Aufgalopp der Fußball-Nationalmannschaft vor vielen aufgeregten und kreischenden Kindern in Berlin machte der Bundestrainer klar, dass er in den brisanten Nations-League-Spielen gegen die Niederlande und Weltmeister Frankreich auf die ins Formtief gestürzten Spieler des FC Bayern setzen will. Erste Aufmunterung für den Bayern-Block um Manuel Neuer gab es im Hertha-Amateurstadion beim Üben vor 5000 überwiegend jungen Fans.

«Ich weiß schon, welche Qualitäten diese Spieler auch haben», sagte Löw über die Bayern-Fraktion, die durch den drohenden Ausfall des angeschlagenen Leon Goretzka für die zwei Länderspiele von sieben auf sechs Akteure schrumpfen könnte. Goretzka blieb zunächst zur Behandlung von muskulären Problemen in München. «Es war in der Vergangenheit immer wieder mal so, dass Spieler im Verein nicht in der Topverfassung waren, bei der Nationalmannschaft dann trotzdem eine tolle Leistung gezeigt haben. Die Spieler sind erfahren genug, mit solchen Situationen umzugehen», äußerte Löw zur Gruppe um Kapitän Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller.

Wie groß das Zutrauen in die Münchner Profis trotz Vereinskrise ist, bewies Löw bei einer erzwungenen Kaderveränderung. Denn Mittelfeldmann Leon Goretzka, der wegen einer Muskelverhärtung absagen musste, ersetzt der Bundestrainer durch dessen offensiven Bayern-Kollegen Serge Gnabry. Als dritter Torwart im 21-Mann-Kader ersetzt Bernd Leno vom FC Arsenal den Frankfurter Kevin Trapp, der wegen muskuläre Probleme für die zwei Länderspiele ausfällt.

Der Bundestrainer war am Teamhotel im Tiergarten kraftvoll aus einem Kleinbus gesprungen und schrieb in Begleitung von Torwartcoach Andreas Köpke eifrig Autogramme. Mehr Fannähe ist nach der WM-Blamage in Russland beim DFB angesagt. Erstmals seit vier Jahren durften bei einem Training im eigenen Land mal wieder einige Tausend Anhänger zuschauen. «Das Wichtigste ist für die Kinder, dass sie die Spieler aus der Nähe sehen, Autogramme bekommen und Selfies machen können», sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Trainingseinheiten vor Fans soll es wieder in «regelmäßigen Abständen» geben.

«Es war auch Teil unserer Selbstkritik nach der WM, dass wir gesagt haben, wir müssen uns gegenüber den Fans wieder ein bisschen öffnen», sagte Löw. Im Hertha-Amateurstadion wurde beim Aufgalopp aber nichts inszeniert, sondern einfach normal gearbeitet. Der Geräuschpegel war dabei ein anderer als bei den sonst üblichen geheimen Einheiten. «Bei allen Dingen, die wir machen: Die Leistung und die Überzeugung auf dem Platz sind das Wichtigste», betonte Bierhoff.

Torwart Kevin Trapp und Außenverteidiger Jonas Hector, der noch am Vorabend für den 1. FC Köln in der 2. Liga spielte, pausierten. Seine Premiere im Elitekreis erlebte der erstmals berufene Angreifer Mark Uth. «Ich will alles aufsaugen», sagte der 27-jährige Schalker.

Löw bereitet sein Team in der Hauptstadt auf die Punktspiele am Samstag in Amsterdam und drei Tage später in Paris (beide 20.45 Uhr) vor. «Wir sind uns natürlich der Schwere der Spiele bewusst, wir spielen auswärts. Aber wir sind zuversichtlich. Wir haben alle Möglichkeiten, auch wenn ein paar Spieler abgesagt haben», sagte Löw. Bierhoff verdeutlichte die Brisanz der zwei Partien in einem Satz: «Jetzt ist der sportliche Anreiz da, man will nicht absteigen.»

Die Trainingstage bis zum Spiel gegen die Niederländer will Löw nutzen, um «uns gut einzustellen, vorzubereiten und die Spieler wieder ein bisschen aufzubauen». Nicht nur bei den Bayern, auch bei anderen Nationalspielern wie etwa Toni Kroos lief es zuletzt nicht rund. «Zwei Wochen enttäuschende Ergebnisse, Spiele und auch Pech», beschrieb Kroos seine eigenen Situation bei Real Madrid: «Es wird eine große Herausforderung sein, wieder aufzustehen.»

Löw will in Gesprächen mit den Bayern-Profis erfahren, worin sie die Gründe für die Krise in München sehen. Besonders besorgt wirkt der 58-Jährige allerdings nicht: «Wenn man über Boateng, Hummels, Neuer und Müller redet - diese Spieler haben einfach auch viel Erfahrung. Sie können auch mal innerhalb von einer Woche eine ganz andere Leistung zeigen.» Ein Tapetenwechsel sei gut in so einer Phase.

«Die meisten von den Spielern haben schon einige Situationen gemeistert, die so ähnlich waren», sagte Julian Draxler von Paris Saint-Germain. «Deswegen mache ich mir um die Bayern-Spieler keine Gedanken. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass sie jetzt hier sind und den Stress, den sie in Bayern haben, mal vergessen.» Er betonte aber auch: «Wir brauchen natürlich die Bayern in Bestform.»

Profis wie Kroos oder Müller haben häufig genug bewiesen, dass sie schnell von Verein auf Auswahl umschalten können. «Wir wollen zeigen, dass die Nationalmannschaft die deutschen Fans begeistern kann», sagte Müller. Der Offensivmann erinnerte an den Neustart im September mit einem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich und einem 2:1-Sieg gegen Peru. Löw forderte: «Wir müssen schauen, dass wir da anknüpfen.»

Natürlich seien sowohl die Niederländer als auch die Franzosen zwei Fußball-Nationen, die gegen Deutschland hochmotiviert seien. Da gehe es auch um das Prestige, unterstrich Löw. Und es geht darum, dass die Nationalmannschaft nach der WM-Blamage wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt. Abstiegskampf in der Nations League würde dazu nicht passen.

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