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Löw warnt vor Zerfall - Krisenbewältigung in Sotschi

Bundestrainer Joachim Löw im Gespräch mit Marco Reus. Foto: Christian Charisius

Bundestrainer Joachim Löw im Gespräch mit Marco Reus. Foto: Christian Charisius

Watutinki (dpa) - Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Nach dem alarmierenden Auftakt-Crash gegen Mexiko zogen sich Joachim Löw und seine entzauberten Fußball-Weltmeister erstmal in ihr Refugium Watutinki vor den Toren Moskaus zurück, um intern die Reihen zu schließen.

Der von seiner Mannschaft irritierte Bundestrainer hatte schon direkt nach dem 0:1 im Moskauer Luschniki-Stadion erstaunlich drastische Worte gewählt. «Es gibt keinen Grund, völlig auseinanderzufallen, weil man ein Spiel verloren hat. In der Vorrunde gibt es drei Spiele. Wir haben alle Möglichkeiten, das zu korrigieren», erklärte Löw.

Die Korrektur muss sofort gelingen. Denn nach dem Geheimtraining am Montag musste der DFB-Tross vor dem Fernseher erleben, wie sich die Situation durch das 1:0 von Schweden gegen Südkorea noch weiter verschärfte. Eine Niederlage gegen die Skandinavier in Sotschi würde das Aus bedeuten, wenn Mexiko zuvor gegen die Koreaner punktet. Es wäre der erste deutsche Vorrunden-K.o. bei einer WM.

Es knistert im DFB-Team, der WM-Kurs stimmt nicht. Leistungsträger sind außer Form, eine gemeinsame Strategie von Offensive und Defensive existiert nicht. Löws Masterplan für einen bis Russland stets erfolgreichen Turnierstart verpuffte erstmals in seiner Zeit als Chef. «Wir wollten ein Zeichen setzen», sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Und deshalb sei auch die Niederlage «schon ein Zeichen».

War der 17. Juni 2018 der Anfang vom Ende einer Goldenen Generation? Acht Weltmeister von 2014 standen gegen Mexiko auf dem Rasen der Finalarena. Aber sie schienen sich irgendwie fremd zu sein. «Wir müssen auch vielmehr reden auf dem Platz», sagte Jérôme Boateng über Akteure, die seit fast zehn Jahren zusammenspielen.

Sind einige über dem Zenit? «Wir haben keine zu alte Mannschaft, davon sind wir weit entfernt», wehrte Löw ab. «Unser Gerüst bilden Spieler, die über viel Erfahrung und eine hohe Qualität verfügen, auch wenn man das nicht so gesehen hat.» Was tun, Herr Löw?

Der erfahrene Turniercoach muss sich in einer «für uns absolut ungewohnten Situation» bewähren. «Es gibt Widerstände in einem Turnier, das weiß man. Die muss man annehmen.» Sein Krisenmanagement eröffnete er noch vor der Weltpresse, als er angesprochen auf die zuletzt in der Vorrunde ausgeschiedenen Weltmeister Frankreich (2002), Italien (2010) und Spanien (2014) mit Trotz reagierte: «Uns wird es nicht passieren! Wir werden es schaffen!»

Gelingen muss die Wende nun im Disneyland-Ambiente der Olympiastadt Sotschi, einem Urlaubsparadies im Reich von Wladimir Putin. Dorthin reist der DFB-Tross schon am 19. Juni, vier Tage vor dem Schweden-Kracher. Ursprünglich war der Plan, sich nach einem Auftakterfolg am Schwarzen Meer in einem Hotel direkt an der Strandpromenade entspannt auf das zweite Spiel einzustimmen.

Da, wo überwiegend russische Urlauber in Bettenburgen logieren und in einem angrenzenden Freizeitpark auf der Achterbahn durch Loopings rasen. Es sollte eine willkommene Abwechslung zur Abgeschiedenheit in Watutinki vor den Toren der Millionenmetropole Moskau sein. Jetzt ist die Hoffnung, dass Löw und sein Team dort den Gemeinschaftsgeist wiederfinden, der 2017 im Confed-Cup-Gewinn gipfelte. Immerhin 13 überwiegend junge Akteure von damals sind auch jetzt wieder dabei.

Die Partie gegen Schweden wird zum für die Deutschen zum ersten Endspiel, 22 Tage vor dem großen WM-Finale am 15. Juli, das unverändert das Ziel ist. «Statt vier möglichen K.o.-Spielen haben wir jetzt eben zwei mehr», sagte Thomas Müller, neben Sami Khedira ein Totalausfall zum Turnierbeginn.

Viel Zeit bleibt Löw nicht. Gegen die aggressiven Mexikaner passte wenig. Deren Trainer entschlüsselte den Weltmeister-Code. Mit Außenstürmer und Torschütze Hirving Lozano fand Juan Carlos Osorio ein Mittel gegen Joshua Kimmich, der mehr Rechtsaußen als Verteidiger war. «Wir hatten einen Spielplan, den hatten wir schon vor sechs Monaten aufgestellt», sagte Osorio stolz. Er trickste Löw aus.

Die deutschen Spieler gaben zu, dass man den Gegner ganz anders erwartet hatte, jedenfalls nicht mit einer Kontertaktik. Redebedarf hatten besonders Jérôme Boateng und Mats Hummels, die sich hinten allein gelassen fühlten. «Wir haben wie gegen Saudi-Arabien gespielt - nur gegen einen besseren Gegner», klagte Hummels. «Wenn sieben oder acht Spieler offensiv spielen, dann ist klar, dass die offensive Wucht größer ist als die defensive Stabilität.» Noch mehr sagte der Nachsatz des Münchner Innenverteidigers aus: «Das ist das, was ich intern oft anspreche. Das fruchtet anscheinend noch nicht so ganz.»

Bierhoff begrüßte die «Reibung» in der Mannschaft. «Bei Mats weiß man, dass es nicht bösartig gemeint ist.» Der Manager nahm aber auch Löw und dessen Stab in die Pflicht. «Die Trainer müssen beantworten, wie sie das lösen wollen», sagte der Manager deutlich.

Ratlos blickte Löw auf die hohe Ballverlustquote. Ein Fitnessproblem sieht er nicht: «An der Kraft hat es nicht gelegen.» Radikale Lösungen schloss der Bundestrainer aus. «Einen Plan über den Haufen schmeißen, das machen wir schon gar nicht. Wir werden jetzt nicht etwas völlig Anderes tun. An unserer Linie halten wir fest.»

Löw muss hoffen, dass sich Weltmeister wie Kroos, Khedira, Müller oder Özil aufrappeln. Er könnte personell reagieren, etwa mit der Belebung der Offensive durch den nur eingewechselten Marco Reus. Beruhigende Worte kamen am Montag in Moskau von Philipp Lahm, dem Kapitän des Weltmeisterteams von 2014: «Ein kleiner Rückschlag schadet nicht, um noch ein bisschen enger zusammenzurücken.»

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