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Neuaufbau ohne Özil - Löw will «Feuer und Begeisterung»

Bundestrainer Joachim Löw muss zukünftig auf Mesut Özil verzichten. Foto: Ina Fassbender

Bundestrainer Joachim Löw muss zukünftig auf Mesut Özil verzichten. Foto: Ina Fassbender

Frankfurt/Main (dpa) - Am Tag der Entscheidung wird Mesut Özil sportlich keine Rolle mehr spielen. Joachim Löw verkündet am 29. August seinen Kader für den Neuanfang - ein Kader ohne einen per Generalabrechnung zurückgetretenen Lieblingsspieler.

Seit 2009 war Özil deutscher Fußball-Nationalspieler, seit der WM 2010 ein Fixpunkt im Ensemble des Bundestrainers. Feine Technik, geniale Momente und 23 Tore in 92 Länderspielen sorgten dafür, dass Mesut Özil eine prägende Figur und zentraler Baustein beim Fußball-Weltmeister von 2014 war.

Welche konkreten Schlüsse Löw nach dem historischen WM-Vorrunden-Aus für die Länderspiele am 6. September in München gegen Weltmeister Frankreich und drei Tage später in Sinsheim gegen Peru zieht, ist auch nach Özils Rundumschlag weitere eine spannende Frage. «Natürlich wollen wir uns im September anders präsentieren und ganz anders auftreten als zuletzt in Russland», sagte Löw schon vor ein paar Tagen. «Es ist natürlich vor allem auch meine Aufgabe als Trainer, dieses Feuer, diese Begeisterung, die Hingabe, die Emotionen, den Stolz wieder zu wecken.»

Der 29-jährige Özil ist der erste Spieler aus dem 23er-Aufgebot der enttäuschenden WM, der künftig nicht mehr dabei ist. Seine erneute Nominierung hätte nach der Erdogan-Affäre für den geplanten Neubeginn ohnehin zu einer Belastung werden können. Ob Löw von der Rücktritts-Entscheidung des Offensivspielers überrascht wurde und wie er ohne Özils Schritt geplant hätte, ist offen. «Ich werde Gespräche mit den Spielern in aller Ruhe führen, und dann werden wir auch Entscheidungen in personeller Hinsicht treffen», hatte Löw angekündigt? Gab's schon eines mit Özil?

In Fan-Kreisen scheiden sich die Geister schon lange am sechsmaligen «Nationalspieler des Jahres». Ein Teil warf Özil vor, er sei in wichtigen Länderspielen nicht präsent genug. Andere sahen ihn als unersetzbaren Gestalter für den lange mitreißenden Fußballstil des entthronten Weltmeisters. Wenn es im DFB-Ensemble mal nicht lief, wurde reflexartig über Özils Körpersprache diskutiert. Die Körperhaltung war aber auch keine andere, wenn er mit brillanten Pässen die Stürmer einsetzte, Räume schaffte, für Überraschungsmomente sorgte.

Der FC Arsenal kann sich als Özils Arbeitgeber freuen, dass der bis 2021 unter Vertrag stehende Social-Media-Star künftig ein paar Spiele weniger pro Saison hat. In Löws Kandidatenkreis gibt es nun keinen Spielertyp mehr à la Özil. Doch braucht es in der Mittelfeld-Welt der Sechser und Achter überhaupt noch den Zehner, wie ihn Özil verkörpert? Bei der WM rückten andere Spielertypen in den Fokus. Zweikampfstarke Mittelfeld-Alleskönner wie Kroatiens Luka Modrić, schnelle und trickreiche Flügelspieler wie Belgiens Eden Hazard und Frankreichs Antoine Griezmann oder Turbostürmer wie Kylian Mbappé.

«Wir müssen die gesamten Erkenntnisse, auch mit Blick auf die aktuellen Trends im Weltfußball, in unsere Spielauffassung einfließen lassen und diese wieder schärfen», hatte Löw in der vergangenen Woche gesagt. «Es muss uns wieder gelingen, wie in den Jahren zuvor, dass man unseren Spielern die Freude, den Spaß, die Leidenschaft für Deutschland zu spielen anmerkt - auf und neben dem Platz.» Personell dürfte ein radikaler Schnitt, dass etwa gleich alle Weltmeister von 2014 in den Auswahl-Ruhestand geschickt werden, ebenso wenig zu begründen sein wie nur kosmetische Maßnahmen auf Aufgebot.

Der Weg ist vorgezeichnet, dass die Confed-Cup-Sieger wie Julian Brandt, U21-Europameister wie Serge Gnabry oder der vor der WM aussortierte Premier-League-Shootingstar Leroy Sané in der deutschen Auswahl an Bedeutung gewinnen. Mit jungen Spielern habe man «im vergangenen Jahr beim Confed Cup einen sehr großen Erfolg erzielt», sagte Löw - und ließ Vorfreude auf den Verjüngungsprozess anklingen.

Die reifere Garde mit Manuel Neuer (32), Sami Khedira (31), Mario Gomez (33), Mats Hummels (29), Jérôme Boateng (29) und Marco Reus (29) hat aber auch noch viel Lust, will sich nach der WM-Blamage rehabilitieren und große Siege feiern. Die nächsten Antworten nach dem Özil-Aus wird es in einigen Wochen geben.

© WhatsBroadcast
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