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So tickt Özil: Nur mit Ball fühlt sich Löws Zögling wohl

Mesut Özil trainiert weiter individuell. Foto: Christian Charisius

Mesut Özil trainiert weiter individuell. Foto: Christian Charisius

Eppan (dpa) - Wo ist Mesut Özil? Auch am vorletzten Tag des Trainingslagers in Südtirol trainierte und redete der Spielmacher der deutschen Nationalmannschaft auf der Sportanlage Rungg nur hinter den undurchsichtigen Werbeplanen des DFB.

Sein anhaltendes Schweigen zum Besuch beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat Kritik und neue Reaktionen ausgelöst - vor allem in der Heimat. Nur intern bei einem Besuch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte sich Özil bisher geäußert.

Wie tickt eigentlich der Fußball-Künstler mit türkischen Wurzeln? Özil lebt irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Auf der einen Seite stehen seine Familie, bei der er in Gelsenkirchen in einfachen Verhältnissen groß geworden ist, und der muslimische Glaube. Seine Großeltern waren nach Deutschland umgesiedelt. Als Kind musste er oft gebrauchte Sachen tragen, sprach zunächst nur Türkisch.

Heute genießt der Millionär Özil die Glitzerwelt und zugleich den Schutz des Profifußballs. Er ist in den sozialen Netzwerken der Spieler mit den meisten Followern. Doch in der realen Welt wirkt er schüchtern und zurückhaltend. Özil spricht nicht viel, auch nicht beim Nationalteam, schon gar nicht mit Journalisten. Und wenn, hört sich das meist so an: «Es ist mein Ziel, auf dem Platz meine Leistung zu bringen.»

Auf dem Rasen fühlt sich der begnadete Kicker dagegen wohl. «Auf dem Fußballplatz gibt es für mich keine Probleme», schrieb Özil in seiner Autobiografie, die den Titel trägt: «Die Magie des Spiels: Und was du brauchst, um deine Träume zu verwirklichen.» Aus der Gesamtschule Berger Feld in seiner Geburtsstadt Gelsenkirchen heraus wurden seine Träume Realität: Von Schalke ging es über Werder Bremen nach Spanien zum Topclub Real Madrid, dann weiter nach England zum FC Arsenal.

Großen Anteil daran hat der Bundestrainer. Joachim Löw beförderte den jungen Özil bei der WM 2010 in Südafrika vom U21-Europameister zur Stammkraft im deutschen A-Team. Löw ist Özil-Fan. Wenn er über den schmächtigen Mittelfeldspieler spricht, klingt es nach Schwärmerei. «Er hat überragende Fähigkeiten, wie kaum ein anderer Spieler auf der Position. Er ist für uns extrem wertvoll. Diese Technik und diese letzten Pässe sind einfach genial.» Löw ist ein Fußball-Ästhet.

Der 58-Jährige war es auch, der Özil aus der ersten Zerrissenheit zwischen türkischen Wurzeln und deutschen Lebensmöglichkeiten holte. Nachdem 2008 der damalige türkische Nationaltrainer Fatih Terim den jungen Özil für ein WM-Qualifikationsspiel gegen Bosnien nominieren wollte, reagierte der Bundestrainer. In Aserbaidschan wurde der damals 20-Jährige von Löw als deutscher Nationalspieler festgespielt. Der DFB erkor ihn zu einem Musterbeispiel für Integration. Es war nicht die einzige Rolle außerhalb des Platzes, die zu groß für Özil ist.

Eigentlich will er nur Fußball spielen. Deutlich wurde das schon im Oktober 2010 nach dem 3:0 der DFB-Elf in der EM-Qualifikation gegen die Türkei in Berlin, als ein Fotograf des Bundespresseamtes die Gratulation von Kanzlerin Angela Merkel an den halbnackten Özil in der Kabine festhielt. Das Bild wurde veröffentlicht und sorgte in der Türkei für Entrüstung.

Özils jüngstes Treffen mit Erdogan, von dem auch Bilder auftauchten, stieß wiederum in Deutschland auf viel Kritik. Selbst Merkel hatte sich über Regierungssprecher Steffen Seibert geäußert, die Situation habe Fragen aufgeworfen und zu Missverständnissen eingeladen.

Nationalspieler Ilkay Gündogan beschrieb in Südtirol den fragwürdigen Erdogan-Besuch und sprach dabei auch für den Nationalelf-Kollegen Özil: «Wir haben aufgrund unserer türkischen Wurzeln noch einen sehr starken Bezug zur Türkei. Das heißt aber nicht, dass wir jemals behauptet hätten, Herr Steinmeier sei nicht unser Bundespräsident oder Frau Merkel nicht unsere Bundeskanzlerin.» Steinmeier rief dazu auf, Gündogan und auch Özil eine Brücke zu bauen. «Wenn jemand nach einem Rückweg sucht, soll man helfen», sagte der Bundespräsident der Wochenzeitung «Die Zeit».

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