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Boateng kann Bayern-Rückspiel in Madrid abhaken

Bayern-Verteidiger Jerome Boateng (M) kann beim Spiel gegen Real Madrid nur mit Unterstüzung den Platz verlassen. Foto: Andreas Gebert

Bayern-Verteidiger Jerome Boateng (M) kann beim Spiel gegen Real Madrid nur mit Unterstüzung den Platz verlassen. Foto: Andreas Gebert

München (dpa) - Die Leidensszene um Jérôme Boateng erschreckte gleich zwei seiner Trainer. Als der Abwehrspieler des FC Bayern humpelnd und vom Teamarzt gestützt im Bauch der Münchner Arena verschwand, schien nicht nur ein Comeback zum Rückspiel bei Real Madrid ausgeschlossen.

Auf der Tribüne sorgte sich vor allem Bundestrainer Joachim Löw um seinen für die Fußball-WM fest eingeplanten Innenverteidiger. Von detaillierten Verletzungsprognosen wurde unmittelbar nach dem Münchner 1:2 abgesehen. Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt eilte Mittwochnacht aus der Arena, ohne sich voreilig festlegen zu wollen. Von einer schweren Muskelverletzung im linken Oberschenkel wurde gemunkelt. «Er wird wohl ausfallen», sagte Coach Jupp Heynckes knapp zu seinem Leistungsträger vor dem Rückspiel der Bayern beim Champions-League-Titelverteidiger am kommenden Dienstag in Madrid.

Beim Warten auf die Diagnose am Donnerstag gab es kaum noch Hoffnung auf eine wundersame Blitzheilung. Die «Sport Bild» vermeldete bereits eine Ausfallzeit von vier bis sechs Wochen, für die es aber keine Bestätigung gab. Der deutsche Serienmeister geht mal wieder mit großen Personalsorgen in ein entscheidendes K.o.-Spiel der europäischen Königsklasse. Neben Boateng verletzten sich auch Arjen Robben an den Adduktoren und Javi Martínez, der einen Schlag gegen den Kopf abbekam. Beide Blessuren erschienen weniger gravierend.

Ausgerechnet Boateng! Der Abwehrhüne war gerade wieder topfit geworden und hielt in der halben Stunde bis zu seiner Auswechslung selbst Weltfußballer Cristiano Ronaldo in Schach. Mit dem gebürtigen Berliner auf dem Platz stand bei Bayern hinten die Null. «Jérome hat fast wieder die absolute Topform wie 2013. Er ist mittlerweile ein Leader in der Mannschaft», hatte Heynckes vor der Partie gesagt und gemeint: «Nur mit solchen Spielern können wir etwas gewinnen.»

Und ohne Boateng? Der hatte am Tag vor seinem Unfall optimistisch geklungen: «Ich habe hart dafür gearbeitet, dass ich wieder da stehe, wo ich stehe. Ich fühle mich sehr gut. Ich bin fast wieder in Topverfassung.» Und das will etwas heißen, denn die Krankenakte des Verteidigers ist lang. 2016 erlitt er Muskelbündelrisse in den Adduktoren sowie im Oberschenkel und musste sich am Brustmuskel operieren lassen. Vor einem Jahr folgte die nächste schwere Muskelverletzung im Oberschenkel - und jetzt eine weitere.

Trotz der Blessuren war Boateng in den vergangenen Spielzeiten bei den entscheidenden Partien der Champions League stets auf dem Platz gestanden - diese Serie dürfte nun in Madrid zu Ende gehen.

Vor allem aber ist die WM für ihn in Gefahr. Weil auch Torwart Manuel Neuer nach einer langen Reha wegen eines Mittelfußbruchs noch im Aufbautraining ist, drohen Deutschland in Russland die Ausfälle von zwei zentralen Defensivstützen der Weltmeister-Elf von 2014. Löw benennt am 15. Mai sein erweitertes Aufgebot. Im Trainingslager in Südtirol muss er am 4. Juni der endgültigen 23-Mann-Kader benennen.

Dass just in der Nacht zu Donnerstag ein Interview Boatengs erschien, in dem er über einen möglichen Weggang aus München sinnierte, entbehrte nicht einer gewissen Ironie. «Ich habe beim FC Bayern alles erlebt. Jeden Wettbewerb, der im Vereinsfußball zu gewinnen ist, haben wir gewonnen», sagte der 29-Jährige dem Magazin «Socrates» und ergänzte: «Was sind meine noch nicht erreichten Ziele? Möchte ich mich immer wieder beim gleichen Klub mit den gleichen Voraussetzungen beweisen? Das hat wenig mit dem Wohlbefinden an einem Ort zu tun. Es geht vielmehr um die Frage der persönlichen Herausforderung.»

Diese Herausforderung spielt seit Mittwoch kurzfristig keine Rolle. Boateng und auch Heynckes und Löw haben aktuell ganz andere Sorgen.

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