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DFB rechtfertigt Länderspiele - Mourinho lästert

Der DFB befürwortet die Durchführung von Länderspielen in Pandemie-Zeiten. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Der DFB befürwortet die Durchführung von Länderspielen in Pandemie-Zeiten. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (dpa) - Startrainer José Mourinho lästert sogar schwitzend beim Workout, aus Norwegen kommt ein amtlicher Stoppt-alles-Hilferuf und in England macht ein Negativ-Rekord Sorgen: Die Kritik an den umstrittenen Länderspielen in der heißen Corona-Phase wird lauter.

Dagegen hat der Deutsche Fußball-Bund die Austragung internationaler Duelle mitten in der Pandemie gerechtfertigt. Für den Verband seien die Verträge bindend, «sofern die behördlichen Verfügungslagen dies erlauben», teilte der DFB am Dienstag mit.

Die meisten europäischen Nationalmannschaften sind derzeit mit drei Spielen innerhalb einer Woche auf Tour - Testpartien oder Duellen in der Nations League. Wegen der logistisch komplizierten Reisen quer durch Europa in unsicherer Pandemie-Lage, international unterschiedlicher und teils verwirrender Vorschriften sowie der Abstellung von Nationalspielern stößt das auf heftige Kritik.

Corona hat am Dienstag auch zur Absage eines Nations-League-Spiels in der deutschen Gruppe A4 geführt: Die für den Abend in Luzern geplante Partie zwischen der Schweiz und der Ukraine konnte nicht stattfinden. Nach positiven Befunden bei Jewgeni Makarenko, Eduard Sobol und Dimitri Risnyk am Montag wurden das ukrainische Team und der Betreuerstab nochmals getestet. Weil es dabei erneut vier positive Fälle gegeben habe, ordnete der Kantonsarzt für die gesamte Gäste-Mannschaft Quarantäne an.

Mourinho, der Coach von Tottenham Hotspur, ätzte sarkastisch: «Eine großartige Fußball-Woche. Tolle Emotionen bei den Länderspielen, super Freundschaftsspiele und totale Sicherheit.» Auch viele Spurs-Profis sind mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. «Nach einer weiteren Einheit mit nur sechs Spielern ist es jetzt an der Zeit, mich um mich selbst zu kümmern», postete der 57 Jahre alte Portugiese auf Instagram neben einem Foto beim Fitnesstraining.

Unterdessen hat der Direktor der norwegischen Gesundheitsbehörde die UEFA aufgefordert, aufgrund der Infektionsgefahr in Europa internationale Fußballspiele und Turniere abzusagen. In einem Interview mit dem Norwegischen Rundfunk NRK sagte Bjørn Guldvog am Montagabend: «Für eine gewisse Zeit ist es nicht so ratsam, sich bei internationalen Großveranstaltungen und Spielen zu treffen.»

Hintergrund ist die Absage des Nations-League-Spiels der Norweger in Rumänien am vergangenen Sonntag. Wegen eines positiven Corona-Befundes beim ehemaligen Braunschweiger Profi Omar Elabdellaoui war von den norwegischen Gesundheitsbehörden eine zehntägige häusliche Quarantäne für alle Nationalspieler verhängt worden - darunter ist der Dortmunder Jungstar Erling Haaland.

Mit 16 positiven Corona-Fällen bei Profis und Funktionsteams in einer Woche meldete die englische Premier League einen Rekordwert. Auch Eintracht Frankfurt verzeichnet einen Fall: Neuzugang Amin Younes ist positiv getestet worden, nachdem er in seinem privaten Umfeld Kontakt zu Covid-19-infizierten Personen hatte.

Nach dem Corona-Ausbruch bei Südkoreas Nationalmannschaft befindet sich das Team um Stürmer Hee-chan Hwang von Bundesligist RB Leipzig in einem Hotel in Wien in Isolation. Unter den Infizierten ist auch der Freiburger Bundesligaprofi Changhoon Kwon, der bereits wieder zurück bei seinem Club in Quarantäne ist und bei dem nach Vereinsangaben auch ein zweiter Test positiv ausgefallen war.

Der DFB argumentiert, alle Spieler und Offizielle würden sich während der gesamten Abstellungsperiode konsequent und diszipliniert an die Maßnahmen des Hygienekonzepts halten. Dies werde auch dadurch dokumentiert, «dass bisher keine Corona-Fälle im Kreis der Nationalmannschaft aufgetreten sind».

Die Länderspiele seien für die DFB-Auswahl ein wichtiger Gradmesser auf dem Weg zur EM 2021. Noch größer ist der wirtschaftliche Faktor, da die Einnahmen durch die Nationalmannschaft für die finanzielle Unterstützung des Amateur- und Nachwuchsbereiches essenziell sei.

Dass Länderspiele nicht mal eben abgesagt werden können, ergibt sich auch aus den TV-Verpflichtungen: So erwarb RTL vor vier Jahren zwei umfangreiche Rechtepakete mit Qualifikationspartien für WM und EM sowie Testspielen von 2018 bis 2022 - das sind 28 Spiele. ARD und ZDF kauften für den gleichen Zeitraum die Rechte für die zwölf Partien der Nations League.

© dpa-infocom, dpa:201117-99-360887/4

DFB-Mitteilung

Vereinsmitteilung Eintracht Frankfurt

Mitteilung der Premier League zu Corona-Testserie

Mourinho bei Instagram

NRK-Bericht

Homepage UEFA

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