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Wie Facebook nur für Fußball: Poacher soll Amateuren helfen

Will mit «Poacher» den Transfermarkt im Amateurfußball digitalisieren: Yannik Jaeschke. Foto: -/POACHER Sports/dpa

Will mit «Poacher» den Transfermarkt im Amateurfußball digitalisieren: Yannik Jaeschke. Foto: -/POACHER Sports/dpa

Garbsen (dpa) - Gesperrte Sportplätze und Spielverbot hielten Yannik Jaeschke nicht auf. Als der Sport vor rund einem Jahr coronabedingt erstmals komplett ruhte, nutzten der Regionalligaspieler und drei Kollegen die Zeit, um ihr ganz eigenes Fußball-Projekt voranzutreiben.

Die Plattform «Poacher» soll Spielern und Clubs abseits der millionenschweren Profi-Transfermarktes helfen, zueinander zu finden. Vereine suchen, Kontakte knüpfen, Fußballspielen: So könnte man das Motto beschreiben. «Es soll ein bisschen funktionieren, wie man es bei Social Media kennt», sagt Jaeschke. «Beispielsweise wie Facebook nur auf Fußball gemünzt.»

Die Idee ist recht einfach. Fußballer legen sich ein Profil an, laden Bilder und Videos hoch, listen ihre Stärken und bisherigen Clubs auf. Vereine können dann gezielt nach Spielern auf bestimmten Positionen und mit bestimmten Fähigkeiten suchen. Das Angebot richtet sich an Fußballer von der Kreisklasse bis zur vierten Liga. Die Basisvariante ist kostenlos, eine Premium-Version gibt es für Spieler ab 3,95 Euro monatlich.

Hendrik Weydandt kann sich in die Situation vieler Amateurfußballer hineinversetzen. Anders als heutzutage häufig üblich, nahm die Karriere des Mittelstürmers von Zweitligist Hannover 96 nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum eines großen Clubs Fahrt auf, sondern in kleineren Vereinen der Region. «Ich finde, dass es mit "Poacher" deutlich erleichtert wird, Kontakt aufzunehmen und vielleicht auch Situationen zu schaffen, die sonst nie zustande gekommen wären», sagt der 25-Jährige. Er unterstützt «Poacher» und hätte sich eine solche Plattform nach eigenen Angaben auch zu seiner Zeit als Amateurfußballer gewünscht.

Die Grundidee stammt vom Mitgründer und viertligaerfahrenen Noél Below. Dem 27-Jährigen habe bei der Vereinssuche eine Anlaufstelle gefehlt, erzählt Jaeschke. Nach einem Umzug in eine neue Stadt wisse man ohne persönliche Kontakte oft gar nicht, «wo man sich überhaupt melden soll und hat nicht die Möglichkeiten, sich bei anderen Vereinen zu präsentieren». Auf der anderen Seite wüssten Amateurvereine mangels Zeit und einer Scoutingabteilung oft nicht, welche Spieler überhaupt verfügbar seien. Ist «Poacher», was übersetzt unter anderem Wilderer bedeutet, also eine Win-Win-Situation?

Der Deutsche Fußball-Bund ist mit einer Bewertung des Projekts vorsichtig. Der Ansatz sei spannend heißt es auf Anfrage. Ob «Poacher» gerade auch den Großteil der Amateurfußballer und -fußballerinnen auf Kreisebene erreicht, müsse sich jedoch noch zeigen. «Sehr kritisch sehen wir die Namensgebung der App», äußert der Dachverband zudem. «"Wilderer" und "Wildern" entsprechen nicht der Auffassung des DFB und seiner Mitgliedsverbände vom Amateurfußball, ganz im Gegenteil. Sollte es bedeuten, dass die Plattform in erster Linie den "Marktwert" von Amateurfußballerinnen und Amateurfußballern steigern soll, wäre dies für den Amateurfußball weder förderlich noch zielführend.»

Im Dezember ist die Plattform fertig geworden - «vorläufig», wie Jaeschke betont. Nach Angaben des 27-Jährigen vom niedersächsischen TSV Havelse haben sich in der Startphase rund 250 Vereine und 750 Spieler registriert. Wie so viele Sportler hofft auch Jaeschke, dass in den unterklassigen Ligen bald wieder gespielt werden darf. Einerseits will er selbst mit Havelse weiter um den Aufstieg kämpfen, zum anderen leide auch «Poacher» unter der Krise. «Uns fehlt natürlich Mundpropaganda, der Austausch in der Kabine», sagt er.

© dpa-infocom, dpa:210329-99-10837/2

Plattform Poacher

Informationen zum Amateurfußball beim DFB

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