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Wie gut ist der deutsche Nachwuchs-Fußball wirklich?

Nach dem Einzug in das Finale der U21-EM in Itlaien und San Marino steht der deutsche Fußball-Nachwuchs im Fokus. Foto: Cezaro De Luca

Nach dem Einzug in das Finale der U21-EM in Itlaien und San Marino steht der deutsche Fußball-Nachwuchs im Fokus. Foto: Cezaro De Luca

Udine (dpa) - Bundestrainer Joachim Löw lobte die «beeindruckende Spielfreude» der deutschen U21, DFB-Direktor Oliver Bierhoff sieht die EM-Leistung des Teams nicht als «Zufall».

Die U21-Nationalelf von Trainer Stefan Kuntz spielte eine ganz starke Europameisterschaft in Italien und San Marino und hat zum zweiten Mal in Serie das Endspiel erreicht. Auch die Nationalmannschaft überzeugte nach dem frühen WM-K.o. zuletzt in der EM-Qualifikation. Sind damit alle zuletzt geäußerten Sorgen um die Zukunft des deutschen Fußballs unbegründet?

BEHAUPTUNG: Für DFB-Vizepräsident Reinhard Rauball ist die starke EM-Leistung der deutschen U21 der Beweis für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Fußballs. «An allen Ecken und Enden hört man, dass es nicht gut bestellt sei um den deutschen Nachwuchs. Diese Mannschaft hat das heute widerlegt. Ich habe keine Sorgen um den deutschen Fußball, denn diese Generation hat nicht nur super gespielt, sondern auch gekämpft», sagte er nach dem Endspiel-Einzug des Teams.

FAKTEN: Die deutsche U21 spielt in Italien und San Marino ein starkes Turnier und steht zum zweiten Mal in Serie im EM-Finale. Das gelang zuvor noch nie in der Geschichte des deutschen Fußballs. In der DFB-Auswahl spielen vielversprechende Talente wie Torjäger Luca Waldschmidt, Offensivspieler Mahmoud Dahoud oder Nadiem Amiri.

Dazu kommen Spieler mit großer Perspektive, die auch in zwei Jahren noch eine U21-EM spielen könnten: der Berliner Arne Maier, Torhüter Markus Schubert, die Stürmer Johannes Eggestein und Lukas Nmecha.

Außerdem haben aus der aktuellen U21 Kapitän Jonathan Tah, Lukas Klostermann, Benjamin Henrichs und Maximilian Eggestein schon den Sprung ins A-Team geschafft. Dazu kommen die A-Nationalspieler Leroy Sané, Timo Werner, Julian Brandt, Thilo Kehrer und Kai Havertz, die allesamt noch in der U21 spielberechtigt wären. «Es gibt schon noch ein paar gute Jahrgänge bis 1995 und 1996», lobte Löw, der im A-Team den Umbruch vorantreibt und zuletzt wieder gute Ergebnisse lieferte.

Erschreckend ist jedoch die jüngste Bilanz der jüngeren Jahrgänge: Für die U19-EM, U17-WM und U20-WM war Deutschland in diesem Jahr gar nicht qualifiziert. Die U17 schied bei der EM in der Vorrunde aus. «Wir haben aktuell pro Jahrgang nicht mehr die Masse an überragenden Talenten wie zum Beispiel Kai Havertz, der die U21 komplett überspringen kann», sagte U21-Coach Kuntz, der aber auch fehlendes Spielglück als Grund für die zuletzt mauen Ergebnisse ausmachte.

«Ich kann nur davor warnen, dass wir mit Finaleinzug sagen, es ist alles doch nicht so schlimm», sagte Kuntz zur Situation im deutschen Fußball. Einig sind sich ohnehin fast alle, dass an der Ausbildung der Talente in Deutschland etwas geändert werden muss. «Wir müssen im deutschen Fußball eine kleine Richtungsänderung vornehmen», sagte Bierhoff. «Wir haben vielleicht in vielen Dingen zu gleichförmige Spieler und gleichförmige Trainer hervorgebracht. Wir werden auch daran arbeiten, mehr Kreativität und Individualität zuzulassen.»

BEWERTUNG: Vor allem die Jahrgänge 1995/96 um Spieler wie Sané, Werner, Tah und Klostermann können den deutschen Fußball in naher Zukunft prägen. Dazu kommen herausragende jüngere Spieler wie Kai Havertz oder Arne Maier. Für die Zeit danach werden die Talente aber weniger. Um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben, sind daher vor allem in der deutschen Nachwuchs-Ausbildung Korrekturen notwendig.

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