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Eierwurf-Attacke entfacht Rassismus-Debatte in Italien

Leichtathletin Daisy Osakue zeigt die Folgen der Eierwurf-Attacke. Foto: Alessandro Di Marco/ANSA/AP

Leichtathletin Daisy Osakue zeigt die Folgen der Eierwurf-Attacke. Foto: Alessandro Di Marco/ANSA/AP

Berlin/Rom (dpa) - Nach der Eierwurf-Attacke auf sie hat die italienische Leichtathletin Daisy Osakue vor dem latenten Rassismus in ihrem Geburtsland gewarnt.

«Es ist traurig, das sagen zu müssen, aber man spürt diese Spannungen überall. Diesmal war es noch ein Ei, aber beim nächsten Mal ist es vielleicht ein Stein, eine Flasche oder was auch immer», sagte die 22-Jährige, die nigerianische Wurzeln hat, in einem Interview der Tageszeitung «Die Welt».

Osakue war am vergangenen Montagabend in der Nähe von Turin aus einem fahrenden Auto mit einem Ei beworfen worden. Dabei erlitt sie eine Hornhautablösung am linken Auge und musste in der Klinik behandelt werden. Inzwischen wurde sie entlassen. Die Diskuswerferin und Kugelstoßerin will trotz der Verletzung in der kommenden Woche bei den Leichtahletik-Europameisterschaften in Berlin (6. bis 12. August) an den Start gehen.

Mittlerweile wurden in Italien drei Verdächtige gefasst. Rassistische Motive werden den drei jungen Männern allerdings nicht vorgeworfen. Sie sollen vorher schon andere Menschen - nach eigenen Angaben «aus Spaß» - mit Eiern beworfen haben. «Ich schwöre, mit Rassismus hat das nichts zu tun. Ich will mich jetzt nur bei Daisy entschuldigen», sagte einer der Männer der Zeitung «La Stampa» (Freitag).

Der Fall hat in Italien eine Debatte ausgelöst, ob unter der neuen populistischen Regierung Rassismus zunimmt. Innenminister Matteo Salvini, Chef der rechten Lega, wies das als «dummes Zeug» zurück. Er wiegelt jedoch ständig gegen Migranten auf.

Osakue, die mit 18 Jahren den italienischen Pass bekam, studiert in Texas und fühlt sich als «Weltbürgerin». Bei ihrer Rückkehr nach zehn Monaten habe sie in Italien «Vorurteile» und «Ignoranz» gespürt und «ein völlig anderes Land vorgefunden».

«Rassismus gibt es auf der ganzen Welt», beklagte Osakue in dem Interview. Einschüchtern lassen will sich die dunkelhäutige Sportlerin aber auf keinen Fall - im Gegenteil. «Das ist jetzt mir passiert, und ich weiß nicht, ob das so eine Art Zeichen war», sagte Osakue, «aber es spornt mich an, anderen weiter ins Gewissen zu reden.»

Sie habe nach der Attacke von vielen Menschen aus der ganzen Welt Solidarität erfahren. «Ich bin froh, dass viele von ihnen sich darüber im Klaren sind, dass die Situation sich nicht etwa langsam verschlimmert, sondern bereits am Limit ist.»

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