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Es geht um die Existenz: Corona verändert den Reitsport

Springreiter Marcus Ehning wurde in St. Tropez Achter. Foto: Thomas Frey/dpa

Springreiter Marcus Ehning wurde in St. Tropez Achter. Foto: Thomas Frey/dpa

Saint-Tropez (dpa) - Trotz der Reisewarnung der Bundesregierung hat sich Marcus Ehning auf den Weg an die Côte d'Azur gemacht. Der Springreiter will dort keinen Urlaub machen, sondern seiner Arbeit nachgehen.

In der Nähe von Saint-Tropez reitet der dreimalige Weltcup-Sieger in diesen Tagen trotz des gestiegenen Corona-Risikos bei einem Fünf-Sterne-Turnier, um Geld zu verdienen. «Wir können froh sein, dass es so einen Veranstalter gibt», sagte Ehning.

Für viele Reiter geht es um die Existenz. Es gibt nach der Corona-Zwangspause nur ganz wenige Veranstaltungen, auf denen es noch nennenswerte Prämien für die Profis gibt, um ihre Reitställe zu finanzieren. Die Kosten bleiben, aber «das Preisgeld fällt weg», erklärte Ehning: «Das geht nur eine Zeit lang so.» Er könne in seinem Betrieb «keine Kurzarbeit machen», die Pferde müssten ja weiter versorgt und trainiert werden.

Seit Monaten fallen Turniere aus, Serien wie die mit mehr als 30 Millionen Euro dotierte Global Champions Tour und der Nations Cup wurden komplett gestrichen. Nur ein kleiner Lichtblick ist derzeit eine aus der Not heraus entstandene Serie von Turnieren im kleinen Ort Grimaud bei Saint-Tropez, wo neben Ehning auch Christian Ahlmann und Daniel Deußer regelmäßig reiten.

Der schwerreiche Hobbyreiter Sadri Fegaier organisiert seit Juni fast jedes Wochenende Turniere der höchsten und zweithöchsten Kategorie mit den entsprechenden Preisgeldern. 424.000 Euro gibt es bis Sonntag zu verdienen, das ist mehr als viermal so viel wie bei den ohnehin schon raren Veranstaltungen dieses Wochenendes.

Die Not ist groß. Vor dem Start der Hallen-Saison gibt es weltweit nur noch vier Fünf-Sterne-Turniere, drei davon in Grimaud. Zum Vergleich: Das Ersatz-Turnier für den abgesagten CHIO in Aachen ist ein Drei-Sterne-Turnier. Im Großen Preis gibt es ein Preisgeld von gerade einmal 100.000 Euro - statt einer Million wie im Vorjahr.

«Für die Top-Leute ist es ein Segen, dass es die Turniere in Saint-Tropez gibt», sagte Bundestrainer Otto Becker. «Der Rest muss über Zwei-Sterne-Turniere in Gang bleiben», erklärte Becker. Sportlich ist das sinnvoll, aber finanziell nicht lohnend.

Preisgeld ist ein Einnahmenquelle, der Verkauf von Pferden für viele Profis eine wichtigere. Aber auch «der Handel ist sehr ruhig», erklärte Ehning. Kaum jemand investiert in diesen Zeiten viel Geld in vier Beine. «Das hat nichts mit dem Top-Sport zu tun, wie wir ihn bisher kannten», sagte der Bundestrainer zur tristen Gegenwart und zur offenen Zukunft. «Es ist nach wie vor sehr schwierig. Es ist überhaupt nichts planbar.»

Die besonders schwierige Zeit steht bevor. «Keiner weiß, wie es in der Hallen-Saison weitergeht», sagte Becker: «Keiner kann es einordnen.» Mehrere Weltcup-Turniere sind bereits gestrichen worden, darunter die für November geplante Etappe in Stuttgart.

Einige stehen noch auf dem Plan des Weltverbandes. «Die Weltcups in der Halle stelle ich mir schwierig vor», kommentierte Ehning. Der Bundestrainer sagte: «Ob das realistisch ist, muss man die nächsten Wochen sehen.» Becker erwartet «einen langen, zähen Winter».

© dpa-infocom, dpa:200827-99-329339/2

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