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Ist der CHIO in Aachen noch die Nummer eins der Reit-Welt?

Der CHIO gilt im Pferdesport als das Maß aller Dinge: Das Logo des Reitsport-Klassikers. Foto: Rolf Vennenbernd

Der CHIO gilt im Pferdesport als das Maß aller Dinge: Das Logo des Reitsport-Klassikers. Foto: Rolf Vennenbernd

Aachen (dpa) - Der Sportdirektor sieht es ganz pragmatisch. «Dass die Reiter gerne kommen, hat auch mit dem Preisgeld zu tun», sagte Frank Kemperman vor der Eröffnungsfeier des CHIO in Aachen.

1,879 Millionen Euro gibt es allein in den Spring-Wettbewerben zu verdienen. Allerdings ist das berühmteste Reitturnier der Erde ausgerechnet beim Preisgeld nicht mehr die Nummer eins der Welt.

Der CHIO gilt im Pferdesport als das Maß aller Dinge, mit seiner Größe, seiner Tradition, seinen verschiedenen Disziplinen und seinen enormen Zuschauerzahlen. Viele Jahrzehnte war der Turnierklassiker auch die Nummer eins bei der Dotierung, ehe im vergangenen Jahr beim letzten Turnier der Global Champions Tour in Prag 11,4 Millionen Euro ausgeschüttet wurden - also fast sechsmal soviel wie in Aachen.

«Das ist ein ganz anders Konzept», sagte Kemperman. «Da zahlt man erst Millionen in den Pott ein und bekommt das Geld später wieder zurück.» Tatsächlich müssen die Teams der Millionen-Serie eine siebenstellige Gebühr zahlen, um teilnehmen zu dürfen.

Kemperman betonte: «Wir wollen nur die Besten in Aachen, nicht die Reiter mit dem meisten Geld. Bei uns kann man sich keinen Startplatz kaufen. Aachen zu gewinnen ist sehr wertvoll - und dann kommt noch das Geld dazu.»

Dass Aachen beim Preisgeld überholt worden ist, wird von den Reitern begrüßt. «Eigentlich kann es doch nicht besser sein», sagte Marcus Ehning mit einem Augenzwinkern. Der Sieger des Großen Preises von Aachen 2018 betonte aber: «Mit dem ganzen Ambiente und den Zuschauern bleibt Aachen einmalig.» 40.000 Zuschauer, mehr als in einigen Stadien der Fußball-Bundesliga, gibt es nur in Aachen.

Eine Million Euro gibt es in diesem Jahr wieder im Großen Preis zu gewinnen. Gleichwohl wünscht sich Ehning eine höhere Dotierung in anderen Prüfungen wie dem Preis von Europa und dem Preis von Nordrhein-Westfalen, bei denen jeweils 100 000 ausgeschüttet werden. «Die sind so schwer wie woanders die Großen Preise», sagte Ehning: «Die Dotierung ist nicht entsprechend.»

Der 44-Jährige aus Borken war im Vorjahr der große Gewinner des CHIO, siegte mit der deutschen Nationalmannschaft auch im Nationenpreis. Bei diesem Wettbewerb mit acht Teams zeigen sich ebenfalls die Veränderungen in der Welt des Pferdesports. Seit 2014 gehört ausgerechnet der Turnierklassiker nicht mehr zur traditionsreichen Serie des Nations Cups. Hintergrund ist der Streit zweier Uhren- Hersteller: Rolex ist Sponsor in Aachen, Longines finanziert den Nations Cup.

«Es ist schon schade, dass ein Pferdeland wie Deutschland kein Turnier in der Serie hat», sagte Bundestrainer Otto Becker. «Ich bedauere das sehr.» Für den ersten Turnier-Höhepunkt am Donnerstagabend unter Flutlicht sei das jedoch nicht entscheidend: «Da ist immer volles Haus, das ist ein absolutes Highlight.»

Kemperman sieht in der Unabhängigkeit vom Nations Cup sogar einen Vorteil. «Wir können die besten Teams einladen, auch wenn sie nicht am Nations Cup teilnehmen», erklärte der CHIO-Sportdirektor. «Die Amerikaner kommen extra mit einem eigenen Flug, sie bringen die besten Pferde mit.» Doch Kemperman weiß: «Es gibt auch Reiter, die reiten nur noch die Global Champions Tour.»

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