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Reiter-Dilemma: Nationalmannschaft oder Valkenswaard United?

Der deutsche Springreiter Marcus Ehning auf seinem Pferd Pret A Tout. Foto: Sebastian Gollnow

Der deutsche Springreiter Marcus Ehning auf seinem Pferd Pret A Tout. Foto: Sebastian Gollnow

Berlin (dpa) - Das Problem bei der Springreiter-Nationalmannschaft ist offensichtlich. «Wir können nicht mehr aus dem Vollen schöpfen», sagt Dennis Peiler, der Sportchef beim Reitverband FN.

Für Bundestrainer Otto Becker ist daher im WM-Jahr die Nominierung für die Nationenpreise noch schwieriger geworden. Für diese Länderspiele der Reiter stehen drei Olympia-Starter aus dem Rio-Quartett nicht mehr zu Verfügung. Und für die am Wochenende beginnende Nationenpreis-Serie gibt es eine millionen-schwere Konkurrenz.

Nationalmannschaft oder Global Champions Tour? So lautet die Frage, die sich die Profis häufig stellen müssen. Die Global Tour ist die höchstdotierte Serie des Pferdesports, privat organisiert, sie umfasst inzwischen 17 Stationen und bietet ein Preisgeld von zusammengerechnet 35 Millionen Euro. «Das ist ein Problem für uns», sagt Peiler: «Für uns als Verband stehen die Nationenpreise und die WM im Vordergrund.»

Am Team-Wettbewerb der Millionen-Serie nehmen elf Deutsche teil, reiten für Teams wie Valkenswaard United, St. Tropez Pirates oder Cascais Charms. Dabei sind auch vier der fünf A-Kader-Mitglieder, die als Kandidaten für die WM im September in den USA gelten. Nur die deutsche Meisterin Simone Blum, die Newcomerin des vergangenen Jahres, macht nicht mit.

«Die Serie macht es für uns immer schwieriger», sagte Peter Hofmann, im FN-Präsidium für den Spitzensport zuständig. «Es gibt ohnehin fast jedes Wochenende zwei Fünf-Sterne-Turniere.» Hofmann und Peiler ist aber klar, dass die Reiter in erster Linie Profis sind, die Geld verdienen müssen und danach die Turniere aussuchen.

Die Global Tour mit ihren Einnahmemöglichkeiten ist für einen Reiter wie Marcus Ehning Pflicht. «Das ist schließlich mein Job», sagt der derzeit erfolgreichste deutsche Reiter. Ehning ist allerdings in einer komfortablen Situation. Der dreimalige Weltcup-Sieger hat mehrere Spitzenpferde in seinem Stall in Borken: «Ich kann tauschen und wechseln. Otto muss mir sagen, wann er mich braucht, und ich versuche, dahin zu kommen.»

Auch Otto Becker gibt zu: «Es ist nicht einfacher geworden. Es gibt noch mehr Turniere, und durch die Teams haben die Reiter Verpflichtungen.» Zugute kommt dem Bundestrainer kurioserweise das wieder einmal geänderte Reglement der Nationenpreis-Serie, die am Sonntag im slowakischen Samorin beginnt. Jede Nation darf nur bei fünf der acht Turniere des Nations Cups starten. Bei den traditionsreichen Nationenpreisen von Schweden, Irland und Großbritannien wird es keine deutsche Mannschaft geben.

Für das Nationalteam fehlen dem Bundestrainer neben dem zurückgetretenen Ludger Beerbaum weiterhin die Olympia-Reiter Christian Ahlmann und Daniel Deußer. Die beiden haben Anfang des Jahres die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben. Daher dürfen sie nicht im Team reiten, weder bei einem Nationenpreis noch bei der WM in Tryon/North Carolina. «Wir haben bei Christian und Daniel die Hoffnung noch nicht aufgegeben», sagt FN-Präsidiumsmitglied Hofmann. Auch Becker wünscht sich die Rückkehr von Ahlmann und Deußer: «Beide sind absolute Weltklassereiter und Teamplayer.»   

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