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WM-Chaos durch Wirbelsturm: Werth kritisiert Veranstalter

Dieses von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) zur Verfügung gestellte Bild des GOES-Satelliten zeigt Hurrikan «Florence», der auf die US-Ostküste zusteuert. Foto: Nasa/Planet Pix via ZUMA Wire

Dieses von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) zur Verfügung gestellte Bild des GOES-Satelliten zeigt Hurrikan «Florence», der auf die US-Ostküste zusteuert. Foto: Nasa/Planet Pix via ZUMA Wire

Tryon (dpa) - Isabell Werth redete sich in Rage. Je länger die Dressur-Königin über die Absage der WM-Kür sprach, desto ärgerlicher wurde sie.

«Wir haben gesagt, lasst es uns am Samstag machen», berichtete die Doppel-Weltmeisterin von Tryon: «Aber die waren dafür zu unflexibel. Das ging angeblich nicht.» Ein solches Chaos wie bei den Weltmeisterschaften in den USA habe sie «noch nicht ansatzweise» erlebt.

Der Wirbelsturm «Florence» - oder besser die Angst davor - hat das WM-Programm der Pferdesport-WM in den USA durcheinandergewirbelt und beim Veranstalter für noch mehr Turbulenzen gesorgt. Nach tagelangen Diskussionen wurde die letzte Dressur-Entscheidung komplett aus dem Programm gestrichen. Werths Chance für eine dritte Gold-Medaille war dahin.

Entgegen der Voraussagen sind die Auswirkungen von «Florence» im WM-Ort Tryon kaum zu spüren. «Hier ist alles gut, wir hätten heute schön springen können», sagte am Sonntag Hans Melzer, der Bundestrainer der deutschen Vielseitigkeitsreiter. Das abschließende Springen der Vielseitigkeit war auf Montag verschoben worden.

«Das ist sehr schade, der Veranstalter hätte flexibler sein müssen», kritisierte Melzer: «Auf den Plätzen gibt es nicht einmal Pfützen.» Rund 350 Kilometer von der Küste von North Carolina entfernt, wo «Florence» am Freitag angekommen war, gab es zwei Tage später lediglich Wind und dauerhaften Regen. «Das ist wie bei uns im Herbst, nur wärmer», berichtete der Bundestrainer.

Am Samstag waren die Bedingungen sogar ideal. Die Dessur-Kür hätte ohne Probleme stattfinden können - so wie der Geländeritt der Vielseitigkeitsreiter. «Es hieß, es stehen keine Kameras zur Verfügung», berichtete Equipe-Chef Klaus Roeser aus den zahlreichen Krisensitzungen und wirkte ratlos.

Der WM-Veranstalter wollte die letzte Dressurprüfung lieber am Montag durchführen, dabei stand «der Rückflug der europäischen Pferde fest», erklärte Roeser. «Wir können kein Pferd eine Prüfung gehen lassen und es anschließend sofort auf den Flieger stellen. Das ist in keinster Weise vertretbar. Dieses Risiko kann und darf keiner eingehen.» Dem Veranstalter schien das egal zu sein.

Für Werth, die am Freitagabend auf ihrer Stute Bella Rose nach dem Team-Gold auch im Special-Einzelwettbewerb siegte, war das schwer zu verstehen. «Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust», sagte Werth: «Ich wäre die Kür sehr gerne geritten.» Die 49-Jährige zeigte aber auch Verständnis für die Absage des Sonntags-Termins. «Auf der anderen Seite ist es natürlich richtig so, es wäre ein zu großes Risiko gewesen», sagte die Reiterin, die im Special ihren neunten WM-Sieg gefeiert und den zehnten vor Augen hatte.

Der Veranstalter und der Weltverband wirken komplett überfordert. Neben gutem Sport ist die WM in den USA eine Ansammlung von Pleiten, Pech und Peinlichkeiten. Noch immer wird auf dem Gelände gebohrt und gehämmert. Vieles ist noch immer nicht fertig. Im Hauptgebäude sind im Erdgeschoss die Toiletten weiterhin nicht in Betrieb. An vielen Stellen liegen Bauschutt und Müll.

Schon am ersten Tag war das Distanzrennen, nachdem es wegen Fehlern der Organisation neu gestartet werden musste, abgebrochen worden. Noch immer gibt es keine Klärung, warum die Fehler beim Start passiert sind. Was man weiß: Ein Pferd namens Barack Obama ist tot, und 52 Pferde mussten behandelt werden.

Der Geländeritt, die zweite Teilprüfung der Vielseitigkeit, lief am Samstag bei leichtem Wind und bewölktem Himmel wie geplant. Die deutschen Vielseitigkeitsreiter erwischten allerdings keinen guten Tag im Gelände und fielen von Platz eins auf sechs zurück.

Allein Ingrid Klimke glänzte. Die Europameisterin aus Münster zeigte mit Hale Bob einen famosen Ritt. Auf die Sekunde genau und ohne Fehler absolvierte Klimke die Strecke. Damit schob sich die 50-Jährige in der Einzelwertung auf Rang eins. «Das war genial», schwärmte die Reiterin.

Für die Mannschaft wird es im Springen, für das es noch keine Startzeit gibt, sehr eng. «Wir müssen jetzt versuchen, durch ein gutes Springen mindestens Sechster zu bleiben», sagte Bundestrainer Melzer: «Dann hätten wir unser Minimalziel, die Olympia-Qualifikation, erreicht.»

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