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Wolfgang Joop - Weit weg und wieder nach Hause

Der Designer Wolfgang Joop hat ein neues Buch geschrieben - per Hand. Foto: Monika Skolimowska

Der Designer Wolfgang Joop hat ein neues Buch geschrieben - per Hand. Foto: Monika Skolimowska

Potsdam (dpa) - Maler, bildender Künstler, Autor und natürlich Modeschöpfer - seine zahlreichen Talente haben Wolfgang Joop um die Welt geführt. Doch die Sehnsucht blieb. Die Sehnsucht nach dem Ort seiner Kindheit - Gut Bornstedt in Potsdam.

«Meine Mutter Charlotte und ich, die uns in Braunschweig nicht einleben wollten, hatten nur ein Ziel: zurück nach Bornstedt, zu den Menschen und der wundervollen Umgebung, die sich nicht zu verändern schien», sagte Joop der Deutschen Presse-Agentur vor dem Erscheinen seiner Autobiografie «Die einzig mögliche Zeit».

Inzwischen ist das Ziel erreicht: Gemeinsam mit seinem Partner Edwin und seiner Ex-Frau Karin, mit der Joop die zwei erwachsenen Töchter Jette und Florentine hat, lebt der Modeschöpfer auf dem Gut am Park von Sanssouci in Potsdam. Von der Heimkehr zum Familienstammsitz erzählt der 74-Jährige nun - und gewährt auf knapp 500 Seiten tiefe Einblicke in sein Leben. Berichtet von Unsicherheit, Einsamkeit und Niederlagen.

Themen, die er schon 2013 in dem biografischen Buch «Undressed - Aus einem Leben mit mir» nicht ausließ. Damals gaben Fragen der Journalistin und Schriftstellerin Rebecca Casati den Rahmen vor und beleuchteten kapitelweise die wichtigsten Stationen des Designerlebens. Diesmal bestimmt Joop selbst den Ton und plaudert munter auch Intimes über die Familie und deren Geschichte aus - was Zündstoff bergen und alte Konflikte entfachen könnte.

Der Rückkehr nach Bornstedt ist eine öffentliche familiäre Auseinandersetzung vorausgegangen, getragen vor allem von einem angespannten Verhältnis zu Tochter Jette. «Hat man das Glück, viele Kinder zu haben, hat man auch viele unterschiedliche Meinungen, wie mit dem Familienerbe umgegangen werden soll», beschreibt es Joop heute. Er habe den «unumstößlichen Wunsch» gehabt, den ehemaligen Sehnsuchtsort zu restaurieren. «Das Privileg, an diesem Ort zu sein, die für mich fühlbare spirituelle Unterstützung meiner Vorfahren, gibt mir Kraft und Inspiration.»

Im Juli vergangenen Jahres habe er spontan begonnen, über den Weg dorthin zu schreiben. «Ein Lebensweg, der mich weit weg und wieder nach Hause führte...»

Seine Schilderungen - selbst aus der frühen Kindheit - sind minuziös. Sein Gram darüber, dass er 1954 den Familienstammsitz verlassen musste, weil seine Eltern nach Braunschweig übersiedelten, ist spürbar. Hinzu kommt das konfliktreiche Zusammenleben der Eltern, bedingt durch eine Trennung in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Von seinem Vater fühlt sich Joop entfremdet und leidet unter dessen autoritären Erziehungsversuchen.

Das Gedächtnis des Autors ist erstaunlich. Facettenreich berichtet er von seinem ersten Fashion-Moment Mitte der 1950er Jahre, als er mit Wollsocken und weiten Hosen aus Großvaters Kleiderschrank sein Outfit kreierte. Von den ersten Begegnungen mit seiner großen Liebe Karin, an deren Seite er sich ins kreative Schaffen stürzt und internationalen Ruhm erlangt, bis er zusammen mit Karl Lagerfeld und Jil Sander zu den erfolgreichsten Deutschen in dieser Branche zählt.

In so einer Welt ist wenig Zeit fürs Elternsein. «Kopflos wie Karin und ich unsere Tage und Nächte verbrachten, kam uns der Gedanke an ein Kind gar nicht», so der Designer zur frühen Schwangerschaft von Karin. Nach Jettes Geburt 1968 sei ihre Mutter überfordert gewesen, so Joop. Das Paar überlässt die Erstgeborene einige Zeit der Obhut der Großeltern, um sich beruflich zu etablieren.

Offen schreibt Joop auch über Sex, aber ein Outing bleibt aus. Es habe bei ihm nicht ein «schmerzhaftes Erwachen» gegeben, so der Designer im «Zeit»-Interview. Er sei ambivalent gewesen. In seiner Autobiografie schreibt er jedoch nach seiner Trennung von Ehefrau Karin: «Und noch wollte ich auch nicht glauben, was andere schon erkannt hatten: dass Edwin und ich in Liebe verbunden waren. Wir wussten es nicht, weil wir wohl noch nicht die vielen verschiedenen Gesichter der Liebe kannten.»

Verfasst hat der Designer sein Buch handschriftlich. Es sei ein schwerer Weg gewesen. «Aber mein Wunsch, das oft Unglaubliche mit einem Leser zu teilen, ließ mich durchhalten», so Joop. «Der Lohn für all die Arbeit, die ein Jahr genau Vorrang hatte, ist das Gefühl, die Erinnerungen nicht mehr allein tragen zu müssen - ja - einiges vergessen zu dürfen.»

- Wolfgang Joop: «Die einzig mögliche Zeit», Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Erscheinungstag 17.09.2019, Hardcover 22,00 Euro, ISBN 978 3 463 00003 9.

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