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Hollywood auf der «Inclusion Rider»-Welle

Frances McDormand spricht bei den Oscars: «Es gibt kein Zurück mehr.» Foto: Chris Pizzello

Frances McDormand spricht bei den Oscars: «Es gibt kein Zurück mehr.» Foto: Chris Pizzello

Los Angeles (dpa) - Mit zwei Worten hat die Oscar-Gewinnerin Frances McDormand in Hollywood eine Bewegung angestoßen: «Inclusion Rider». Nie gehört? So ging es vielen, als die Schauspielerin Anfang März bei der Oscar-Gala ihre Dankesrede mit diesen Worten - ohne weitere Erklärung - beendete.

Im Netz machte der Hashtag #inclusionrider schnell die Runde. Jetzt ist der Begriff in aller Munde. Stars wie Matt Damon, Ben Affleck, Brie Larson und «Black Panther»-Darsteller Michael B. Jordan wollen McDormands Schlachtruf folgen.

«Inclusion Rider» ist eine Klausel in Verträgen, die zum Beispiel die Anstellung von mehr Frauen oder Angehörigen von Minderheiten vor und hinter der Kamera vorsieht. Einflussreiche Stars können demnach für ihren Auftritt Bedingungen aushandeln, die mehr Vielfalt am Set garantieren.

Der Begriff stammt von der US-Professorin Stacy Smith von der USC Annenberg School an der University of Southern California. Eine Flut von Anfragen sei nach der Oscar-Gala auf sie zugekommen, sagte die Expertin für Gleichberechtigung in Film und Fernsehen in einem Interview auf der Website der Lehrstätte. 2014 hatte sie das Prinzip dieser Klausel erstmals erläutert. Die Idee dahinter: die Besetzung des Arbeitsplatzes soll in etwa die Anteile von Frauen oder Minderheiten in der Bevölkerung widerspiegeln.

Die Oscar-Preisträgerin Brie Larson («Raum») zeigte sich sofort solidarisch: «Ich verpflichte mich für den Inclusion Rider. Wer macht mit mir mit?», twitterte die 28-jährige Kalifornierin noch in der Oscar-Nacht. Wenige Tage danach verkündete der «Black Panther»-Star Michael B. Jordan (31), seine Produktionsfirma Outlier Society werde bei allen zukünftigen Filmprojekten die Klausel anwenden. Er habe in seiner bisherigen Karriere immer wieder mit starken Frauen und schwarzen Künstlern zusammengearbeitet und verstehe diesen Schritt als «Unterstützung der Frauen und Männer, die diesen Kampf anführen», schrieb der Schauspieler auf Instagram.

Am vergangenen Dienstag schlossen sich auch Matt Damon und Ben Affleck der Bewegung an. Ihre Produktionsfirma Pearl Street Films wolle bei künftigen Projekten die Gleichheitsklausel anwenden, wie Geschäftspartnerin und Produzentin Fanshen Cox über Twitter mitteilte. Auch Paul Feig, Regisseur von Hitfilmen wie «Taffe Mädels» und «Brautalarm», stellte sich mit seiner Firma Feigco Entertainment hinter die Initiative. «Wir rufen andere Firmen und Studios dazu auf, dasselbe zu tun», schrieb er auf Twitter.

Hollywood-Studios wie Warner Bros. und Sony Pictures hüllen sich bisher in Schweigen, dafür schreitet aber der Boss der mächtigen Talent-Agentur William Morris Endeavor (WME), Ari Emanuel, zur Tat. Der «Hollywood Reporter» veröffentlichte eine interne WME-Mitteilung, wonach die Agentur die Klausel begrüßt. Es sei «zwingend notwendig», mit den Film- und Fernsehtalenten über die Thematik zu sprechen und Maßnahmen zu ergreifen, um Veränderungen für Frauen, Farbige, die LGBT-Gemeinde und Menschen mit Behinderungen in die Wege zu leiten, so Emanuel. Bei William Morris Endeavor sind Stars wie Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Emma Stone und Denzel Washington unter Vertrag.

Seit über zehn Jahren untersucht Stacy Smith die Rolle von Frauen und Minderheiten in der Unterhaltungsbranche. Auf der Leinwand sieht es für Frauen nicht gut aus, männliche Protagonisten geben den Ton an. Nach einer im Januar veröffentlichten USC-Studie, die 1100 Filme zwischen 2007 und 2017 untersuchte, standen dabei nur vier Prozent Frauen als Regisseurinnen hinter der Kamera. Auch im Vorstand von Unterhaltungs-Firmen seien Frauen deutlich unterrepräsentiert, befand die Studie. 

Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2017, die auf Filme bis 2007 zurückging, gehen weniger als ein Drittel aller Sprech-Rollen an Mädchen oder Frauen. Von den 100 erfolgreichsten Film von 2016 drehten sich nur 34 Filme um eine weibliche Hauptfigur. Nur drei dieser Frauen gehörten einer Minderheit an. «Weiße, heterosexuelle und körperlich gesunde Männer sind weiterhin die Norm auf der Leinwand», schrieb Smith.

Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung war Greta Gerwig mit ihrem Werk «Lady Bird» als erst fünfte Frau überhaupt für die beste Regie nominiert. Als einzige Frau gewann in dieser Kategorie bisher Kathryn Bigelow (2010 für «Tödliches Kommando - The Hurt Locker»). Rachel Morrison («Mudbound») war die erste Frau, die in der Oscar-Geschichte für die beste Kamera nominiert wurde. Mit dem Südstaatendrama «Mudbound» hatte Dee Rees als erste schwarze Frau in der Kategorie «Adaptiertes Drehbuch» Gewinnchancen. Alle drei gingen leer aus, doch schon ihre Nominierungen setzten ein Zeichen.

«Es gibt kein Zurück mehr», sagte Frances McDormand - beste Hauptdarstellerin in «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» - hoffnungsvoll in der Oscar-Nacht. Hollywood stehe eine echte Veränderung bevor.

So gab Warner Bros. am Donnerstag nach Medienberichten bekannt, dass die US-Regisseurin Ava DuVernay («Selma») den geplanten Superheldenfilm «New Gods» für das Hollywood-Studio inszenieren werde. Nach der «Wonder Woman»-Regisseurin Patty Jenkins ist sie die zweite Frau, die bei einem großen Superhero-Projekt den Ton angibt, berichtete «Variety». Als erste schwarze Filmemacherin drehte DuVernay zuletzt für Disney einen Live-Action-Streifen mit einem Budget von über 100 Millionen Dollar. «A Wrinkle in Time» kommt im April als «Das Zeiträtsel» in die deutschen Kinos.

Sie würde «Inclusion Rider»-Forderungen von Schauspielern voll unterstützen, sagte die Regisseurin kürzlich dem Sender ABC. «Ich unterstützte jede Aktion, die mehr unterschiedliche Menschen, Kulturen, Vielfalt und Geschlechter hinter die Kamera bringt.» Jeder spreche nun in Hollywood darüber, so DuVernay. «Vielleicht bringt das eine wirkliche Veränderung.»

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