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Kritik an Konzert-Absage im Bauhaus reißt nicht ab

Feine Sahne Fischfilet wollen auf jeden Fall in Dessau-Roßlau auftreten. Foto: Daniel Karmann

Feine Sahne Fischfilet wollen auf jeden Fall in Dessau-Roßlau auftreten. Foto: Daniel Karmann

Dessau-Roßlau/Berlin (dpa) - Nach der Absage des Konzerts der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet im Bauhaus Dessau reißt die Kritik an der Entscheidung nicht ab.

«Es darf niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern», sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kunstfreiheit genieße in Deutschland hohen Verfassungsrang. Dieser Stellenwert sei die Lehre aus der deutschen Geschichte mit dem Angriff auf die Demokratie von rechten und linken Antidemokraten. Die Verantwortung der Künstler zur Verteidigung dieser Freiheit sei unverzichtbar, sagte Grütters.

Der diesjährige Vorsitzende des Bauhaus Verbundes, Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), schrieb in einem Brief an die Mitglieder des Museumsverbandes, er widerspreche entschieden den Äußerungen der Stiftung Bauhaus Dessau, das Bauhaus sei ein «bewusst unpolitischer Ort». Die Kunstschule fordere nach ihren eigenen Erfahrungen in der Nazi-Zeit und der DDR zu einer klaren Haltung gegen alle Einschüchterungsversuche auf.

Das ZDF hatte für den 6. November das Konzert zdf@bauhaus mit der umstrittenen Band geplant. Das Bauhaus hatte von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und das Konzert untersagt, nachdem rechte Gruppierungen im Internet zum Protest gegen den Auftritt der linken Musiker aufgerufen hatten. Man wolle kein Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden, hieß es. «Dies steht auch im Kontext jener polarisierten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die in den vergangenen Monaten das Bild Ostdeutschlands geprägt haben», hatte die Stiftung Bauhaus zur Begründung mitgeteilt.

Die Band selbst kritisierte die Absage in einer Stellungnahme auf Facebook scharf. Das Bauhaus sei vor der rechten Szene eingeknickt, schrieben die Musiker. Das setze «neue Maßstäbe in Sachen Erbärmlichkeit», hieß es weiter. Zudem kritisierte die Band die Absage als Eingriff in die Programmentscheidung des ZDF.

Feine Sahne Fischfilet kündigte an, auf jeden Fall am 6. November in Dessau-Roßlau aufzutreten. «Wenn wir und viele andere Menschen bei jeder kleinen Einschüchterung sich gleich wegducken und jedes Konzert absagen würden, welches die Nazis zur Weißglut bringt, dann würde hier nahezu gar nix mehr gehen», schrieben die Musiker auf Facebook. Die Band habe sich sehr gefreut, «in diesem intimen und einzigartigen Rahmen» des Dessauer Bauhauses zu spielen. Das ZDF sucht derzeit nach einem neuen Ort für das Konzert.

Lederer betonte, die Mobilisierung gegen das Konzert sollte als Angriff auf die Kunstfreiheit verstanden werden. «Wir können und wollen die politischen Wurzeln des Bauhauses nicht einfach ignorieren», schrieb er. «Lassen Sie uns also das 100-jährige Jubiläum nutzen, um mit Selbstvertrauen für Kultur und Demokratie einzustehen!» Grütters sagte, das Thema müsse im Stiftungsrat des Bauhaus Dessau und mit dem ZDF intensiv besprochen werden.

Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) und das Bauhaus Dessau hatten die Absage erneut verteidigt. Dem Radiosender MDR Kultur sagte Robra, eine politische Konfrontation sei mit dem Bauhaus nicht vereinbar. Die Direktorin des Bauhauses sei in die Überlegungen des ZDF nicht eingebunden gewesen und habe erst am Mittwoch von der Einladung der Band erfahren.

zdf@bauhaus

Stellungnahme der Band auf Facebook

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