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Loredana, der Gangsta-Rap und das wahre Leben

Loredana, Rapperin aus der Schweiz (2019). Foto: Henning Kaiser/dpa

Loredana, Rapperin aus der Schweiz (2019). Foto: Henning Kaiser/dpa

Luzern (dpa) - Die Gangsta-Rap-Sensation kommt aus Emmenbrücke, einem Vorort von Luzern am Vierwaldstättersee in der Schweiz. Loredana Zefi schlug 2018 mit ihrem Song «Sonnenbrille» wie eine Bombe in der Deutsch-Rap-Szene ein.

Die 24 Jahre alte Tochter eines Einwanderers aus dem Kosovo zelebriert sich seitdem vor Millionen Anhängern in sozialen Medien als Star mit Trash-Appeal: Pelz und Schmollmund, Gucci und nackte Haut, Tattoo und Stinkefinger.

Ihre erste Tournee «King Lori Tour» fiel im März nach dem Start in Leipzig Corona zum Opfer. Doch die Musik geht weiter. Ihre neueste Nummer mit KC Rebell und Summer Cem heißt: «Geh Dein Weg». Korrekte Grammatik soll dem Musikflow nicht im Wege stehen. Der Song landete in den Offiziellen deutschen Charts gleich auf Platz vier. Vier ihrer Stücke schafften es in diesem Jahr schon auf die Eins.

Ihren fast drei Millionen Fans auf Instagram präsentiert sich Loredana mal lässig, mal provokant, mal aggressiv, aber meist durchgestylt: als würden die gefärbten Haare immer blonder, die Lippen immer voller und die Augen immer katzenähnlicher.

Der durchschnittliche fröhliche Teenager von älteren Fotos ist nur noch an ein paar Muttermalen im Gesicht wiederzuerkennen. Spekulationen über Schönheitsoperationen kommentiert Loredana nicht. Für Interviews steht sie zurzeit nicht zur Verfügung, wie eine Sprecherin des Artist & Labelmanagement Loredana sagt.

Der Gangsta-Rap, der das Gang-Leben feiert und kriminelle Energie verherrlicht, ist eigentlich eine Männerdomäne. Sie habe den Typen zeigen wollen, was sie drauf habe, sagte Loredana im Frühjahr in einem ihrer seltenen Interviews der Schweizer «Weltwoche». «Ich will die Rap-Krone, die männliche. Meine Ansage lautet: «Ey, was diese Typen können, kann ich besser, und das als Frau!»»

Beim Niveau der Texte braucht Loredana keinen Vergleich mit ihren Kollegen zu scheuen: «Ich hab' 'n Million-Million-Dollar-Smile peng, peng/Das Geld, die Roli, alles meins jaja/Die Geschäfte laufen von allein woo, woo». Oder: «Meine Fresse überall auf dem Titelblatt/Ist ein Zeichen dafür, dass ich alles richtig mach'.» Oder: «Will die Mios sehen ey, nich' lang überlegen Cash.»

Ob Loredana die «Mios» - Millionen - vielleicht schon vor dem Geldsegen durch ihren Erfolg sehen wollte, beschäftigt zurzeit die Staatsanwaltschaft Luzern. «Es ist richtig, dass wir wegen Verdachts auf Betrug untersuchen», sagt der Sprecher Simon Kopp. Die Ankläger ließen im Mai 2019 ihre Wohnung durchsuchen. Angeklagt, wie Loredana selbst sagt, ist sie aber nicht, noch laufen nur Ermittlungen. Wann es weitergeht, will Kopp nicht verraten. In der «Weltwoche» beteuert Loredana: «Meine Weste ist weiß, übelst blank.»

Eine Schweizer Kellnerin hat Klage eingereicht und Boulevard-Medien berichtet, Loredana samt Familie habe sie um jede Menge Geld gebracht. Die Kellnerin dürfte auf eine gängige Betrügermasche hereingefallen sein: Sie hat Kontakt mit einem netten Mann im Internet, der plötzlich Geld für seine kranke Mutter braucht. Sie leiht ihm Geld, Hunderttausende Franken. Statt Rückzahlung gibt es nur Vertröstungen.

Dann meldet sich eine «Anwältin», die helfen, aber auch erstmal bezahlt werden will. Die Kellnerin fällt aus allen Wolken, als sie das Gesicht der angeblichen «Anwältin» eines Tages in der Zeitung sieht: Loredana. Der nette Mann soll Loredanas Bruder gewesen sein.

In einer Pressekonferenz im Kosovo sagte die Rapperin später über die Klägerin: «Sie wurde nicht gezwungen, sie wurde nicht bedroht, und sie wurde nicht betrogen.» Sie räumt aber ein, dass Mitglieder ihrer Familie seit 2016 mit der Frau zu tun hatten. Sie selbst habe 2018 die Möglichkeit gesehen, «diese Sache zu regeln». «Ich habe alles aufs Spiel gesetzt, meinen Beruf, meine Musik, mein Leben - für meine Familie, und ich werde das auch nie bereuen.»

Loredana ist mit sieben Brüdern und zwei Schwestern bei Luzern aufgewachsen. Sie habe mit ihren Brüdern viel Rap gehört, sagt sie. Dann habe sie den albanischen Rapper Mozzik kennengelernt, der sie inspiriert habe. Mozzik ist auch Vater ihrer 2019 geborenen Tochter Hana. Die beiden leben inzwischen getrennt.

Sie habe zwar schon während der kaufmännischen Lehre das Gefühl gehabt, «dass ich groß rauskomme», und zwar nicht im Bürojob, sagte sie der «Weltwoche». Aber als gleich ihr erster Musikclip innerhalb von 48 Stunden 1,5 Millionen mal aufgerufen worden sei, sei sie doch verblüfft gewesen. Ich dachte: «Ou, Scheiss, das geht voll ab!»

© dpa-infocom, dpa:200730-99-976016/2

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