Warum das Saarland ohne Kerstin Marks Vorratskammer morgens ein bisschen schlechter gelaunt aufwachen würde

Wenn das Saarland morgens aufwacht, hat es Kerstin Marks Stimme im Ohr. Warum sie nach ihrer Babypause die "SR1-Morningshow" von zu Hause aus ihrer Vorratskammer moderiert - wir haben mit ihr gesprochen.
Kerstin Mark in ihrer heimischen Vorratskammer in Saarlouis: Von hier aus geht sie für die SR1 Morningshow auf Sendung. Foto: privat
Kerstin Mark in ihrer heimischen Vorratskammer in Saarlouis: Von hier aus geht sie für die SR1 Morningshow auf Sendung. Foto: privat
Kerstin Mark in ihrer heimischen Vorratskammer in Saarlouis: Von hier aus geht sie für die SR1 Morningshow auf Sendung. Foto: privat
Kerstin Mark in ihrer heimischen Vorratskammer in Saarlouis: Von hier aus geht sie für die SR1 Morningshow auf Sendung. Foto: privat

Es ist wahrscheinlich das kleinste, auf jeden Fall das ungewöhnlichste Homeoffice des Saarlandes. Aber ohne diese paar Quadratmeter würden viele Saarländer:innen sicher weniger gut gelaunt in den Tag starten. Aus einem kleinen Vorratsraum ihres Saarlouiser Hauses moderiert Kerstin Mark „SR1 – Die Morningshow“. Ihr Kollege Christian Balser befindet sich zeitgleich auf dem Saarbrücker Halberg. Gemeinsam im Studio zu stehen, ginge auch wegen der aktuellen Corona-Lage nicht.

Seit gut einer Woche ist Kerstin Mark aus der Babypause zurück. Unter normalen Bedingungen würde sie jetzt um 03.00 Uhr nachts aufstehen, zum Saarbrücker Funkhaus fahren, die Sendung vorbereiten und dann von 05.00 bis 09.00 Uhr die Saarländerinnen und Saarländer aufwecken und in den Tag begleiten. „Das würde ich im Moment nicht hinbekommen“, sagt Kerstin Mark. Zwar macht ihr Ehemann gerade Elternzeit, „aber mit zwei kleinen Kindern wären solche Zeiten schon ziemlich hart“.

Dank Mama-Bonus: Kerstin startet eine Stunde später

Kerstin Mark ist froh, dass mit ihren Chefs beim Saarländischen Rundfunk eine sehr pragmatische Lösung möglich war: „Ich hab den großen Mama-Bonus“, freut sie sich. „Ich steige erst um 06.00 Uhr ein. Denn mit zwei Kindern ist die Nacht schon mal stressiger.“ Kollege Christian Balser weckt und informiert die ersten Saarländer:innen ab 05.00 Uhr alleine. Kerstin Mark startet dann kurz nach 06.00 Uhr mit den Wetter-Infos.

Wenn sich Kerstin und Christian kurz vor 09.00 Uhr von ihren Hörer:innen verabschieden, ist ihre „Schicht“ allerdings noch nicht vorbei: „Dann ist Nachbereitung und Vorbereitung für die nächste Sendung, sodass ich etwa bis 12.00 Uhr arbeite.“ Seit Anfang 2022 heißt die Sendung „SR1 – Die Morningshow“. Kerstin und Christian moderieren die Sendung im Wochenwechsel mit einem anderen Team.

Das „Studio Mark“: Morningshow zwischen Konservendosen

Weil Studiotechnik heute voll digital funktioniert, ist eine Sendung im Prinzip von jedem Ort der Welt möglich – solange es Internet gibt. Bei den Marks in Saarlouis gab es dennoch eine Herausforderung: „Wir haben ein ziemlich offenes Haus gebaut“, sagt Kerstin Mark, „es gibt eigentlich eine große Fläche ohne viele Wände und Türen.“ Eine wunderbare Etage, auf der sich das Leben der zwei großen und zwei kleinen Marks abspielt. Nun gibt es aber ein Gesetz bei einer Live-Sendung: Ruhe!

„Da blieb eigentlich nur unsere Vorratskammer übrig“, lacht die Moderatorin. Also rückten „SR“-Techniker an und verwandelten die paar Quadratmeter in ein Sendestudio – und vielleicht Saarlands kleinstes Homeoffice. „Ich sitze hier tatsächlich zwischen Konservendosen und Getränkevorräten„, beschreibt Kerstin Mark ihren besonderen Arbeitsplatz. „Eigentlich ganz praktisch: Wenn ich während der Sendung Durst bekomme, kann ich nach links greifen, da stehen die Wasserflaschen. Wenn sich der Hunger meldet, nach rechts, da steht der Müslivorrat“, lacht sie.

„Der Kleine kratzt schon mal an der Tür“

Die Abstellkammer ist sogar ein bisschen wohnlicher geworden. „Wir haben sie mit Teppich ausgelegt“, sagt Kerstin. Allerdings weniger aus optischen Gründen – Teppich schluckt den Hall im Raum – auch das ist beim Radiomachen wichtig. Tatsächlich sei der kleinste Raum, den man sich vorstellen könne: „Jeder, der so einen Vorratsraum neben der Küche hat, weiß, was das für ein Kabuff ist. Zwischen Einweckgläsern und Dosenwurst sitze ich dann da“, lacht Kerstin Mark.

Verstehen ihre beiden Kinder eigentlich, was die Mama da jeden Morgen in dem kleinen Raum neben der Küche so macht? „Meine Große ist im Dezember vier geworden. Die ist mittlerweile so fit und weiß: ‚Wenn ich das Radio anmache, dann höre ich die Mama reden'“, sagt Kerstin Mark. Der Kleine sei allerdings „total verwirrt – wieso höre ich die Mama reden, darf da aber nicht rein?“ Die „SR“-Moderatorin weiter: „Der kratzt dann schon mal an der Tür und findet das echt komisch.“

 

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Die eigentliche Studioanlage in der Vorratskammer ist eine kleine Box, an die ein Profi-Mikro angeschlossen ist. Die Box ist mit dem Internet verbunden. „Zum Glück reicht unsere DSL-Geschwindigkeit hier in Saarlouis“, sagt Kerstin Mark. Ihren Kollegen Christian Balser sieht sie auf einem Tablet per Videokonferenz. So können sie sich während ihrer Moderationen anschauen und sich austauschen, während Musiktitel laufen. Auf einem zweiten Tablet schreibt sie ihre Texte – fertig ist das „Studio Mark“ in Saarlouis!

Die Netzverbindung zum „SR“ ist zwar per LAN stabil. Die Tablets hängen allerdings im heimischen WLAN – „das streikte gleich schon in der ersten Woche einmal“, sagt Kerstin Mark. Also wechselte sie für die Videoverbindung schnell auf ihr Handy. „Jetzt ist mein Datenvolumen weg“, lacht sie. Klassische Homeoffice-Probleme eben.

„Viele sind total angetan, dass mir als Mama, die Chance gegeben wird“

Eine Morning-Show aus der heimischen Vorratskammer sei schon anders: „Ich höre natürlich die Kinder. Wir haben ja keine Schallschutztür zu Haus. Da hört man auch mal den Kleinen quaken oder das Quasseln am Frühstückstisch.“ Irgendwann komme sicher auch der Tag, an dem eines ihrer Kinder in die Live-Sendung platze. „Aber die Leute finden das total sympathisch“, freut sich Kerstin Mark über die vielen positiven Reaktionen nach ihrer Rückkehr aus der Babypause und ihrem Sendestart aus dem „Studio Mark“ zwischen Konservendosen und Müslivorrat. „Viele sind total angetan, dass das geht und freuen sich, dass mir als Mama, die Chance gegeben wird“, freut sie sich über die zahlreichen positiven Reaktionen, die sie erreicht haben.

Erstaunlich fand sie allerdings, dass auch eine ganz Menge geschrieben hätten, ihr Arbeitgeber lasse es nicht zu, dass sie ins Homeoffice gehen könnten, obwohl sie einen normalen Bürojob hätten. „Das fand ich tatsächlich erschreckend, dass wir nach zwei Jahren Pandemie immer noch darüber reden“, sagt Kerstin Mark.

Dass ihr Arbeitgeber, der „SR“, hier so flexibel reagiert habe, begeistere viele: „Die sagen, dass wir ein tolles Vorbild sind – dass man sogar eine Radio-Morningshow von zu Hause senden kann – aber man selber, obwohl man nur ein Tablet oder Notebook bräuchte, nicht ins Homeoffice darf“, fasst Kerstin Mark die Reaktionen zusammen.

Irgendwann – wenn die Pandemielage sich gebessert und die Kinder etwas größer sind – will Kerstin Mark die Vorratskammer wieder dauerhaft mit dem Mikro auf dem Halberg tauschen: „Studio ist schon was anderes, Christian direkt gegenüberzustehen, direkt zu interagieren.“ Wie in anderen Firmen auch, findet sie es aber gut, „die Option zu haben, dass man jederzeit ins Homeoffice wechseln kann, wenn zum Beispiel etwas mit den Kindern ist.“ Da unterscheidet sich Radiomachen dann doch gar nicht so sehr von einem normalen Arbeitsplatz.

Kerstin Mark im Radio:

Seit Anfang 2022 heißt der Start in den Tag „SR1 – Die Morningshow“. Kerstin Mark und Christian Balser moderieren diese im Wochenwechsel mit einem weiteren Frühteam. Die Sendung ist montags bis freitags von 05.00 Uhr bis 09.00 Uhr zu hören. Ab 06.00 Uhr steigt Kerstin Mark in die Sendung ein. In den Wochen, in den denen das zweite Frühteam zu hören ist, müssen die „SR1“-Hörer:innen dennoch nicht auf Kerstin verzichten: Sie moderiert dann den Vormittag von 09.00 bis 12.00 Uhr – allerdings alleine und aus dem Studio auf dem Halberg. Die nächste Morningshow-Woche mit beiden startet wieder am Montag, 24. Januar.

UKW: 88,0
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