Deutsch-französisches Traditionslokal gerettet: Aus „Valuta“ wird „Auberge de la Grenz“

Eigentlich sollte das traditionsreiche Restaurant "Valuta" in Saarbrücken-Gersweiler für immer schließen. Nun gibt es doch einen Neuanfang. Aus "Valuta" wird die "Auberge de la Grenz" - die neuen Inhaber sind keine Unbekannten. Und eine prominente Französin schaut auch gerne vorbei.
Das Foto zeigt die Auberge de la Grenz in Gersweiler
Traditionslokal auf der Grenze zwischen Schoeneck und Gersweiler: Aus "Valuta" wird die "Auberge de la Grenz". Foto: clp
Das Foto zeigt die Auberge de la Grenz in Gersweiler
Traditionslokal auf der Grenze zwischen Schoeneck und Gersweiler: Aus "Valuta" wird die "Auberge de la Grenz". Foto: clp

Das Thema „Valuta“ in Gersweiler war eigentlich schon erledigt. Wieder ein Traditions-Restaurant weniger. Familie Schütz, die seit Jahrzehnten Gäste im geschichtsträchtigen Restaurant bekocht und empfangen hatte, gab auf. Die Folgen von Corona hatten dem Lokal zugesetzt – und Gewohnheiten verändert: Viele Stammgäste kamen auch zu entspannteren Pandemie-Zeiten seltener oder gar nicht mehr.

Planerisches Kuriosum zwischen Deutschland und Frankreich

Nun geht es doch weiter: genau auf der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich – was dieses Restaurant so besonders macht. Durch ein planerisches Kuriosum liegt nämlich der Bürgersteig – besser: das Trottoir – vor der Gaststätte in Schoeneck auf französischem Staatsgebiet, das sich anschließende Restaurant aber auf der deutschen Seite in Gersweiler. Wer von der saarländischen Seite aus zum Restaurant will, kann nicht anders als zuerst Frankreich zu betreten und dann mit dem nächsten Schritt wieder in Deutschland zu landen.

Inhaber Ludo Roffé: Zurück, wo alles begann

„Die Valuta“ stand deshalb seit Jahrzehnten für deutsch-französisches Miteinander. Umso trauriger, dass diese schöne Tradition enden sollte. Frisches Leben haucht jetzt Ludovic („Ludo“) Roffé mit seinem Partner und Christophe Frisch dem Restaurant ein.

Ludo ist in der „Valuta“ kein Unbekannter – hat er doch hier vor vielen Jahren seine Ausbildung absolviert. Er war bis vor kurzem Chef des Restaurants an der Gersweiler Turnhalle – nun zieht es ihn gut zwei Kilometer weiter – direkt an die deutsch-französische Grenze.

Seit wenigen Tagen ist das Restaurant wieder geöffnet – aus der „Valuta“ wurde die „Auberge de la Grenz“. Das deutsch-französische Sprachmischmasch beschreibt perfekt Lage und Wesen des Lokals „zwischen den Grenzen“. Hier feierten schon immer Franzosen wie Deutsche ihre Familienfeste – ein fröhliches Stimmengewirr beider Nationen klingt seit Jahrzehnten durch Gasträume und Biergarten-Terrasse.

Neue Gasträume im modernen Bistro-Stil

Das neue Schild hängt: „Auberge de la Grenz – Bar & Restaurant“. Die Gasträume wurden in den letzten Wochen fleißig renoviert. Der früher eher gediegenen Gaststube haben Ludo und Christophe einen moderneren französischen Bistro-Stil verpasst.

Ansonsten bleibt vieles gleich: War schon zu Valuta-Zeiten das Küchen-Credo: Es wird frisch gekocht, keine Zusatzstoffe, setzt auch die Auberge künftig auf beste Zutaten und Qualität.

Patricia Kaas schaut gerne vorbei

Die Vita von Kompagnon Ludo ist dabei typisch französisch-saarländisch: Mit 15 absolvierte der gebürtige Franzose ein Praktikum in der „Valuta“ und war danach überzeugt, dass er hier seine Ausbildung machen wollte. Was hieß: Deutsche Berufsschule – und das bei bis dahin noch geringen Deutschkenntnissen. Gemeinsam mit dem Valuta-Team und seinem damaligen Chef Thomas Schütz nahm er alle Hürden – und kehrt nun als neuer Inhaber zurück.

Für den Neustart haben sich Ludo und Christophe einiges einfallen lassen. So bietet die „Auberge“ zu Weiberfastnacht (16.2) und am Faschingssamstag (18.2) nicht nur Büffet und DJ, sondern auch einen kostenlosen Heimfahrservice, damit die Närrinnen und Narren unbesorgt feiern können. Die französisch-deutsche Küche wird im Jahresverlauf außerdem ergänzt durch Muschel-Abende oder ein Schlachtfest. Für solche Aktionen war schon die „Valuta“ beliebt.

An dem traditionsreichen Ort, genau auf der Grenze zwischen Schoeneck und Gersweiler, geht es also weiter. Das Haus hat schon einiges gesehen. Einst war es Bürgermeistersitz von Josef Sprink (weshalb es auch Sprinkshaus genannt wurde). Hans Schütz übernahm es 1979, machte daraus ein Lokal, das zunächst „Zur Grünen Warte“ hieß und später konsequenterweise zum „Restaurant Valuta“ wurde. Denn die Leute sagten eh, dass sie „in die Valuta gegen“, weil hier früher, direkt auf der deutsch-französischen Grenze, Geld gewechselt wurde und man Zollpapiere bekam.

Nun schließt sich der Kreis zur „Auberge de la Grenz“, die wahrscheinlich weiterhin viele „Valuta“ nennen werden. Gut möglich, dass bald wieder ein sehr prominenter Gast vorbeischauen wird. Chanson-Sängerin Patricia Kaas, geboren im nahen Stiring-Wendel und in Frankreich ein Superstar, war mit ihrer Familie immer wieder gerne zu Gast in der „Valuta“. Zuletzt im April 2018, gemeinsam mit ihrem Bruder und Verwandten, wie ihr Eintrag im Gästebuch beweist. Mit „Toujours un plaisir“, bedankte sich die Sängerin – samt daneben gemaltem großen Herz.

Öffnungszeiten der Auberge de la Grenz

Auberge de la Grenz in Gersweiler (ehem. Restaurant Valuta)
Am Sprinkshaus 4
66128 Saarbrücken
Tel. 0681 703164

Mo – Fr 17 – 23 Uhr (Küche ab 18 Uhr)
Sa, So: geschlossen

Verwendete Quellen:
– eigene Recherche